BioNTech steht vor dem größten Umbruch seiner Geschichte. Die Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci verlassen das Unternehmen bis Ende 2026. Parallel dazu streicht der Konzern fast ein Viertel aller Stellen. Die Ära nach dem Corona-Impfstoff beginnt mit einem harten Schnitt.

Gründer-Exit und neuer Fokus

Die Trennung zwischen später Vermarktung und früher Forschung ist beschlossen. Sahin und Türeci bauen ein neues, unabhängiges mRNA-Startup auf. Der Fokus liegt dort auf frühen Innovationen wie CAR-T-Zelltherapien. Etwa 300 spezialisierte Forscher wechseln in das neue Unternehmen.

BioNTech sichert sich im Gegenzug eine Minderheitsbeteiligung. Das Mainzer Unternehmen behält die Rechte auf künftige Meilensteinzahlungen. Die eigene Strategie ändert sich drastisch. Das Management trimmt BioNTech auf die Onkologie. Aktuell laufen 15 klinische Phase-3-Studien zu neuen Krebsmedikamenten.

Kahlschlag in der Produktion

Der Umbau fordert massive Einschnitte in der Belegschaft. BioNTech schließt bis Ende 2027 seine Werke in Marburg, Idar-Oberstein und Tübingen. Auch der Standort in Singapur steht vor dem Aus. Bis zu 1.860 Arbeitsplätze fallen weg.

Das entspricht rund 22 Prozent der weltweiten Belegschaft. Die Folge: ein deutlich schlankeres Produktionsnetzwerk. Nach der Milliarden-Übernahme von CureVac-Werten konsolidiert der Konzern nun seine Kapazitäten. Ab 2029 plant das Management jährliche Einsparungen von rund 500 Millionen Euro.

Milliardenpuffer federt Verluste ab

Finanziell spürt das Unternehmen den Gegenwind deutlich. Im ersten Quartal 2026 brach der Umsatz auf gut 118 Millionen Euro ein. Unter dem Strich stand ein Nettoverlust von knapp 532 Millionen Euro.

Dennoch ruht der Konzern auf einem massiven Fundament. Die Bilanz weist liquide Mittel von 16,8 Milliarden Euro aus. Dieser Puffer gibt dem Unternehmen Zeit für den strategischen Schwenk.

An der Börse reagieren Investoren besonnen auf die harten Einschnitte. Die Aktie beendete die Woche bei 78,10 Euro und verbuchte ein leichtes Plus. Allerdings bleibt der übergeordnete Abwärtstrend intakt. Der Kurs notiert rund 26 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Auch die wichtige 200-Tage-Linie ist noch weit entfernt.

Nun sucht die Personalberatung Egon Zehnder einen neuen Vorstandschef. Der künftige CEO muss eine klare Aufgabe erfüllen. Er soll die späte Krebspipeline bis 2030 erfolgreich auf den Markt bringen.