BMO Capital Markets hat BioNTech gestern von „Outperform“ auf „Market Perform“ zurückgestuft und das Kursziel von 128 auf 105 Dollar gesenkt. Die Analysten begründen den Schritt mit einer stärker als erwartet schrumpfenden Nachfrage nach dem Covid-Impfstoff Comirnaty und einem anhaltenden Lagerabbau in Deutschland. Der Kurs reagierte am Dienstag mit einem Rückgang um 4,5 Prozent auf 85,05 Euro.
Die Abstufung trifft eine Aktie, die sich zuletzt ohnehin in einer schwierigen Phase befand. Über sieben Tage steht ein Minus von 5,2 Prozent zu Buche, auf Monatssicht bleibt dagegen ein Plus von 5,9 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 105,80 Euro, erreicht im Januar, trennen das Papier inzwischen 20 Prozent.
Skepsis auch bei der Onkologie-Pipeline
Die BMO-Analysten sehen nicht nur das Impfstoffgeschäft kritisch. Sie verweisen zudem darauf, dass belastbare Daten zur Risikoeinschätzung des Krebsmedikaments Pumitamig frühestens 2028 vorliegen dürften. Auch die Erwartungen an das mRNA-basierte iNeST-Programm haben die Analysten nach unten korrigiert.
Erst Ende August hatte BioNTech gemeinsam mit Genentech, einer Roche-Tochter, eine Phase-2-Studie zum Krebswirkstoff Autogene Cevumeran bei resezierbarem Darmkrebs abgebrochen, nachdem die Studie eine Futility-Schwelle überschritten hatte – ein Rückschlag, der die Aktie in den Tagen danach bereits um 2,7 Prozent belastet hatte.
Die BMO-Einschätzung reiht sich damit in eine Serie vorsichtigerer Analystenurteile ein. Bereits Ende August hatte Canaccord sein Kursziel von 142 auf 136 Dollar gesenkt, allerdings die Kaufempfehlung beibehalten – ein deutlich zurückhaltenderer Ton als bei BMO.
Insider verkauft Aktien im Millionenwert
Parallel zur schwächeren Analystenstimmung meldete BioNTech per Pflichtmitteilung Aktienverkäufe von Vorstandschef Ugur Sahin. Im Rahmen eines Rule-10b5-1-Handelsplans veräußerte er am 3. und 4. September insgesamt 76.500 Stammaktien – 45.000 Stück zu 102,85 Dollar sowie 31.500 Stück zu 103,52 Dollar.
Der Gesamterlös beläuft sich auf rund 7,9 Millionen Dollar. Solche planbasierten Verkäufe werden in der Regel im Voraus festgelegt und gelten nicht automatisch als negatives Signal, dennoch fallen sie in eine Phase, in der das Sentiment ohnehin angeschlagen ist.
Guidance-Kürzung wirkt nach
Der eigentliche fundamentale Auslöser der Skepsis liegt bereits einige Wochen zurück: Anfang August hatte BioNTech die Umsatzprognose für 2026 von 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro auf 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro gesenkt.
Im zweiten Quartal war der Umsatz auf 105,6 Millionen Euro eingebrochen, nach 260,8 Millionen Euro im Vorjahresquartal, bei einem Nettoverlust von 820,8 Millionen Euro. Mit einer Kriegskasse von 16,6 Milliarden Euro und einem laufenden Aktienrückkaufprogramm über bis zu einer Milliarde Dollar verfügt das Unternehmen dennoch über erheblichen finanziellen Spielraum.
Für Anleger richtet sich der Blick nun auf die kommende Woche: Vom 12. bis 15. September präsentiert BioNTech beim IASLC-Weltkongress zu Lungenkrebs in Seoul neue klinische Daten, darunter erstmals globale Ergebnisse zur Kombination von Pumitamig mit dem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Elfetabart Drozuntecan sowie aktualisierte Überlebensdaten aus der Phase-3-Studie PRESERVE-003. Ob diese Daten das durch die BMO-Abstufung eingetrübte Bild aufhellen können, dürfte sich in den kommenden Handelstagen zeigen.
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