Goldman Sachs hält an seiner Kaufempfehlung für BioNTech fest. Das klingt nach Routine — ist es aber nicht, wenn man sich die Q1-Zahlen ansieht.
Schrumpfende Einnahmen, wachsende Verluste
Im ersten Quartal 2026 erzielte BioNTech Umsätze von 118,1 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor waren es noch 182,8 Millionen Euro. Der operative Verlust weitete sich auf 677,5 Millionen Euro aus, nach 534,1 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Ursache: hohe Forschungsausgaben und gestiegene Betriebskosten.
Der Rückgang spiegelt das strukturelle Problem wider. COVID-Impfstofferlöse brechen weiter ein. Ein Ersatz fehlt bislang — noch.
Goldman setzt auf den Onkologie-Schwenk
Die US-Investmentbank stufte BioNTech im Januar 2026 von Neutral auf Buy hoch und setzte ein Kursziel von 142 Dollar. Im März bekräftigte Goldman Sachs die Einschätzung erneut. Die Begründung: BioNTech stehe „im Zentrum bedeutender Entwicklungen in der Onkologie“ und könne neuartige Kombinationstherapien entwickeln, die die Krebsbehandlung grundlegend verändern.
Im Fokus steht dabei pumitamig (BNT327), ein sogenanntes Pan-Tumor-Programm. Mehrere Phase-II/III-Studien laufen bei häufigen Krebsarten. Goldman erwartet wichtige Datenpräsentationen noch in diesem Jahr — und sieht darin den Schlüssel für eine neue Produktwelle.
Werksschließungen und Milliarden-Einsparungen
BioNTech baut parallel seine Produktion um. Das Unternehmen will Standorte in Deutschland und Singapur schließen. Ab 2029 sollen die Maßnahmen bis zu 500 Millionen Euro jährlich einsparen. Die Überkapazitäten stammen aus der Post-COVID-Ära, als BioNTech massiv in Produktionskapazität investiert hatte.
Das Management hält trotz der Verluste an seinen Jahreszielen fest. Außerdem plant der Vorstand ein Aktienrückkaufprogramm für American Depositary Shares im Umfang von bis zu einer Milliarde Dollar über zwölf Monate — vorbehaltlich der Genehmigung durch Aufsichtsrat und Vorstand.
Kurs unter Druck, Bewertung gespalten
An der Börse spiegelt sich die Unsicherheit wider. Die BioNTech-Aktie notiert bei rund 80,90 Euro und hat in den vergangenen sieben Tagen knapp 8 Prozent verloren. Vom 52-Wochen-Hoch bei 101,90 Euro trennt den Kurs ein Abstand von über 20 Prozent.
Am 15. Mai 2026 findet die virtuelle Hauptversammlung statt. Aktionäre stimmen dort unter anderem über die Erweiterung des Aufsichtsrats, ein neues genehmigtes Kapital sowie den Abschluss eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags mit der Tochtergesellschaft BioNTech Discovery GmbH ab. Ob die Datenpräsentationen zu pumitamig noch in der zweiten Jahreshälfte 2026 die erhoffte Neubewertung auslösen, wird die entscheidende Frage für den Kurs bleiben — Goldman Sachs hat seine Antwort bereits gegeben.
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