Bei BioNTech halte ich es für falsch, positive Studiendaten gegen Sicherheitsrisiken eines anderen Wirkstoffs aufzurechnen. Die am Montag veröffentlichten Ergebnisse mit DualityBio verlangen eine eigenständige Bewertung.

Gute Nachrichten aus der Pumitamig-Entwicklung können diese Prüfung nicht ersetzen. Für mich zählt deshalb nicht die Summe positiver und negativer Meldungen. Entscheidend ist, welches einzelne Programm einen überzeugenden nächsten Entwicklungsschritt rechtfertigt.

Sicherheit ist kein verrechenbarer Posten

Die Phase-3-Studie DYNASTY-Breast02 mit Trastuzumab Pamirtecan erreichte ihren primären Endpunkt. Bei HR-positivem, HER2-niedrigem metastasiertem Brustkrebs zeigte sich gegenüber Chemotherapie eine statistisch signifikante Verbesserung des progressionsfreien Überlebens. BioNTech und DualityBio bezeichneten den Vorteil allerdings als moderat. Die Daten zum Gesamtüberleben waren noch nicht ausgereift.

Für meine Bewertung wiegt die Sicherheitsseite besonders schwer. Interstitielle Lungenerkrankungen traten häufiger auf als in früheren Studien. Dazu gehörte auch ein kleiner Anteil schwerer oder tödlicher Fälle. Das ist kein Nebenaspekt, den Anleger hinter dem erreichten Studienziel einordnen sollten. Es gehört ins Zentrum der Abwägung zwischen Wirksamkeit und Risiken.

Die Unternehmen sehen anhand der verfügbaren Daten nur einen begrenzten möglichen Nutzen im gegenwärtigen Behandlungsumfeld. Sie wollen die Ergebnisse besprechen und die nächsten Schritte bestimmen. Daraus lässt sich weder eine Fortsetzung nach unverändertem Plan noch ein Ende des Programms ableiten.

Gerade diese offene Entscheidung ist aus Anlegersicht wichtig. Ich würde einen erreichten Endpunkt nicht automatisch als Argument für weitere Entwicklungsausgaben werten. Ein disziplinierter Umgang mit wenig überzeugenden Ergebnissen wäre für mich wertvoller als das Festhalten an einem Programm allein wegen seiner fortgeschrittenen Entwicklungsphase.

Pumitamig verdient eine eigene Betrachtung

Die am Sonntag vorgestellten Ergebnisse von BioNTech und Bristol Myers Squibb liefern einen anderen Befund. In ROSETTA Lung-107 erreichte Pumitamig zusammen mit Docetaxel eine bestätigte objektive Ansprechrate von 36,7%. Die Auswertung bezog sich auf 30 hinsichtlich der Wirksamkeit beurteilbare Patienten.

Untersucht wurde die Kombination bei fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs nach Fortschreiten der Erkrankung unter Immuntherapie und Chemotherapie. Das ist ein eigenständiges Entwicklungsprogramm. Sein Ergebnis beantwortet keine Sicherheitsfrage zu Trastuzumab Pamirtecan.

Das mediane progressionsfreie Überleben betrug in der behandelten Gruppe von 50 Patienten 6,9 Monate. Die Unternehmen meldeten keine neuen Sicherheitssignale. Es handelte sich um eine Phase-2-Studie.

Diese Angaben sprechen für weitere Aufmerksamkeit für Pumitamig, nicht für eine pauschale Entwarnung für die gesamte Onkologieentwicklung. Aus meiner Sicht verdient die Kombination eine konstruktive Bewertung mit klarer Begrenzung: Die Patientengruppe ist klein. Zudem lassen sich Ergebnisse verschiedener Wirkstoffe und Behandlungssituationen nicht einfach zu einem gemeinsamen Erfolgsmaß verdichten.

Weitere Schritte müssen ihren Wert beweisen

Auch die vor gut einer Woche vereinbarte Zusammenarbeit mit Gilead passt zu dieser getrennten Betrachtung. BioNTech plant, die Studie ROSETTA Breast-01 anzupassen. Dabei soll Pumitamig zusammen mit Sacituzumab Govitecan statt mit Chemotherapie untersucht werden.

Geplant ist die Erstlinienbehandlung bei lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem triple-negativem Brustkrebs mit niedriger oder fehlender PD-L1-Expression. BioNTech soll die Studie verantworten und leiten; Gilead liefert den Kombinationspartner. Die geplante Änderung steht unter dem Vorbehalt regulatorischer Zustimmung.

Das eröffnet eine weitere Entwicklungsmöglichkeit, ist aber noch kein Wirksamkeitsnachweis für die geplante Kombination. Genau diese Unterscheidung sollte auch den Blick auf die für den 3. November 2026 angekündigten Quartalszahlen und Unternehmensinformationen prägen.

Mein Fazit: BioNTech verdient weder einen pauschalen Abschlag für jedes andere Krebsprogramm noch einen Vertrauensvorschuss wegen positiver Nachbarmeldungen. Überzeugend wäre eine konsequente Auswahl nach Wirksamkeit, Sicherheit und belastbarer Datenbasis. Nicht die Zahl fortgeführter Projekte sollte den Ausschlag geben, sondern die Qualität der Entscheidungen darüber.