Ein Kurssturz von 23 Prozent an einem einzigen Vormittag ist selbst im MDAX kein Alltagsereignis. Bilfinger hat am Mittwochabend seine Jahresprognose kassiert und gleichzeitig ein Sparprogramm mit bis zu 1.500 betroffenen Stellen angekündigt. Der Markt reagierte gnadenlos: Die Aktie fiel auf 55,60 Euro, das tiefste Niveau seit April 2025.
Der Auslöser liegt im operativen Geschäft. Der Industriedienstleister rechnet für das laufende Jahr nur noch mit 5,3 bis 5,7 Milliarden Euro Umsatz statt der zuvor in Aussicht gestellten 5,4 bis 5,9 Milliarden Euro.
Schwerer wiegt der Einbruch bei der Profitabilität: Die Ebita-Marge soll bei 3,2 bis 3,6 Prozent landen, nach zuletzt noch angepeilten 5,8 bis 6,2 Prozent. Bereinigt um Einmalkosten für das neue Sparprogramm läge die Spanne bei 4,6 bis 5,0 Prozent.
Kunden bremsen, Bilfinger zieht die Reißleine
Als Grund nennt das Unternehmen eine spürbar zunehmende Zurückhaltung der Kunden im dritten Quartal. Sie betrifft sowohl neue Aufträge als auch den Abruf von Leistungen aus bestehenden Rahmenverträgen.
Bilfinger begründet dies mit der mauen Nachfrage im Zuge des anhaltenden Kriegs im Nahen Osten. Vor allem in Hochlohnländern führt das zu einer anhaltenden Unterauslastung, hinzu kommt ein ungünstiger Produktmix und das Fehlen komplexerer, höherwertiger Aufträge.
Deutsche-Bank-Analyst Michael Kuhn sprach von einer ausbleibenden Erholung im zweiten Halbjahr, die das Unternehmen zuvor noch avisiert hatte. Marktteilnehmer gehen davon aus, dass die Konsensschätzungen für das bereinigte operative Ergebnis um rund ein Fünftel gekürzt werden dürften. Auch beim freien Mittelzufluss musste Bilfinger zurückrudern: Statt 250 bis 300 Millionen Euro werden nun nur noch 180 bis 220 Millionen Euro erwartet.
Als Antwort legt der Konzern das Sparprogramm „Agile“ auf. Im Zentrum stehen die Bündelung von Ressourcen, die Anpassung von Kapazitäten sowie der Aufbau einer globalen Shared-Services-Organisation — Maßnahmen, die laut Unternehmen bereits Teil der Strategie waren und nun vorgezogen werden. Im vierten Quartal 2026 bildet Bilfinger dafür Rückstellungen von rund 75 Millionen Euro.
Mittelfristziele bleiben trotz Einbruchs bestehen
Bemerkenswert: An den Zielen bis 2030 hält der Vorstand fest. Weiterhin steht ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum von acht bis zehn Prozent auf der Agenda, die bereinigte Ebita-Marge soll sich auf acht bis neun Prozent verbessern — deutlich über dem nun für 2026 anvisierten Niveau. Das Sparprogramm soll ab 2027 erste positive Effekte zeigen und ab 2028 seine volle Wirkung mit jährlichen Einsparungen von 75 Millionen Euro entfalten.
Der Kursverlust seit Jahresbeginn beläuft sich damit auf fast die Hälfte, nachdem die Aktie im Februar noch bei gut 129 Euro ein Rekordhoch erreicht hatte. Auf Sicht von drei Jahren bleibt trotz des aktuellen Einbruchs noch ein Kursplus von über 70 Prozent.
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