Die Pandemie ist vorbei – und mit ihr das Milliardengeschäft der COVID-Impfstoffe. Was bedeutet das für BioNTech, dessen Gründer einst zu den reichsten Menschen der Welt zählten? Heute zeigt sich: Der Absturz vom Impfstoff-Giganten zum kämpfenden Biotech-Unternehmen hat dramatische Ausmaße angenommen. Kann das Mainzer Unternehmen den Kurswechsel noch schaffen?

COVID-Milliarden sind Geschichte

Die drastischen Zahlen sprechen eine klare Sprache: BioNTech kämpft mit dem kompletten Wegfall seines einstigen Goldgruben-Geschäfts. Während der Konzern auf dem Höhepunkt der Pandemie Milliardenumsätze mit seinem COVID-Vakzin generierte, ist diese Einnahmequelle praktisch versiegt.

Konkurrent Moderna macht die Dimensionen deutlich: Das US-Unternehmen musste seine Umsatzprognose für 2025 auf nur noch 1,5 bis 2,2 Milliarden Dollar kappen – ein Rückgang von 32 Prozent gegenüber den ursprünglichen Erwartungen.

Die regulatorischen Rahmenbedingungen haben sich fundamental gewandelt. Die FDA empfiehlt COVID-Impfungen mittlerweile nur noch für über 65-Jährige und Hochrisikopatienten, statt wie zuvor für die gesamte Bevölkerung.

Krebs-Pipeline als Rettungsanker

BioNTech setzt alles auf eine Karte: die Krebstherapie. Das Unternehmen verfügt über eine umfangreiche Onkologie-Pipeline, die den Ausfall der COVID-Umsätze kompensieren soll.

Besonders vielversprechend ist die Kooperation mit Bristol Myers Squibb für den Wirkstoff BNT327 – ein Deal mit einem Volumen von bis zu 11,1 Milliarden Dollar. Mehrere Phase-2- und Phase-3-Studien für Krebsmedikamente laufen bereits.

Zudem investiert BioNTech massiv in künstliche Intelligenz und plant entsprechende Präsentationen für die kommenden Monate.

Finanzpolster bietet Zeit für den Wandel

Immerhin: BioNTech verfügt noch über rund 16 Milliarden Euro an Barmitteln und Investments – ein komfortables Finanzpolster für Forschung und Entwicklung. Diese Kriegskasse verschafft dem Unternehmen die nötige Zeit, um sich vom COVID-Abhängigen zum diversifizierten Biotech-Konzern zu wandeln.

Die Frage bleibt: Gelingt dieser Spagat rechtzeitig, bevor die Anleger endgültig das Vertrauen verlieren?