BioNTech befindet sich in einer Phase tiefgreifender operativer Weichenstellungen. Das Unternehmen richtet seine Kapazitäten neu aus und reagiert auf veränderte Rahmenbedingungen nach der Hochphase der Impfstoffproduktion.

Gleichzeitig prägen juristische Auseinandersetzungen in den Vereinigten Staaten sowie die Weiterentwicklung eigener Entwicklungskandidaten das Gesamtbild. Anleger wägen die Einsparungen aus dem Werksumbau gegen die anhaltenden Rechtsrisiken ab.

Einschnitte an den deutschen Produktionsstandorten

Den Kern der unternehmerischen Umstrukturierung bildet die Schließung mehrerer Betriebsstätten in Deutschland. Laut Reuters schließt BioNTech seine Standorte in Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen. Das Unternehmen hatte zuvor vergeblich versucht, Käufer für diese Produktionsstätten zu finden. Von dieser weitreichenden Maßnahme sind bis zu 1.860 Arbeitsplätze betroffen.

Die Fertigung des COVID-19-Impfstoffs wird im Zuge dieser Schritte vollständig an den Partner Pfizer übertragen. BioNTech trennt sich damit von eigenen Produktionskapazitäten für dieses Vakzin. Innerhalb der Belegschaft sorgt dieser Schritt für erhebliche Unruhe. Der BioNTech-Betriebsrat kritisierte die Schließung der drei deutschen Werke scharf und äußerte deutliche Vorbehalte gegen die Pläne der Unternehmensführung.

Fortführung des Patentstreits vor US-Gericht

Neben den organisatorischen Einschnitten im Inland steht BioNTech international vor juristischen Belastungen. Ein US-Bundesrichter lehnte Anträge von BioNTech, Pfizer und Moderna auf Klageabweisung ab. Geklagt hatte die Monsanto-Einheit des Bayer-Konzerns wegen Patenten auf mRNA-Technologie.

Laut Reuters stellte das Gericht fest, dass die beklagten Unternehmen zu diesem Zeitpunkt weder die Ungültigkeit des Patents noch das Fehlen einer Verletzung dargelegt hatten. Damit wird die Klage in den USA regulär fortgeführt.

Pipeline-Fortschritte und Bewertung am Aktienmarkt

Gleichzeitig setzt das Unternehmen auf die Weiterentwicklung eigener klinischer Projekte. Vor rund zwei Wochen veröffentlichte BioNTech aktualisierte Phase-3-Daten zu Gotistobart. Ebenfalls vor rund zwei Wochen schlug der Aufsichtsrat KPMG als Abschlussprüfer vor, während Berenberg das Kursziel anhob.

An der Börse spiegeln sich diese gegenläufigen Faktoren in einer abwartenden Haltung wider. Gestern beendete die BioNTech-Aktie den Handel bei 86,10 Euro. Auf diesem Niveau beläuft sich der Börsenwert auf 21,57 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von 5,8 Prozent seit Jahresanfang entspricht.