BioNTech-Anleger blicken an diesem Wochenende nicht auf COVID-Impfstoffe, sondern auf Krebs. Auf dem ASCO-Kongress in Chicago präsentiert das Mainzer Unternehmen bis zum 2. Juni Daten zu zwei strategischen Onkologie-Kandidaten. Die Aktie schloss am Freitag bei 82,30 Euro, rund vier Prozent über Vorwochenniveau — eine Positionierung vor den Studienergebnissen.
Zwei Präsentationen, zwei Hoffnungsträger
Am 30. Mai stehen zwei mündliche Vorträge auf dem Programm. Um 15:15 Uhr mitteleuropäischer Zeit folgen Phase-2-Daten zu Pumitamig in der Erstlinientherapie von nicht-kleinzelligem Lungenkrebs. Die Studie ROSETTA Lung-02 testet Pumitamig in Kombination mit Chemotherapie — eine globale randomisierte Phase-2/3-Studie.
Bereits um 14:00 Uhr präsentiert BioNTech Gesamtüberlebensdaten zu Gotistobart. Der Kandidat wird bei vorbehandeltem, platinresistentem Ovarialkarzinom in Kombination mit Pembrolizumab geprüft. Die Ergebnisse liegen zum Redaktionsschluss noch nicht vor.
Pipeline statt Pandemie
BioNTech versucht, die Investorenwahrnehmung zu drehen. Weg von sinkenden Impfstofferlösen, hin zu Immunonkologie und Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten. Das Unternehmen führt nach eigenen Angaben über 25 Phase-2- und Phase-3-Studien, darunter 13 zulassungsrelevante Trials. Die Pipeline umfasst Immunmodulatoren, ADCs und mRNA-basierte Krebsimmuntherapien.
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Im ersten Quartal 2026 meldete BioNTech einen Umsatz von 118,1 Millionen Euro und einen Nettoverlust von 531,9 Millionen Euro. Die Jahresprognose liegt bei 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro Umsatz. Gleichzeitig verfügt der Konzern über liquide Mittel von 16,8 Milliarden Euro. Hinzu kommt ein geplantes Aktienrückkaufprogramm von bis zu einer Milliarde Dollar über zwölf Monate.
Analysten gespalten
Bernstein SocGen startete am 22. Mai die Coverage mit „Market Perform“ und einem Kursziel von 96 Dollar. Die Begründung: Risiken im klinischen Entwicklungsplan für Pumitamig, einen PD-L1/VEGF-Kandidaten. Die Zulassungschancen der Wirkstoffklasse seien unsicher.
Das steht im Kontrast zum Konsens. 19 von S&P Global befragte Analysten empfehlen mehrheitlich den Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 122,60 Dollar. Die Spanne reicht von 75,55 bis 156,38 Dollar — ein Beleg dafür, wie stark die Bewertung von künftigen Pipeline-Erfolgen abhängt.
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Charttechnisch: Erholung, aber unter Widerstand
Die Aktie notiert 19 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 101,90 Euro vom 3. Juni 2025. Der 200-Tage-Durchschnitt liegt bei 86,19 Euro, rund 4,5 Prozent über dem aktuellen Kurs. Das Tagestief am Freitag lag bei 80,65 Euro, das Hoch bei 83,55 Euro.
Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 0,24 Prozent zu Buche. Auf Monatssicht verlor die Aktie 5,4 Prozent. Die Volatilität der vergangenen 30 Tage liegt annualisiert bei 31 Prozent.
Am Montag dürfte sich zeigen, ob Pumitamig und Gotistobart das Vertrauen in BioNTechs Onkologie-Wende stärken können. Bei bescheidenen Quartalsumsätzen und hohen Verlusten hängt die Bewertung an der Pipeline — nicht am Impfstoffgeschäft.
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