BioNTech steht am Dienstag im Spannungsfeld zweier gegensätzlicher Nachrichten. Während das Unternehmen vielversprechende Überlebensdaten aus einer Lungenkrebs-Studie präsentiert, sorgte am Morgen ein Brand im Laborgebäude am Mainzer Hauptsitz für einen Feuerwehreinsatz. Die Aktie gibt am Dienstag um 2,1 Prozent auf 83,85 Euro nach, nachdem sie bereits am Vortag auf 85,65 Euro gefallen war.
Brand am Hauptsitz schnell unter Kontrolle
Am frühen Dienstagmorgen brach in einem Laborgebäude von BioNTech in der Mainzer Oberstadt ein Feuer aus, das nach übereinstimmenden Berichten in einer Abzugsanlage entstand. Rund 30 Einsatzkräfte rückten an, das Feuer war den Angaben zufolge rasch gelöscht. Alle Mitarbeitenden konnten das Gebäude eigenständig verlassen, zwei Personen wurden laut Berichten vorsorglich medizinisch betreut.
Verletzte gab es nach bisherigem Kenntnisstand nicht, die Brandursache wird noch untersucht. Nach Unternehmensangaben bestand keine Gefahr für Anwohner. Der Vorfall bleibt damit ein lokales Ereignis ohne erkennbare Auswirkung auf laufende Forschungsprogramme.
Gotistobart verdoppelt Überlebenszeit nahezu
Die eigentliche Kursnachricht des Tages liegt jedoch in der Onkologie-Pipeline. BioNTech und Partner OncoC4 stellten auf dem Weltkongress für Lungenkrebs Daten aus der Phase-III-Studie PRESERVE-003 vor.
Bei Patienten mit metastasiertem Plattenepithel-Lungenkrebs, deren Erkrankung nach Immun- und Chemotherapie fortgeschritten war, erreichte der Antikörperkandidat Gotistobart ein medianes Gesamtüberleben von 18,5 Monaten – gegenüber 10,0 Monaten unter Standard-Chemotherapie mit Docetaxel.
Das Sterberisiko sank um 44 Prozent (Hazard Ratio 0,56), bei nominal signifikantem Ergebnis. Schwere Nebenwirkungen vom Grad 3 und höher traten mit 44,4 Prozent unter Gotistobart sogar seltener auf als unter Chemotherapie mit 48,8 Prozent.
BioNTech selbst sprach laut Reuters von einer nahezu verdoppelten Überlebenszeit im Vergleich zur Standardtherapie. Die Daten aus der nicht-pivotalen ersten Stufe der Studie basieren auf 87 randomisierten Patienten und einer medianen Nachbeobachtung von 25,4 Monaten.
Frühere Zwischenergebnisse aus Stage 1 hatten bereits eine Risikoreduktion beim Tod von 54 Prozent gegenüber Docetaxel gezeigt. Die pivotale zweite Studienstufe läuft inzwischen an über mehr als 160 Zentren.
Zielmarkt und Finanzlage als Einordnung
Die adressierte Patientengruppe ist mit geschätzt rund 55.000 Betroffenen pro Jahr in der Zweitlinientherapie zunächst überschaubar – verglichen mit weltweit etwa 400.000 Patienten in der Erstlinientherapie von Lungenkrebs insgesamt. Ein Erfolg in der laufenden Phase wäre damit erst der Auftakt für eine mögliche breitere Anwendung.
Finanziell verfügte BioNTech zum 30. Juni über eine Liquidität von 16,6 Milliarden Euro, bei einem Halbjahresumsatz von 223,7 Millionen Euro – deutlich unter dem Vorjahreswert von 443,6 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr rechnet das Unternehmen mit Erlösen zwischen 1,6 und 1,9 Milliarden Euro.
Charttechnisches Bild bleibt angespannt
Trotz der onkologischen Fortschritte notiert die Aktie rund 21 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 105,80 Euro, das im Januar erreicht wurde. Der Kurs bewegt sich derzeit nahezu exakt auf Höhe des 200-Tage-Durchschnitts von 84,18 Euro, was auf eine fehlende klare Trendrichtung hindeutet.
Die annualisierte Volatilität von 72 Prozent unterstreicht, wie stark Pipeline-Nachrichten die Aktie kurzfristig bewegen können – ein Muster, das sich auch am Dienstag bestätigt.
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