Die Ära des „Orakels von Omaha“ endet nicht mit einem Schlussstrich, sondern mit einer sorgfältig sortierten Übergabe. Am 18. September 2026 zog Warren Buffett den nächsten formalen Schritt: Der 96-Jährige wechselt vom Chairman zum Chairman Emeritus. An seine Stelle als Chairman des Verwaltungsrats tritt sein Sohn Howard G. Buffett.

Wer nun einen operativen Wechsel an der Konzernspitze erwartet, irrt. Die Führung des operativen Geschäfts liegt längst bei Greg Abel, der bereits Anfang 2026 zum CEO aufgestiegen war und laut Geschäftsbericht für die zentralen Kapitalallokations- und Investitionsentscheidungen verantwortlich zeichnet.

Howard G. Buffett, seit den frühen 1990er-Jahren im Board, übernimmt eine andere Funktion: Er soll für Kontinuität in Unternehmenskultur und Grundwerten stehen, nicht für das operative Tagesgeschäft.

Aufgabenteilung statt Nachfolge im klassischen Sinn

Diese Konstruktion ist bemerkenswert, weil sie die bislang stark auf eine Person konzentrierten Funktionen bei Berkshire explizit aufspaltet. Abel führt das Geschäft, Howard Buffett wacht über Kultur und Werte. Warren Buffett selbst bleibt laut Unternehmensangaben weiterhin Mitglied des Boards und soll seine Erfahrung auch künftig einbringen — er verschwindet also nicht vollständig von der Bühne, tritt aber aus der aktiven Führungsrolle zurück.

Für ein Konglomerat, dessen Bewertung über Jahrzehnte eng mit dem Ruf und Instinkt eines einzelnen Investors verknüpft war, ist diese Arbeitsteilung ein bewusster Bruch mit dem alten Modell. Die Verantwortung wird auf mehrere Schultern verteilt, statt sie erneut in einer Figur zu bündeln.

Der nun vollzogene Schritt markiert das Ende eines mehr als sechs Jahrzehnte währenden Kapitels und zugleich den Beginn einer neuen Phase, in der sich zeigen dürfte, wie tragfähig die neue Struktur aus operativer Führung unter Abel und kultureller Klammer unter Howard Buffett im Alltag des Konzerns funktioniert.