Nach deutlichen Kursverlusten in den zurückliegenden Monaten sucht der Industriedienstleister Bilfinger an den Finanzmärkten nach Stabilität. Am gestrigen Donnerstag ging die Aktie mit einem Schlusskurs von 55,00 Euro aus dem Handel.

Analysten beobachten die Gemengelage aus laufender Restrukturierung und operativem Geschäft mit verhaltener Zuversicht: Am Mittwoch bestätigte Bernstein Research in einer Branchenstudie das Votum „Market-Perform“ und beließ das Kursziel bei 62 Euro.

Sparprogramm und Umsatzziele im Blick

Unternehmensseitig stehen derzeit Effizienzsteigerungen und die künftige Ausrichtung im Fokus. Am 9. Oktober zeigte sich Vorstandschef Thomas Schulz Medienberichten zufolge zuversichtlich für das Jahr 2027 und berichtete über eine zuletzt belebte Nachfrage.

Für das Geschäftsjahr 2026 erwartet das Unternehmen einen Umsatz in der Spanne von 5,3 bis 5,7 Milliarden Euro. Parallel dazu drückt das Management beim Umbau aufs Tempo: Das beschleunigte Sparprogramm namens „Agile“ kann bis zu 1.500 Stellen betreffen.

Der Konzernumbau soll die Kostenstrukturen nachhaltig straffen und die Ertragskraft stärken. Für Investoren stellt sich vor allem die Frage, wie schnell die angepeilten Einsparungen greifen, ohne das operative Geschäft bei einer wieder anziehenden Nachfrage zu bremsen.

Operative Großprojekte und Stimmrechte

Rückhalt für die Auslastung liefert das operative Projektgeschäft. So sicherte sich Bilfinger den Großauftrag für das britische Kernkraftwerk Hinkley Point C von EDF.

Der voraussichtlich bis zum Jahr 2030 laufende Kontrakt bewegt sich finanziell in einem erheblichen Millionen-Euro-Bereich. Das Leistungspaket ist umfangreich: Es reicht von der Detailplanung und Beschaffung über die Rohrvorfertigung bis hin zu komplexen Installationsarbeiten vor Ort.

Parallel zu den operativen Entwicklungen gab es eine Veränderung in der Aktionärsstruktur. Morgan Stanley meldete für Bilfinger am gestrigen Donnerstag einen Stimmrechtsanteil von insgesamt 6,85 Prozent, nachdem dieser zuvor bei 6,87 Prozent gelegen hatte. Die meldepflichtige Schwelle war am 6. Oktober überschritten worden.

An der Börse spiegeln sich die operativen Herausforderungen und die Unsicherheiten des Marktes weiterhin wider. Seit Jahresanfang verzeichnet das Papier ein Minus von 49 Prozent. Damit notiert der Wert nur noch unweit seines 52-Wochen-Tiefs von 53,15 Euro. Der weitere Kursverlauf dürfte maßgeblich davon abhängen, ob das Management die Einsparziele erreicht und die Visibilität für 2027 weiter untermauern kann.