Ein Betriebsrat, der über den Abbau von fast einem Viertel der Belegschaft berät. Eine deutsche Wirtschaftszeitung, die von der „tiefsten Krise“ des Unternehmens spricht. BioNTech steckt mitten im größten Umbau seiner Geschichte, und am Dienstag traf sich der Betriebsrat in Mainz, um über die konkrete Umsetzung zu beraten.

Der Kontrast zur jüngsten Vergangenheit könnte kaum größer sein. Noch 2021 erzielte BioNTech einen Umsatz von fast 19 Milliarden Euro, getragen von der Corona-Impfstoffwelle. Seither ist die Nachfrage eingebrochen, und das Unternehmen muss seine Produktionskapazitäten drastisch zurückfahren.

Bis zu 1.860 Stellen fallen weg

Bereits im Mai kündigte BioNTech an, bis zu 1.860 Arbeitsplätze zu streichen. Das entspricht etwa 22 Prozent der gesamten Belegschaft. Betroffen sind die deutschen Standorte Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen sowie das Werk in Singapur.

Das Unternehmen will die deutschen Standorte bis Ende 2027 komplett aufgeben. Die Firmengründer richten ihren Blick Berichten zufolge bereits auf neue unternehmerische Projekte. Für die verbleibende Belegschaft bedeutet der Umbau eine Phase tiefer Unsicherheit.

Aktie erholt sich, bleibt aber unter Druck

Die Aktie notiert aktuell bei 81,65 Euro, nach einem Tagesminus von 0,73 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 105,80 Euro aus dem Januar klafft weiterhin eine Lücke von fast 23 Prozent.

Auf Sicht von 30 Tagen hat sich der Kurs immerhin um gut 10 Prozent erholt. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 79,74 Euro, der 200-Tage-Durchschnitt bei 85,27 Euro. Die Aktie bewegt sich also zwischen kurzfristiger Stabilisierung und langfristigem Abwärtstrend. Der Blick auf zwölf Monate zeigt ein Minus von gut 13 Prozent — die Skepsis der Anleger sitzt tief.

Der RSI von 53,7 signalisiert derzeit weder Überkauft- noch Überverkauft-Zustand. Die annualisierte Volatilität von knapp 32 Prozent über 30 Tage bleibt aber hoch. Sie spiegelt die Nervosität rund um die Umbaupläne.

Branchenweiter Umbruch trifft mRNA-Geschäft

BioNTech steht mit seinen Problemen nicht allein da. Novartis, Bristol Myers Squibb, Merck und GSK bauen 2026 ebenfalls in großem Stil Stellen ab. Der Grund: Zahlreiche Blockbuster-Medikamente verlieren zwischen 2025 und 2030 ihren Patentschutz, hinzu kommt wachsender Preisdruck im Gesundheitssektor.

Bei BioNTech kommt ein zusätzliches Problem hinzu. Die Pandemie hatte massive Produktionskapazitäten für mRNA-Impfstoffe geschaffen — Kapazitäten, die inzwischen weit über den tatsächlichen Bedarf hinausgehen. Einzelne Konzerne wie Eli Lilly investieren zwar weiter in deutsche Produktionsstandorte. BioNTechs Rückzug zeigt aber, wie volatil mRNA-basierte Geschäftsmodelle nach dem Pandemie-Höhepunkt geworden sind.

Die Zukunft des Unternehmens hängt nun stark davon ab, wie schnell sich die Forschungspipeline in verkaufsfähige Produkte verwandelt. Besonders die Onkologie soll dabei die Lücke füllen, die der Rückgang der Impfstoffumsätze hinterlässt. Bis Ende 2026 will BioNTech 15 laufende Phase-III-Studien in diesem Bereich vorweisen.

Einen konkreten Zeitplan für neue Produkteinführungen nennt das Unternehmen bislang nicht. Solange diese Lücke besteht, dürfte die Aktie empfindlich auf jede neue Nachricht zur strategischen Ausrichtung und zum Fortschritt der Pipeline reagieren.