Bilfinger blickt trotz der jüngsten Belastungen wieder mit vorsichtigem Optimismus nach vorne. Konzernchef Thomas Schulz äußerte sich gestern in Mannheim zuversichtlich für das Geschäftsjahr 2027. Zwar habe die Nachfrage zuletzt spürbar angezogen, unklar bleibe jedoch, wie viele Aufträge die Kunden noch im laufenden Jahr abrufen werden.

Hintergrund dieser Zurückhaltung sind die geopolitischen Verwerfungen durch den Iran-Krieg sowie die anhaltend hohen Energiekosten. Vor gut drei Wochen hatte der Industriedienstleister seine Jahresprognose korrigiert. Das Management zieht das Sparprogramm „Agile“ forciert vor, um die Kostenbasis zügig an das veränderte Marktumfeld anzupassen.

Sparprogramm „Agile“ wird beschleunigt

Im Rahmen des Sparprogramms plant das Unternehmen den Abbau von bis zu 1.500 Stellen. Neben angepassten Kapazitäten setzt Bilfinger auf gebündelte Maßnahmen und globale Shared Services.

Für das vierte Quartal 2026 sind dafür Rückstellungen in Höhe von 75 Millionen Euro vorgesehen. Ab dem Jahr 2028 verspricht sich das Management von den Einschnitten dauerhafte Einsparungen von jährlich 75 Millionen Euro.

Die Beschleunigung des Umbaus soll den Dienstleister gegen die anhaltende Schwächephase absichern. Schulz betonte, dass die strukturellen Anpassungen notwendig seien, um die Profitabilität auch bei vorübergehender Zurückhaltung der Auftraggeber mittelfristig wieder auf das angestrebte Niveau zu heben.

Gedämpfte Aussichten für das laufende Jahr

Für das Gesamtjahr 2026 rechnet der Konzern dennoch mit Gegenwind. Die Umsatzprognose liegt bei 5,3 bis 5,7 Milliarden Euro. Bei der bereinigten Ebita-Marge erwartet Bilfinger inklusive der Einmalkosten 3,2 bis 3,6 Prozent, ohne diese Belastungen sollen es 4,6 bis 5,0 Prozent sein.

Hinter den reduzierten Zielen steht vor allem die Ungewissheit, wie viele Aufträge die Industriekunden vor dem Jahreswechsel tatsächlich noch abrufen. Viele Unternehmen zögern derzeit mit der Freigabe von Budgets für Instandhaltung und Modernisierung.

Festhalten an den Zielen bis 2030

An den langfristigen Ambitionen rüttelt der Vorstand indes nicht. Bis 2030 peilt Bilfinger weiterhin ein jährliches Erlöswachstum von durchschnittlich 8 bis 10 Prozent an. Die bereinigte operative Marge soll bis dahin auf 8 bis 9 Prozent klettern.

Damit setzt das Management darauf, dass sich der Markt nach den akuten Belastungen wieder normalisiert und die eingeleiteten Kostensenkungen voll durchschlagen.

Am Kapitalmarkt dominiert vorerst die Vorsicht. Die Bilfinger-Aktie notiert aktuell bei 54,65 Euro. Seit Jahresanfang summiert sich der Kursverlust auf 49 Prozent.

Ob die Hoffnung auf eine Erholung trägt, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen. Für die Anleger bleibt entscheidend, ob die Kundenaufträge tatsächlich wieder anziehen oder ob die geopolitischen Risiken die Investitionsfreude der Industrie weiter lähmen.