Berkshire Hathaway hat die Übernahme des Wohnungsbauers Taylor Morrison Ende Juli abgeschlossen. Die Transaktion, im Mai als reines Bargeschäft mit einem Unternehmenswert von rund 8,5 Milliarden Dollar angekündigt, markiert den bislang deutlichsten Beleg dafür, dass CEO Greg Abel unter seiner Führung aktiver in neue Geschäftsfelder investiert als sein Vorgänger Warren Buffett in den vergangenen Jahren.

Ein Rückkehrer als Käufer

Der Deal fügt sich in ein Muster, das sich bereits in den Zahlen zum zweiten Quartal gezeigt hatte: Abel war dort erstmals seit mehr als drei Jahren per saldo Nettokäufer von Aktien, mit rund 20 Milliarden Dollar mehr Zukäufen als Verkäufen.

Taylor Morrison komplettiert dieses Bild um eine komplette Unternehmensübernahme außerhalb des Portfolios börsennotierter Beteiligungen – ein Signal, dass Berkshire seine Barmittel nicht länger nur horten, sondern gezielt einsetzen will.

Diese Reserven bleiben trotzdem gewaltig. Zum 30. Juni verfügte Berkshire über 365,5 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln, ein Rückgang von 8,0 Prozent gegenüber dem Rekordwert von 397,4 Milliarden Dollar Ende März.

Bereinigt um BNSF-Barmittel und Anpassungen bei Treasury Bills sank die Kassenposition um 3,8 Prozent auf 359,2 Milliarden Dollar. Der Puffer schrumpft also, bleibt aber so groß, dass weitere Zukäufe dieser Größenordnung problemlos möglich wären.

Taylor Morrison reiht sich zudem in eine Serie größerer Transaktionen der vergangenen Monate ein. Bereits Anfang Januar hatte Berkshire den für 9,4 Milliarden Dollar vereinbarten Kauf des Chemieherstellers OxyChem abgeschlossen. Zusammen mit der jetzt vollzogenen Wohnungsbau-Übernahme zeigt sich ein Konzern, der außerhalb seines Kerngeschäfts Versicherung gezielt in zyklische, kapitalintensive Branchen investiert.

Operatives Geschäft mit gemischter Bilanz

Der Kontext dieser Investitionsentscheidungen ist ein Konzern mit sehr unterschiedlich laufenden Sparten. Das operative Ergebnis war im zweiten Quartal um 16 Prozent auf 12,98 Milliarden Dollar gestiegen, getragen von Berkshire Hathaway Energy mit einem Plus von 27 Prozent und der Eisenbahntochter BNSF mit 6 Prozent Zuwachs.

Im Versicherungsgeschäft dagegen sanken die Zeichnungsgewinne um 13 Prozent, das Kapitalanlageergebnis fiel um 9 Prozent – belastet auch durch niedrigere kurzfristige Zinsen.

Die Versicherungsfloat-Basis, jene Nettoverbindlichkeiten aus Versicherungsverträgen, die Berkshire traditionell für Investitionen nutzt, lag zum 30. Juni bei rund 177,5 Milliarden Dollar und damit nur leicht über dem Stand zum Jahresende.

Diese Gemengelage aus robusten Industrie- und Energiesegmenten einerseits und einem schwächelnden Versicherungskerngeschäft andererseits erklärt, warum Abel den Fokus zunehmend auf Zukäufe außerhalb der klassischen Versicherungssparte legt.

Die Rückkäufe eigener Aktien von 4,5 Milliarden Dollar im zweiten Quartal, die den Sechsmonatswert auf 4,8 Milliarden Dollar brachten, ergänzen dieses Bild einer Kapitalallokation, die auf mehreren Kanälen gleichzeitig läuft: eigene Aktien, Übernahmen, Aktienbeteiligungen wie Alphabet und die japanischen Handelshäuser.

Für Anleger bleibt die entscheidende Frage, ob sich dieses Tempo fortsetzt. Mit Taylor Morrison hat Berkshire jedenfalls gezeigt, dass Ankündigungen unter Abel zügig in vollzogene Transaktionen münden – ein Kontrast zu den oft über Jahre aufgebauten Beteiligungen der Buffett-Ära.