Der Industriedienstleister Bilfinger stärkt seine finanzielle Basis und hat im Rahmen seiner Finanzierungsstrategie das Volumen seiner Schuldscheindarlehen verdreifacht. Wie gestern bekannt wurde, folgt dieser strategische Schritt auf die Veröffentlichung der Ergebnisse für das zweite Quartal.

Während das Unternehmen beim Umsatz und dem operativen Ergebnis Zuwächse verzeichnete, sorgten ein schwächerer Auftragseingang und ein vorsichtigerer Ausblick auf die Margenentwicklung zuletzt für Verunsicherung am Kapitalmarkt.

Umsatzwachstum trifft auf Margendruck

In den am vergangenen Mittwoch vorgelegten Zahlen für das zweite Quartal wies Bilfinger einen deutlichen Umsatzanstieg auf 1,45 Milliarden Euro aus. Auch das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Amortisationen (EBITA) legte zu und stieg um 4 Prozent auf 77 Millionen Euro. Trotz dieser Zuwächse gab der Konzern beim Blick auf die Profitabilität für das restliche Geschäftsjahr vorsichtigere Töne von sich.

Das Ergebnis je Aktie verbesserte sich im Vorjahresvergleich um 15 Prozent auf 1,47 Euro. Dennoch erwartet das Management die operative Marge aufgrund geopolitischer Unsicherheiten im Nahen Osten nun lediglich am unteren Ende der Prognosespanne von 5,8 bis 6,2 Prozent. Diese vorsichtige Einschätzung überschattete die eigentlich positive Entwicklung der Ertragskennzahlen.

Zusätzlich enttäuschte die Entwicklung des Neugeschäfts: Der Auftragseingang sank im zweiten Quartal um 16 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte dieser Wert noch bei 1,8 Milliarden Euro gelegen. Medienberichten zufolge reagierten Investoren unmittelbar nach der Bekanntgabe mit Verkäufen, da der Rückgang im Auftragsbuch die künftige Wachstumsdynamik infrage stellt.

Langfristige Führung und operative Spezialisierung

Parallel zur Bilanzvorlage setzte der Konzern ein Zeichen für personelle Kontinuität an der Spitze. Der Aufsichtsrat verlängerte den Vertrag des Vorstandsvorsitzenden Dr. Thomas Schulz vorzeitig um fünf Jahre bis Ende Februar 2032. Diese Entscheidung unterstreicht das Bestreben, die strategische Ausrichtung des Unternehmens über die aktuelle Schwächephase hinaus stabil zu halten.

Operativ setzt Bilfinger verstärkt auf technische Spezialmärkte. So erhielt der Dienstleister jüngst eine ISO-Zertifizierung für die nukleare Lieferkette, was die Erfüllung hoher Sicherheitsanforderungen in diesem Bereich offiziell bestätigt.

Auch im Bereich der erneuerbaren Energien konnte ein Erfolg verbucht werden: Anfang August sicherte sich das Unternehmen einen Auftrag der Ennskraftwerke AG zur Sanierung von Wasserkraftgeneratoren am Standort Steyr in Österreich.

Analysten korrigieren ihre Erwartungen

Die Reaktionen der Experten auf die jüngsten Entwicklungen fielen geteilt aus. Michael Kuhn von Deutsche Bank Research bekräftigte am vergangenen Donnerstag seine Kaufempfehlung und beließ das Kursziel bei 125 Euro. Er wertete die operativen Ergebnisse grundsätzlich als stabil, trotz der Herausforderungen im Marktumfeld.

Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) zeigte sich hingegen zurückhaltender. Zwar halten die Analysten dort ebenfalls an ihrer Kaufempfehlung fest, senkten jedoch am Donnerstag das Kursziel von 110 Euro auf 96 Euro. Zur Begründung hieß es, dass die vorsichtigere Margenprognose des Unternehmens eine Anpassung der Bewertung notwendig mache.

An der Börse spiegelte sich die Skepsis der Anleger zuletzt deutlich wider. Im gestrigen Handel schloss das Papier bei 75,70 Euro. Damit summiert sich das Minus der Aktie seit Jahresbeginn auf rund 29 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch, das im Februar bei 125,60 Euro markiert wurde, ist der Titel aktuell weit entfernt.