BioNTech hat am heutigen Donnerstag Zahlen vorgelegt, die den Umbruch beim Mainzer Pharmakonzern unterstreichen. Der Umsatz brach im zweiten Quartal 2026 auf 105,6 Millionen Euro ein, nach 260,8 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Der Nettoverlust weitete sich auf 820,8 Millionen Euro aus, verglichen mit 386,6 Millionen Euro im zweiten Quartal 2025. Für das erste Halbjahr summiert sich das Minus auf 1,35 Milliarden Euro, nach 802,4 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.
Das Unternehmen kappte zugleich seine Umsatzprognose für das laufende Jahr auf eine Spanne von 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro. Der schrumpfende Impfstoffumsatz zwingt BioNTech zu einem harten Sparkurs: Bis zu 1.860 Stellen sollen wegfallen. Immerhin verfügt der Konzern nach eigenen Angaben über ein Cashpolster von mehr als 16 Milliarden Euro – ein Puffer, der den geplanten Umbau finanziell absichern soll.
Onkologie-Pipeline als Hoffnungsträger
Während das Impfstoffgeschäft weiter schrumpft, setzt BioNTech seine strategische Zukunft zunehmend auf die Krebsforschung. Für das dritte Quartal steht eine Meilensteinzahlung von 613 Millionen Euro von Bristol Myers Squibb an, verknüpft mit dem Antikörper Pumitamig. Insgesamt laufen derzeit 14 Phase-3-Studien im Onkologiebereich. Zu den Hoffnungsträgern zählt auch der Wirkstoff Gotistobart, bekannt unter dem Kürzel BNT327, der bei Lungen- und Brustkrebs geprüft wird. Diese Pipeline soll mittelfristig die Lücke schließen, die der Rückgang des Corona-Impfstoffgeschäfts hinterlässt.
Im bestehenden Geschäft gab es dennoch einen regulatorischen Erfolg: Die EU erteilte die Zulassung für einen an aktuelle Virusvarianten angepassten Covid-19-Impfstoff, den BioNTech gemeinsam mit Pfizer entwickelt. Der Erfolg zeigt, dass das ursprüngliche Kerngeschäft trotz sinkender Umsätze nicht aufgegeben wird, auch wenn es das Wachstum künftig nicht mehr tragen kann.
Führungswechsel und Belastung durch CureVac
Der personelle Umbau an der Konzernspitze ist beschlossene Sache: Guido Oelkers übernimmt zum 1. Februar 2027 die Führung bei BioNTech und wechselt dafür von Sobi. Der Zeitpunkt des Wechsels fällt damit mitten in die Phase, in der sich zeigen muss, ob die Onkologie-Pipeline die Ertragslücke aus dem Impfstoffgeschäft schließen kann.
Zusätzlichen Druck bringt die Tochtergesellschaft CureVac, die BioNTech im Januar 2026 übernommen hatte. Dort setzt nun ein harter Stellenabbau ein: Zwei Drittel der Arbeitsplätze sollen bis Ende des Jahres wegfallen, der operative Betrieb wird zum 31. Dezember eingestellt. Die Landesregierung Baden-Württemberg hat wegen der Einschnitte bereits eine eigene Taskforce eingerichtet. Die Nachricht belastete auch die BioNTech-Aktie zusätzlich, da sie den Konzern unmittelbar mit den Integrationskosten der Übernahme konfrontiert.
Aktie unter Druck, Bewertung am Wendepunkt
Die Kombination aus schwachen Zahlen, Stellenabbau und CureVac-Belastung spiegelt sich im Kursverlauf wider. Das Papier notiert aktuell bei 78,20 Euro und verliert am heutigen Handelstag 1,88 Prozent. Damit liegt die Aktie mittlerweile 26,09 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 105,80 Euro, das Ende Januar erreicht wurde. Auch gegenüber dem 200-Tage-Durchschnitt von 84,16 Euro hinkt der Kurs mit einem Abstand von 7,09 Prozent hinterher – ein Zeichen dafür, dass der mittelfristige Abwärtstrend noch nicht gebrochen ist.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Auf der einen Seite steht ein massiver Ergebniseinbruch im Kerngeschäft und ein Führungswechsel, der erst in anderthalb Jahren vollzogen wird. Auf der anderen Seite verfügt BioNTech über eine solide Kapitaldecke und eine breit aufgestellte Onkologie-Pipeline mit mehreren fortgeschrittenen Studien und einer konkreten Meilensteinzahlung im dritten Quartal. Ob die Neuausrichtung gelingt, dürfte sich erst zeigen, wenn die klinischen Daten aus den Phase-3-Programmen vorliegen und der neue Vorstandschef sein Amt tatsächlich angetreten hat.
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