Wenige Tage vor der wichtigsten Krebskonferenz des Jahres wächst die Skepsis. Die Investmentbank Bernstein bewertet die BioNTech-Pipeline deutlich vorsichtiger als der Markt. Im Zentrum der Kritik steht das wichtigste Krebsmedikament der Mainzer.
Bernstein-Analyst Jeffrey Walch startet die Bewertung der Aktie mit „Market Perform“. Sein Kursziel liegt bei 96 US-Dollar. Die Begründung hat es in sich. Walch schätzt die maximalen Spitzenumsätze der gesamten Pipeline rund 43 Prozent niedriger ein als der Marktkonsens. Er hält die Erwartungen an die Erfolgswahrscheinlichkeit und den Marktanteil für überzogen. Das betrifft vor allem Pumitamig. Dieses Mittel gilt als wichtigster Hoffnungsträger in der Krebsforschung von BioNTech.
Volle Kassen als Puffer
Trotz der harten Worte zur Pipeline sieht Bernstein das Unternehmen finanziell robust aufgestellt. BioNTech profitiert weiterhin von den Einnahmen aus dem Corona-Impfstoff. Bis Ende des ersten Quartals 2026 wuchs der Kassenbestand auf 16,8 Milliarden Euro. Das Unternehmen hat praktisch keine Schulden. Diese Finanzkraft gibt dem Management den nötigen Spielraum. BioNTech kann problemlos weitere Medikamente mit höheren Erfolgschancen entwickeln.
Daten-Showdown in Chicago
Das Timing der Bernstein-Analyse ist brisant. Ab dem 29. Mai präsentiert BioNTech neue klinische Daten auf der ASCO-Jahrestagung in Chicago. Im Fokus stehen Zwischenergebnisse der Phase-2/3-Studie zu Pumitamig bei Lungenkrebs. Bisherige Daten zeigten hier eine ermutigende Anti-Tumor-Aktivität. Parallel dazu veröffentlicht das Unternehmen Überlebensdaten zu Gotistobart. Dieses Mittel wird bei platinresistentem Eierstockkrebs getestet. Es könnte Patienten eine chemotherapiefreie Alternative bieten.
Mit seiner Skepsis steht Bernstein aktuell relativ allein da. Die Deutsche Bank, Goldman Sachs und Jefferies raten weiterhin zum Kauf. HC Wainwright ruft sogar ein Kursziel von 130 US-Dollar auf. An der Börse reagieren Anleger dennoch nervös. Die Aktie notiert aktuell bei knapp 79 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von gut vier Prozent auf der Anzeigetafel. Der Kurs pendelt damit knapp unter der 50-Tage-Linie.
Die kommenden Tage bringen nun harte Fakten. Ab Freitag muss BioNTech in Chicago beweisen, dass die eigene Pipeline den Erwartungen des Marktes standhält. Überzeugen die klinischen Daten zu Pumitamig und Gotistobart, dürfte das die Zweifler widerlegen. Enttäuschen die Ergebnisse, droht der Aktie ein weiterer Rückschlag.
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