Der Weg von der Impfstoff-Euphorie zur Onkologie-Realität erweist sich für Anleger als steinige Geduldsprobe. Am Freitag gab die BioNTech-Aktie um 3,0 Prozent auf 78,05 Euro nach. Die anhaltende Kursschwäche wurzelt in einer handfesten Enttäuschung aus der klinischen Pipeline: Der verfehlte primäre Endpunkt in der Phase-2/3-Studie AHEAD-MERIT trübt die Stimmung spürbar ein.

Medienberichten zufolge setzte am Freitag auch im weiteren Sektor für Krebsimpfstoffe Ernüchterung ein. Die Papiere des Konkurrenten Moderna gaben nach einer vorangegangenen Rallye im Zuge von Gewinnmitnahmen nach.

Zwar sahen Marktbeobachter BioNTech zeitgleich ebenfalls im Rückwärtsgang, ein kausaler Zusammenhang zwischen der Bewegung bei Moderna und den Verlusten der Mainzer wurde dabei jedoch nicht hergestellt. Dennoch verdeutlicht das Zusammentreffen, wie sensibel der Markt auf jede Nachricht aus der mRNA-Krebsforschung reagiert.

Klinische Hürden in der Onkologie

BioNTech hatte gemeldet, dass die Studie AHEAD-MERIT zur Kombination des Wirkstoffkandidaten BNT113 mit Pembrolizumab keine statistisch signifikante Verbesserung beim progressionsfreien Überleben gegenüber Pembrolizumab allein zeigte. Das unabhängige Überwachungskomitee empfahl gleichwohl, die Untersuchung fortzusetzen, um die Daten zum Gesamtüberleben auszuwerten.

Für das Unternehmen wiegt der Dämpfer schwer, galt die Studie an den Märkten doch als wichtiger Gradmesser für die Übertragbarkeit der Technologie auf solide Tumoren.

Kann ein mRNA-Pionier den Erfolg der Pandemiejahre in der Tumortherapie wiederholen? Die Daten mahnen zur Nüchternheit. In der Onkologie zählen belastbare Wirksamkeitsbelege, und Rückschläge gehören zur pharmazeutischen Entwicklungsrealität. Anleger müssen sich daran gewöhnen, dass klinische Studien selten geradlinig verlaufen und die Marktteilnehmer Teilerfolge nicht mehr vorschussweise honorieren.

Kurszielsenkung und Insider-Transaktion

Canaccord Genuity senkte am Mittwoch das Kursziel von 136 $ auf 132 $, behielt die Einstufung „Buy“ jedoch bei. Das Analysehaus begründete die Anpassung direkt mit den Ergebnissen zum progressionsfreien Überleben bei BNT113. Trotz der Zielsenkung trauen die Experten dem Titel damit weiterhin Aufwärtspotenzial zu, preisen das erhöhte Risiko in der Pipeline jedoch vorsichtiger ein.

Zu den weiteren Faktoren gehört eine Pflichtmitteilung über den Verkauf von 36.209 Aktien durch CEO Uğur Şahin, der im Rahmen eines vorab vereinbarten Handelsplans nach Rule 10b5-1 abgewickelt wurde. Solche automatisierten Transaktionen sind an den US-Märkten gängige Praxis, verfehlten in einem ohnehin angespannten Marktumfeld jedoch nicht ihre psychologische Wirkung.

Geduldsprobe für Investoren

Der Wandel hin zu einem breit aufgestellten Krebstherapeuten fordert von den Anteilseignern vor allem eines: Durchhaltevermögen. Mit dem jüngsten Rücksetzer notiert das Papier 26 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch.

Für BioNTech beginnt die Phase, in der Hoffnungen durch harte klinische Endpunkte untermauert werden müssen. Solange wegweisende Studienerfolge auf sich warten lassen, dürften Rückschläge wie bei BNT113 die Bewertung an den Märkten immer wieder empfindlich belasten.