Für BioNTech-Anleger wird es ungemütlich. Die Aktie rutschte am Freitag unter eine wichtige technische Marke, während sich im Hintergrund ein Geflecht aus Patentklagen um die mRNA-Technologie zuspitzt. Zur selben Zeit rückt der 4. August näher – dann legt der Mainzer Konzern seine Quartalszahlen vor.
Chartbild trübt sich ein
Am Freitag verlor die Aktie 2,66 Prozent und schloss bei 78,75 Euro. Damit fiel der Kurs unter den 50-Tage-Durchschnitt von 79,39 Euro. Das ist technisch ein Warnsignal: BioNTech notiert nun unter allen wichtigen gleitenden Durchschnitten, auch unter der 200-Tage-Linie bei 84,63 Euro.
Zum Januar-Hoch von 105,80 Euro fehlen der Aktie mittlerweile mehr als ein Viertel. Der RSI-Wert von 43,2 zeigt aber: Überverkauft ist die Aktie noch nicht. Nach unten bleibt also Spielraum, sollte sich die Stimmung nicht stabilisieren.
Klagewelle trifft die ganze mRNA-Branche
Der Streit um mRNA-Patente wird härter. Am 14. Juli verklagte Sanofi vor einem Bundesgericht in New Jersey sowohl Pfizer als auch Moderna. Der Vorwurf: Verletzung von Patenten für Lipid-Nanopartikel-Systeme, die Sanofi 2021 über die Übernahme von Translate Bio erworben hatte.
Zwei Tage später zog die nächste Welle auf. Arbutus Biopharma und sein Lizenznehmer Genevant Sciences reichten gleich drei internationale Klagen gegen Pfizer und BioNTech ein – vor dem Einheitlichen Patentgericht in Europa und vor einem kanadischen Bundesgericht. Im Visier: der Corona-Impfstoff Comirnaty. Die Kläger fordern Schadenersatz und dauerhafte Unterlassungsverfügungen.
Für BioNTech bedeutet das vor allem eines: Unsicherheit über künftige Lizenzzahlungen aus dem Comirnaty-Geschäft. Ein schnelles Ende dieser Verfahren ist nicht in Sicht.
Zwei Termine vor dem eigenen Zahlenwerk
Bevor BioNTech selbst berichtet, blicken Investoren auf zwei externe Ereignisse. Am Donnerstag, den 30. Juli, legt Partner Bristol Myers Squibb seine Quartalszahlen vor. Im Mittelpunkt steht dabei Pumitamig (BNT327), ein gemeinsam entwickelter bispezifischer Antikörper-Kandidat gegen Lungen- und Brustkrebs. Kommentare zum Studienfortschritt könnten als Fingerzeig für den Wert von BioNTechs eigener Onkologie-Pipeline gelesen werden.
Dazu kommt ein dichter Makro-Kalender: Die US-Notenbank entscheidet am Mittwoch über den Leitzins, am Donnerstag folgen US-Wachstumsdaten und die Kerninflationsrate PCE. Beides dürfte die Risikobereitschaft für Wachstumswerte aus der Biotech-Branche mitbestimmen.
Was am 4. August zählt
Die kommende Woche ist die letzte Vorbereitungsphase vor dem eigentlichen Termin: Am Dienstag, den 4. August, meldet BioNTech seine Zahlen zum zweiten Quartal 2026. Analysten erwarten Aussagen zum Ziel, bis Jahresende 15 aktive Phase-3-Studien zu führen.
Ebenso im Fokus: der Umgang mit der Barreserve von rund 16,8 Milliarden Euro zum Ende des ersten Quartals. Investoren wollen wissen, ob BioNTech dieses Kapital verstärkt für Übernahmen einsetzt oder in beschleunigte klinische Entwicklung steckt – als Ausgleich für die schrumpfenden Einnahmen aus dem Pandemie-Impfstoffgeschäft.
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