Bertrandt sendet ein Lebenszeichen. Nach der monatelangen Talfahrt greifen Anleger beim Ingenieurdienstleister wieder zu. Die Aktie klettert am Dienstag um 3,58 Prozent auf 8,68 Euro.

Die Branche kämpft mit einem harten Strukturwandel. Große Automobilhersteller halten sich mit Investitionen zurück. Bei Bertrandt führt das zu einer schwachen Auslastung und verzögerten Projekten. Der Dienstleister steckt deshalb in einer tiefgreifenden Umbauphase.

Der Konzern reagiert mit dem Sparprogramm „Fit for Future“. Das Management will die Kostenstruktur massiv drücken. Der Vorstand plant für das laufende Geschäftsjahr mit Einsparungen zwischen 70 und 90 Millionen Euro.

Dieser Umbau kostet Arbeitsplätze. Die Belegschaft schrumpfte bis März 2026 auf 11.744 Personen. Das Unternehmen passt sich so der geringeren Nachfrage an. Damit will Bertrandt die Ergebnismargen stabilisieren.

Parallel zum Sparen sucht der Vorstand neue Erlösquellen. Die Abhängigkeit vom klassischen Autogeschäft soll deutlich sinken. Bertrandt setzt künftig verstärkt auf die Luftfahrt und die Verteidigungsindustrie. Erste Auftragsgewinne im Rüstungssektor bestätigen diesen Kurs.

In diesem neuen Segment strebt der Dienstleister bis zum Jahr 2027 einen Umsatz von rund 100 Millionen Euro an. Mittelfristig soll dieser Bereich bis zu 25 Prozent zum Gesamtergebnis beisteuern. Das entspräche einer signifikanten Verschiebung der bisherigen Geschäftsanteile.

Analysten bewerten das Potenzial der Aktie höchst unterschiedlich. Die Deutsche Bank sieht das Kursziel bei 15 Euro. Im Gegensatz dazu taxiert TP ICAP den fairen Wert auf lediglich 8,50 Euro. Belege für eine echte operative Wende müssen die Neunmonatszahlen im August liefern.