Bitcoin notiert knapp über 64.400 Dollar — und das nach einem Monatsverlust von mehr als 16 Prozent. Die Lage ist keine Panik mehr, aber auch kein Aufbruch. Was die aktuellen On-Chain-Daten zeigen, ist etwas dazwischen: ein Markt im Reparaturmodus.

Käufer warten, Verluste dominieren noch

Der Blockchain-Analysedienst Glassnode beschreibt Bitcoin in seinem aktuellen Bericht als korrigierend, aber mit ersten Stabilisierungszeichen. Ein zentraler Maßstab dabei ist der sogenannte True Market Mean — der durchschnittliche Einstandspreis aktiv gehandelter Coins. Er liegt bei rund 77.200 Dollar. Bitcoin handelt derzeit etwa 15 Prozent darunter.

Kurzfristige Halter stehen besonders unter Druck. Ihr durchschnittlicher Einstandspreis liegt bei rund 72.600 Dollar. Das bedeutet: Wer in den vergangenen Wochen gekauft hat, sitzt im Schnitt auf einem Buchverlust von rund zehn Prozent. Der MVRV-Wert dieser Gruppe — ein Maß für unrealisierte Gewinne oder Verluste — erholte sich zwar von 0,81 auf 0,90, bleibt aber unter der Gewinnschwelle von 1,0.

Auch der Kapitalfluss dreht noch nicht. Die realisierte Gewinn-Verlust-Quote liegt im 30-Tage-Schnitt bei 0,53. Realisierte Verluste überwiegen also weiterhin. Die sogenannte Realized Cap — sie misst den aggregierten Einstandspreis aller umlaufenden Coins — schrumpfte in den vergangenen 90 Tagen um knapp 1,5 Prozent auf 1,07 Billionen Dollar.

Passive Käufer stützen den Markt

Das konstruktivste Signal kommt aus dem Orderbuch. Glassnode beobachtet, dass die Kaufseite im Binance-Spotmarkt nach dem Rückgang Richtung 60.000 Dollar deutlich zugelegt hat. Ruhende Kauflimits überwiegen die Verkaufsorders — und das mit dem größten Abstand seit Monaten.

Aggressives Kaufinteresse ist das nicht. Open Interest bleibt gedämpft, Funding-Rates bewegen sich nahe null, und der Spot CVD zeigt keine Kaufwelle. Passive Limit-Orders absorbieren das Angebot. Das bremst Rückgänge, erzeugt aber keine Ausbrüche nach oben.

Optionsmarkt beruhigt sich

Im Derivatemarkt ist die Nervosität spürbar zurückgegangen. Die implizite Volatilität für eine Woche fiel von über 65 Prozent auf rund 35 Prozent. Die Einmonats-Volatilität sank ähnlich stark. Die realisierte Volatilität liegt mit rund 42 Prozent allerdings höher als die implizite — das bedeutet: Der Markt hat sich zuletzt stärker bewegt, als Optionen es eingepreist hatten.

Der Skew normalisierte sich nach der Phase starker Absicherungsnachfrage. In den vergangenen 24 Stunden überwogen Call-Käufe leicht gegenüber Puts — ein kleines Zeichen, dass kurzfristig etwas mehr Optimismus zurückkehrt.

Relevant bleibt die Gamma-Positionierung der Market Maker. Glassnode identifiziert den größten negativen Gamma-Cluster bei 68.000 Dollar, mit weiterer Short-Gamma-Exposition bis 71.000 Dollar. Bewegt sich Bitcoin in diese Zone, könnten Hedging-Flows die Kursbewegung verstärken.

ETF-Nachfrage bleibt schwach

Institutionelles Kapital kehrt nicht zurück. Bitcoin-ETFs verzeichneten zuletzt Nettoabflüsse von rund 82 Millionen Dollar binnen 24 Stunden. Die Jahresbilanz der ETF-Zuflüsse ist mit minus 3,06 Milliarden Dollar negativ.

Für eine echte Trendwende bräuchte Bitcoin laut Glassnode drei Dinge: eine Rückkehr über den True Market Mean bei 77.200 Dollar, einen MVRV der Kurzfristhalter über 1,0 und eine wieder wachsende Realized Cap über 90 Tage. Keines dieser Kriterien ist derzeit erfüllt. Der RSI liegt bei 38,6 — technisch überverkauft, aber ohne klares Umkehrsignal.