BioNTech rückt die Onkologie-Pipeline in den Vordergrund. Vom 12. bis 15. September präsentiert das Mainzer Unternehmen auf der IASLC-Weltkonferenz für Lungenkrebs in Seoul neue klinische Daten zu seinen wichtigsten Krebswirkstoffen. Im Zentrum stehen pumitamig und gotistobart – zwei Substanzen, denen im Unternehmen erhebliches kommerzielles Potenzial zugeschrieben wird.

Besonders im Fokus steht eine erstmals weltweit vorgestellte Kombination von pumitamig mit dem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat elfetabart drozuntecan. Die Daten stammen aus einer Phase-1/2-Studie bei fortgeschrittenem beziehungsweise metastasiertem kleinzelligem und nicht-kleinzelligem Lungenkrebs.

Zusätzlich präsentiert BioNTech aktualisierte Gesamtüberlebensdaten aus der Phase-3-Studie PRESERVE-003, die gotistobart bei vorbehandeltem plattenepithelialem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs untersucht.

Breite Pipeline als Gegengewicht zu Rückschlägen

Der Termin kommt für BioNTech zu einem sensiblen Zeitpunkt. Vor gut einer Woche hatte das Unternehmen den Abbruch der Cevumeran-Studie bei Darmkrebs bekanntgegeben – seither hat sich die Aktie um 2,2 Prozent erholt.

Umso wichtiger wird der Blick auf die restliche Onkologie-Pipeline: BioNTech führt derzeit 16 laufende Lungenkrebs-Studien, darunter fünf Phase-3-Programme und zwei sogenannte Novel-Novel-Kombinationsstudien, in denen zwei neuartige Wirkprinzipien erstmals gemeinsam getestet werden.

Diese Breite soll zeigen, dass der Rückschlag bei Cevumeran kein Einzelfall ist, sondern ein Nebenprodukt eines Portfolios mit zahlreichen parallelen Wetten. Für Anleger bedeutet das: Die Ergebnisse aus Seoul dürften als Gradmesser dafür dienen, ob BioNTechs Ambitionen im soliden Tumor-Bereich über die Impfstoffsparte hinaus tragfähig sind.

Kurs bewegt sich seitwärts nach turbulentem Monat

Am Montag schloss die BioNTech-Aktie bei 89,30 Euro, ein Rückgang von 0,3 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von 11 Prozent zu Buche – ein Beleg dafür, dass der Markt den Führungswechsel und die gesenkte Jahresprognose, beide vor rund einem Monat verkündet, inzwischen verarbeitet hat. Zum 52-Wochen-Hoch von 105,80 Euro, erreicht im Januar, fehlen der Aktie derzeit 16 Prozent.

Die bevorstehenden Daten aus Seoul treffen auf ein Unternehmen im Umbruch: Guido Oelkers übernimmt spätestens zum 1. Februar 2027 als neuer Vorstandsvorsitzender von Mitgründer Ugur Sahin, der gemeinsam mit Özlem Türeci ein neues, unabhängiges Unternehmen aufbauen will.

Mit liquiden Mitteln von 16,6 Milliarden Euro zum Ende des zweiten Quartals verfügt BioNTech über ausreichend finanziellen Spielraum, um die Onkologie-Studien trotz gekürzter Umsatzprognose fortzuführen. Ob die Daten aus Seoul das Vertrauen in diese Strategie stärken, wird sich in den kommenden Tagen zeigen.