BioNTech kämpft gerade auf zwei Schauplätzen gleichzeitig. Frische Krebsdaten vom ASCO-Kongress in Chicago stützen den Schwenk weg von COVID-19. Parallel dazu warnt das Mainzer Unternehmen gemeinsam mit Eli Lilly die Bundesregierung: Geplante Gesundheitsreformen treiben Kapital und Jobs aus Deutschland.
Berlin unter Druck
Die Warnung kam am 3. Juni. BioNTech und Lilly schlossen sich einem wachsenden Chor der Pharmaindustrie an, der Berlins Reformpläne als investitionsfeindlich kritisiert.
Lilly macht Ernst. Der US-Konzern will eine ursprünglich geplante Investition von 2,5 Milliarden Dollar in ein deutsches Werk halbieren. Einen erheblichen Teil der rund 1.000 Arbeitsplätze streicht das Unternehmen. BioNTech selbst baut seinen deutschen Produktionsstandort bereits zurück. Werke in Idar-Oberstein und Marburg sollen schließen, dazu Standorte in Singapur und bei CureVac. Bis zu 1.860 Stellen sind betroffen. Das Ziel: rund 500 Millionen Euro jährliche Einsparungen bis 2029.
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ASCO-Daten stützen den Krebsschwenk
Beim ASCO-Jahreskongress Ende Mai präsentierte BioNTech neue Daten zu zwei zentralen Krebskandidaten: Pumitamig und Gotistobart.
Für Pumitamig zeigten Interimsdaten aus der Phase-2/3-Studie ROSETTA Lung-02 ermutigende Antitumoraktivität in der Erstlinientherapie des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms. Die Kombination mit Chemotherapie soll nun in der laufenden Phase-3-Studie gegen Pembrolizumab plus Chemotherapie getestet werden. Es ist bereits das dritte Datensignal für Pumitamig in verschiedenen Tumorarten — nach Kleinzelligem Lungenkrebs und triple-negativem Brustkrebs.
Gotistobart lieferte Daten aus der Phase-2-Studie PRESERVE-004. Stark vorbehandelte Patientinnen mit platinresistentem Eierstockkrebs zeigten dauerhafte Antitumoraktivität und klinisch bedeutsame Gesamtüberlebensdaten. Das Sicherheitsprofil war überschaubar. BioNTech sieht Gotistobart als mögliche chemotherapiefreie Option.
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Pipeline und Kasse als Fundament
BioNTech plant, 2026 sechs weitere Phase-3-Studien zu starten. Damit käme das Unternehmen auf insgesamt 15 laufende Phase-3-Studien. Sieben Datenpakete aus späten Entwicklungsphasen erwartet das Management noch in diesem Jahr. Für Trastuzumab Pamirtecan in HER2-positivem Endometriumkarzinom will BioNTech 2026 einen Zulassungsantrag in den USA einreichen.
Die Kasse ist voll. Zum 31. März 2026 verfügte das Unternehmen über liquide Mittel von 16,8 Milliarden Euro. Ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu eine Milliarde Dollar läuft bis Mai 2027.
Trotzdem bleibt der Kurs unter Druck. Die Aktie notiert bei rund 76,40 Euro — knapp 28 Prozent unter dem Januarhoch von 105,80 Euro und rund elf Prozent unterhalb des 200-Tage-Durchschnitts. Die Umsätze schrumpfen: Im ersten Quartal 2026 fielen die Erlöse auf 118,1 Millionen Euro, nach 182,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Rückgang bei COVID-19-Impfstoffen hinterlässt eine Lücke, die die Onkologie erst noch füllen muss. Wie schnell das gelingt, hängt auch davon ab, ob Berlin die Pharmaindustrie mit seinen Reformplänen weiter vergrault — oder zurückgewinnt.
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