Ein überraschender Schritt der US-Notenbankverwaltung hat der Kryptowährung zur besten Woche seit 2023 verholfen. Das US-Finanzministerium erhöhte seine Anleiherückkäufe deutlich – von zuvor gedeckelten 2 Milliarden auf mindestens 4 Milliarden Dollar pro Operation, geplant für den Zeitraum vom 9. September bis 4. November.

Die Ankündigung löste einen Short-Squeeze im Volumen von rund 4 Milliarden Dollar aus und trieb Bitcoin von etwa 62.800 Dollar auf über 77.000 Dollar.

Bitcoin notiert aktuell bei 77.421 US-Dollar, nahezu unverändert zum Vortag. Auf Wochensicht steht ein Plus von 23 Prozent zu Buche, über 30 Tage sind es 21 Prozent.

Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 65.164 Dollar beträgt satte 19 Prozent – ein deutliches Zeichen dafür, wie stark sich der Kurs von seinem mittelfristigen Trend gelöst hat. Auf Jahressicht bleibt die Kryptowährung mit minus 12 Prozent dennoch im Minus, zum Rekordhoch von 126.198 Dollar aus dem Oktober 2025 fehlen weiterhin 39 Prozent.

Institutionelles Geld strömt zurück

Die Rally speist sich nicht allein aus der Treasury-Entscheidung. US-Spot-ETFs auf Bitcoin verzeichneten in der vergangenen Woche Nettozuflüsse von 1,9 Milliarden Dollar – die stärkste Woche seit Oktober 2025. Zusammen mit Ether-Produkten, die 697,2 Millionen Dollar einsammelten, kamen die Handelsvolumina der US-Krypto-ETFs auf über 22 Milliarden Dollar, verglichen mit zuvor rund 6,9 Milliarden Dollar.

Jordi Visser bezeichnete Bitcoin angesichts einer Zehnjahresrendite von mehr als 13.000 Prozent – nur von Nvidia übertroffen – als „Anti-Fäulnis“-Absicherung gegen eine Staatsverschuldung von nahezu 40 Billionen Dollar.

Auch Strategy-Gründer Michael Saylor meldete sich zu Wort und nannte Bitcoin „digitale Energie“. Sein Unternehmen hält inzwischen 840.447 BTC, etwa vier Prozent der maximal verfügbaren Menge, bei einem durchschnittlichen Einstandspreis von 75.385 Dollar.

Coinbase-Chef Brian Armstrong äußerte sich optimistisch zum Ende des Bärenmarktes, während VanEck ein Kursziel von 100.000 Dollar für 2027 und langfristig bis zu 500.000 Dollar bis 2029 in den Raum stellte.

Überkaufte Signale mahnen zur Vorsicht

Technisch gilt der Markt jedoch als heiß gelaufen: Der 14-Tage-RSI liegt bei 80,4 und signalisiert eine deutlich überkaufte Lage. Analysten von Helios Analytics bezeichneten die jüngste Kursbewegung als 4,4-Sigma-Ereignis – ein statistisch seltenes Ausmaß.

Entsprechend uneins ist die Markterwartung: Wettplattform Polymarket sieht am Montag eine 65-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass Bitcoin im August die Marke von 80.000 Dollar erreicht, aber nur 22 Prozent für 85.000 Dollar und lediglich ein Prozent für 100.000 Dollar.

Kritischer äußerte sich Samson Mow, der bezweifelt, dass die aktuelle Rally bereits einen echten Bullenmarkt markiert – das bisherige Rekordhoch aus 2025 sei lediglich ein Inflationsausgleich gewesen. Regulatorisch bleibt zudem Unsicherheit: Senatorin Cynthia Lummis wirft Banken vor, den CLARITY Act zu blockieren, während das Weiße Haus auf eine Verabschiedung bis zum 15. September drängt.

Scheitert das Gesetz, drohen stattdessen Regelungen durch Aufsichtsbehörden wie die SEC, die bereits einen 401-seitigen Rahmenvorschlag für Krypto-Wertpapiere vorgelegt hat. Anleger dürften die kommenden Wochen daher genau beobachten – sowohl die politische Entwicklung in Washington als auch die Frage, ob die überkaufte technische Lage zu einer Konsolidierung führt.