Am 17. Juli 2026 markierte der Titel bei 8,38 Euro ein neues Zehnjahrestief. Damit setzte sich die ausgeprägte Schwächephase fort, die das Papier seit Ende Februar dieses Jahres begleitet. In diesem Zeitraum verlor der Wert rund 56 Prozent an Boden, was maßgeblich auf eine Kombination aus schwachen Kundenabrufen und einer drastischen Korrektur der Unternehmensprognosen zurückzuführen ist. Aktuell notiert die Aktie bei 8,66 Euro.

Prognosesenkung und Ergebnisentwicklung belasten

Die fundamentale Lage des Ingenieurdienstleisters spiegelt die schwierige Situation der Branche wider. Bereits Ende April 2026 sah sich der Vorstand gezwungen, die Prognose für das Geschäftsjahr 2025/2026 deutlich nach unten zu korrigieren. Anstelle des ursprünglich erwarteten moderaten Anstiegs der Gesamtleistung geht das Management nun von einem Rückgang um bis zu 10 Prozent aus. Zudem herrscht Unsicherheit darüber, ob im laufenden Geschäftsjahr ein positives operatives Ergebnis (EBIT) erzielt werden kann.

Diese Entwicklung schlägt sich bereits in den veröffentlichten Zahlen nieder. Im Bericht zum ersten Halbjahr 2025/2026, den Bertrandt Mitte Mai vorlegte, weitete sich der Nettoverlust auf 19,18 Millionen Euro aus, nachdem im Vorjahreszeitraum ein Minus von 14,4 Millionen Euro zu Buche gestanden hatte. Die Gesamtleistung sank in den ersten sechs Monaten um etwa 11,5 Prozent auf 457 Millionen Euro. Das vergangene Geschäftsjahr 2024/2025 war zudem durch hohe Sonderaufwendungen für das Effizienzprogramm „Fit for Future“ geprägt, die das EBIT auf minus 98,05 Millionen Euro drückten. Seit Beginn des Kalenderjahres hat die Aktie bereits 53,39 Prozent an Wert verloren.

Strategische Schritte und veränderte Stimmrechtsanteile

Trotz der operativen Turbulenzen gibt es Bewegungen im Gesellschafterkreis. Der Investor Frank Ferchau hat seine Beteiligung an Bertrandt weiter ausgebaut. Über die Gesellschaften FFI First Finance Invest Objects GmbH und FERCHAU Invest GmbH erhöhte er seine Stimmrechtsanteile zum Stichtag 26. Juni 2026 auf 13,23 Prozent, nach zuvor 12,86 Prozent. Parallel dazu präsentierte sich das Unternehmen Anfang Juli auf einer Roadshow in Hamburg potenziellen Investoren, um Vertrauen zurückzugewinnen.

Auf technologischer Ebene versucht Bertrandt, mit neuen Lösungen gegenzusteuern. Im April erfolgte die Markteinführung der Software „Light MES“, die auf eine höhere Transparenz in der Fertigungssteuerung abzielt. Zudem wurde das Unternehmen im Oktober 2025 von der Robert Bosch GmbH mit dem „Bosch Global Supplier Award 2025“ ausgezeichnet, was die grundsätzlich anerkannte Position als Zulieferer unterstreicht. Dennoch bleibt der Abstand zum 52-Wochen-Hoch bei 21,95 Euro mit 60,55 Prozent erheblich.

Fokus auf den kommenden Quartalsbericht

Anleger blicken nun mit Spannung auf den 3. August 2026. An diesem Tag wird Bertrandt die Quartalsmitteilung zum dritten Quartal 2025/2026 veröffentlichen. Die Marktteilnehmer erhoffen sich davon konkretere Hinweise, ob die eingeleiteten Effizienzmaßnahmen greifen und ob sich die Dynamik der Kundenabrufe stabilisiert hat. Ein Lichtblick war in der Vergangenheit das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres, in dem trotz rückläufiger Gesamtleistung zumindest ein knapp positives EBIT von 238.000 Euro erzielt werden konnte. Ob dieser Trend im dritten Quartal bestätigt werden kann, wird entscheidend für die weitere Kursentwicklung sein.