Guido Oelkers übernimmt spätestens im Februar 2027 die Führung bei BioNTech – und tritt sein Amt mitten in einem der schwächsten Quartale der Firmengeschichte an. Ugur Sahin und Özlem Türeci hatten ihren Rückzug bereits im März angekündigt, um sich einem neuen Unternehmen zu widmen. Als Anteilseigner wollen sie BioNTech dennoch verbunden bleiben.
Zahlen reißen Erwartungen
Je Aktie stand im zweiten Quartal 2026 ein Verlust von 3,24 Euro zu Buche, nach 1,60 Euro im Vorjahresquartal. Analysten hatten im Schnitt nur einen Verlust zwischen 2,03 und 2,08 Euro erwartet.
Der Umsatz brach auf 105,6 Millionen US-Dollar ein, weit unter den Prognosen von 155,7 bis 163,3 Millionen. Grund ist die schwächere Nachfrage nach dem Covid-19-Impfstoff – verstärkt dadurch, dass in Deutschland bestehende Impfstoffvorräte für die laufende Saison weiterverwendet werden dürfen.
BioNTech reagiert mit Kostendisziplin. Die Forschungs- und Entwicklungsausgaben für 2026 sollen nun bei 2 bis 2,3 Milliarden Euro liegen statt der zuvor angepeilten 2,2 bis 2,5 Milliarden. Die Standorte in Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen sollen bis Ende 2027 schließen, der Betrieb in Singapur soll im ersten Quartal 2027 folgen.
Wachwechsel mit Ansage
Oelkers wechselt vom schwedischen Biopharma-Unternehmen Sobi, wo er seit 2017 an der Spitze stand, nach Mainz. Sahin betonte, der Neue werde gemeinsam mit dem Vorstand die Erfolgsgeschichte fortschreiben. Bernstein Research sieht das nüchterner: Analyst Jeffrey Walch beließ die Einstufung auf „Market-Perform“ mit einem Kursziel von 96 US-Dollar und merkte an, der designierte Chef benötige erst Zeit, um das Onkologie-Portfolio für Anleger attraktiver zu machen.
Genau dort liegt die eigentliche Wette: BioNTech treibt mit Pumitamig, vormals BNT327, späte Studien bei Lungen- und Brustkrebs voran und setzt zusätzlich auf mRNA-Immuntherapien sowie Antikörper-Wirkstoff-Konjugate. Die Aktie reagierte auf die Zahlen mit einem Rückgang auf 91,28 US-Dollar an der Nasdaq.
Bis Oelkers offiziell übernimmt, bleibt Sahin am Ruder – mit dem Auftrag, das Kostenprogramm durchzuziehen und die Onkologie-Pipeline weiter zu schärfen.
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