Uğur Şahin trennt sich seit Wochen von BioNTech-Aktien. Täglich, an 21 Handelstagen in Folge. Das sieht nach einem Warnsignal aus, folgt aber einem Plan, der schon im Juni stand.
Was die Meldungen zeigen
Die Serie startete am 3. September. Bis zum 2. Oktober verkaufte der CEO insgesamt 678.000 Aktien zu Kursen zwischen rund 96 und 104 Dollar. Sein direkter Bestand schrumpfte dadurch auf 180.209 Papiere. Zuletzt gingen an zwei Tagen je 17.000 Stück über den Tisch.
Die Verkäufe laufen nach Rule 10b5-1, also über einen automatisierten Handelsplan. Şahin setzte ihn am 3. Juni auf, rund zwei Monate vor der Prognosesenkung. Ein Verkauf mit Insiderwissen lässt sich daraus nicht ableiten.
Der Kern der Beteiligung bleibt unberührt
Entscheidend ist, was nicht verkauft wird. Die indirekte Position über die Medine GmbH, deren Alleingesellschafter Şahin ist, umfasst gut 39 Millionen Aktien und blieb unverändert. Seit September hat er weniger als 2 Prozent seiner Gesamtposition abgegeben. Die jüngsten Tagesverkäufe machten nur rund 2,5 Prozent des Nasdaq-Handelsvolumens aus. Ein spürbarer Angebotsdruck entsteht so kaum.
Operativ bleibt die Lage allerdings angespannt. Im zweiten Quartal sank der Umsatz auf 105,6 Millionen Euro, der Nettoverlust stieg auf 820,8 Millionen Euro. Die Umsatzprognose für 2026 wurde auf 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro gesenkt.
Rückhalt liefert die Bilanz. Die Liquidität von 16,63 Milliarden Euro entspricht gut drei Vierteln der Marktkapitalisierung von rund 21,6 Milliarden Euro. Zudem läuft ein Rückkaufprogramm über bis zu 1,0 Milliarden Dollar bis zum 6. Mai 2027.
Offene Baustelle: das neue mRNA-Unternehmen
Wichtiger für die Bewertung als Şahins Verkäufe ist der geplante Ausgründungsdeal. Şahin und Özlem Türeci wollen bis Jahresende in ein neues, unabhängiges mRNA-Unternehmen wechseln. BioNTech soll dafür Technologien und Rechte abgeben und im Gegenzug eine Minderheitsbeteiligung sowie Meilensteinzahlungen und Lizenzgebühren erhalten.
Die verbindliche Vereinbarung sollte ursprünglich bis Ende Juni stehen. Sie liegt weiterhin nicht vor. Streitpunkte sind Patente, Forschungsvermögenswerte, Finanzmittel und Personal, ein Scheitern gilt als nicht ausgeschlossen. Guido Oelkers soll spätestens zum 1. Februar 2027 die Nachfolge als CEO antreten.
Analysten bleiben zuversichtlich
Von 14 Analysten raten elf zum Kauf, drei zum Halten. Das mittlere Kursziel liegt bei 126,85 Dollar, rund 31 Prozent über dem aktuellen Niveau. Die Aktie legt am Montag an der Nasdaq 0,87 Prozent auf 97,74 Dollar zu und tritt im Jahresverlauf weitgehend auf der Stelle.
Kursrelevanter als die Insiderverkäufe bleibt damit die Frage, ob die Einigung über das mRNA-Unternehmen zustande kommt. Solange sie aussteht, hängt die Bewertung an diesem Deal.
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