Die Gründer ziehen weiter – und BioNTech schlägt ein neues Kapitel auf. Ugur Sahin und Özlem Türeci haben heute bekanntgegeben, dass sie ihre Führungsrollen bis Ende 2026 niederlegen und ein drittes Biotechnologie-Unternehmen gründen werden. Nach Ganymed Pharmaceuticals (2001) und BioNTech (2008) ist das neue mRNA-Venture das nächste Projekt des Wissenschaftlerpaares.

Der Schritt folgt einer klaren Logik: BioNTech wandelt sich zunehmend zu einem kommerziellen Pharmaunternehmen mit wachsender Spätphasen-Pipeline. Forschung und Kommerzialisierung erfordern unterschiedliche Fähigkeiten – und die Gründer sehen ihre Stärken klar in der Grundlagenforschung.

Klare Aufgabenteilung

BioNTech konzentriert sich künftig auf die Entwicklung und Vermarktung seiner spätklinischen Pipeline aus Immunmodulatoren, Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten und mRNA-Kandidaten. Bis Ende 2026 plant das Unternehmen 15 laufende Phase-3-Studien im Bereich Onkologie – 2026 soll zudem das erste Jahr mit mehreren Daten-Updates aus Spätphasenstudien in verschiedenen Krebsindikationen werden.

Das neue Unternehmen hingegen soll mRNA-Technologien der nächsten Generation erforschen, mit einem klaren Fokus auf den Einsatz Künstlicher Intelligenz für präzisere und stärker personalisierte Therapien. BioNTech wird dem neuen Venture entsprechende Technologierechte übertragen und dafür eine Minderheitsbeteiligung sowie Meilensteinzahlungen und Lizenzgebühren erhalten. Eine bindende Vereinbarung wird bis Ende des ersten Halbjahres 2026 erwartet.

Personell und strategisch kein Bruch

Beide Gründer bleiben als Anteilseigner an BioNTech gebunden und halten gemeinsam rund 15 Prozent der Anteile. Kooperationen zwischen beiden Unternehmen – etwa bei Kombinationstherapien – sind ausdrücklich vorgesehen. BioNTechs Aufsichtsrat hat die Nachfolgesuche bereits eingeleitet, um einen reibungslosen Übergang sicherzustellen.

Rückenwind aus unerwarteter Richtung kommt von Star-Investorin Cathie Wood, die die jüngste Marktschwäche offenbar für Käufe bei BioNTech genutzt hat. Damit signalisiert zumindest eine prominente Stimme an den Märkten, dass sie die strukturellen Perspektiven des Unternehmens trotz des anstehenden Führungswechsels positiv bewertet.