Kurs seitwärts, Unterbau bullish. Bitcoin notiert knapp unter 78.300 Dollar und hat in den vergangenen 30 Tagen rund elf Prozent zugelegt — während sich unter der Oberfläche mehrere strukturelle Signale gleichzeitig aufbauen, die Marktbeobachter selten in dieser Kombination sehen.
Wale positionieren sich, Shorts zahlen drauf
Auf der On-Chain-Perpetual-Futures-Börse Hyperliquid haben die größten Trader — typischerweise Positionen ab zehn Millionen Dollar — ihre Netto-Short-Ausrichtung Anfang März in Long-Positionen umgekehrt. Seitdem hat sich dieser Bias weiter verstärkt und erreicht laut Glassnode aktuell die aggressivste Long-Ausrichtung im gesamten verfügbaren Datensatz.
Was das technisch brisant macht: Die Perpetual-Swap-Funding-Rate liegt auf Sieben-Tage-Basis bei minus 0,13 Prozent — Shorts zahlen also für das Halten ihrer Positionen an Longs. Diese negative Rate hält seit rund 47 aufeinanderfolgenden Tagen an. Aggressive Whale-Longs kombiniert mit einer derart hartnäckigen bearishen Derivate-Positionierung ist das klassische Setup für einen Short-Squeeze, sobald der Spotpreis nach oben ausbricht.
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ETF-Zuflüsse auf Rekordniveau, Angebot schwindet
US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten vom 14. bis 24. April Netto-Zuflüsse von rund 2,12 Milliarden Dollar — neun Handelstage in Folge, der längste Streak seit Oktober. Allein am 17. April flossen knapp 664 Millionen Dollar in die Produkte. In diesem Zeitraum absorbierten die ETFs etwa 19.000 BTC, ungefähr das Neunfache der Miner-Produktion im gleichen Fenster.
BlackRocks IBIT hält inzwischen rund 806.700 BTC — etwa 3,8 Prozent des gesamten Bitcoin-Angebots. Einen neuen Wettbewerber bekommt das Produkt von Morgan Stanley: Der MSBT-ETF startete am 8. April mit einer Jahresgebühr von 0,14 Prozent, unterbietet damit IBITs 0,25 Prozent und zog in seiner ersten Handelswoche über 100 Millionen Dollar an. Das gibt Morgan Stanleys rund 16.000 Finanzberatern erstmals die Möglichkeit, Bitcoin-Exposure für Kunden zu empfehlen — ein Kanal, der bislang weitgehend ungenutzt ist.
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Das Angebotsbild verschärft sich parallel dazu. Die aggregierten Bitcoin-Börsenreserven sind auf rund 2,21 Millionen BTC gesunken — ein Sieben-Jahres-Tief. Coins, die Börsen verlassen, wandern in Self-Custody oder institutionelles Cold Storage und stehen dem Markt nicht mehr sofort zur Verfügung. On-Chain-Analysten sprechen von einer „Supply Cliff“: einem Punkt, an dem selbst moderate Nachfragesteigerungen auf kaum vorhandenes Verkaufsangebot treffen.
Makro liefert Rückenwind — vorerst
Im traditionellen Finanzmarkt schloss der S&P 500 zuletzt auf einem Rekordhoch, Treasury-Renditen gaben nach, nachdem das US-Justizministerium seine Untersuchung gegen Fed-Chef Jerome Powell einstellte. Das könnte den Weg für Kevin Warsh als nächsten Fed-Vorsitzenden ebnen — eine Entwicklung, die Zinssenkungserwartungen neu kalibrieren dürfte.
Bitcoin steht rund zehn Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt, der RSI liegt bei 48,5 — technisch weder überkauft noch überverkauft. Ob die strukturellen Signale in einen echten Ausbruch münden, entscheidet sich maßgeblich daran, wie die Hyperliquid-Shorts auf einen anhaltenden Anstieg über die 80.000-Dollar-Marke reagieren.
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