Bitcoin erholt sich heute vom Ausverkauf am Wochenende. Eine Entwarnung für Anleger ist das noch nicht: Die gestrigen Zwangsliquidationen trafen überwiegend Positionen auf steigende Kurse. Zugleich warnt Coinbase vor einer ungünstigen Verteilung der Einstiegspreise. Mit 80.871,00 USD liegt Bitcoin wieder oberhalb der gestern zeitweise unterschrittenen psychologischen Unterstützung.
Gehebelte Käufer geraten unter Druck
Wie The Block berichtet, wurden gestern innerhalb von vier Stunden Kryptopositionen im Wert von 436,44 Mio. US-Dollar liquidiert. Davon entfielen 404,15 Mio. US-Dollar auf Long-Positionen, also Wetten auf steigende Kurse. Der Verkaufsdruck traf damit vor allem Anleger, die auf eine Fortsetzung der Erholung gesetzt hatten.
Die anschließende Gegenbewegung begrenzt zwar den unmittelbaren Kursrückgang. Sie beseitigt aber nicht automatisch die Risiken aus noch offenen gehebelten Positionen. Entscheidend ist deshalb nicht allein die Rückkehr über die zuvor verlorene Schwelle. Ebenso wichtig bleibt, wie viele Käufer mit ihren Positionen weiterhin unter dem Einstiegspreis liegen.
Dazu meldete Coinbase Markets gestern einen auffälligen Befund: Der größte erfasste Cluster von Bitcoin-Netto-Longpositionen wurde bei durchschnittlich 81.993 US-Dollar eröffnet. Insgesamt entstanden 64 % des erfassten Netto-Long-Nominals oberhalb des damaligen Spotpreises.
Diese Angaben beschreiben die Positionierung, nicht die unmittelbar bevorstehende Verkaufsmenge. Coinbase nannte weder den Dollarwert des Engagements noch die eingesetzten Hebel oder Margin-Anforderungen. Vor allem ist der durchschnittliche Einstiegspreis kein Liquidationspreis. Aus dem Cluster lässt sich daher keine feste Schwelle für weitere Zwangsverkäufe ableiten.
Wochenschluss als Bewährungsprobe
Für Analyst Benjamin Cowen steht heute der Wochenschluss im Mittelpunkt. Ein Abschluss unter 83.000 US-Dollar würde seine pessimistische Einschätzung für den Rest von 2026 verstärken. Eine Rückeroberung mit anschließendem Halten oberhalb dieser Marke würde das negative Szenario dagegen entkräften.
Cowens Einschätzung ist damit ausdrücklich an eine Bedingung geknüpft. Eine kurzfristige Erholung allein reicht nach diesem Maßstab nicht aus. Für Anleger trennt sich hier die bloße Gegenbewegung von einer belastbareren Stabilisierung: Erst das Zurückgewinnen der verlorenen Marke würde seine skeptische Sicht infrage stellen.
Auch der Optionsmarkt signalisiert Vorsicht. Laut Coinbase lag die implizite Volatilität von Verkaufsoptionen gestern über sämtliche betrachteten Laufzeiten höher als bei vergleichbaren Kaufoptionen. Der Befund passt zum erhöhten Absicherungsbedarf, liefert für sich genommen aber keine sichere Prognose über die nächste Kursrichtung.
Geldpolitik setzt den nächsten Terminanker
Zusätzliche Unsicherheit bringt die bevorstehende Fed-Sitzung am 27.–28. Oktober. Am 29. Oktober folgen die US-PCE-Inflationsdaten für September. Damit stehen nach dem von Liquidationen geprägten Wochenende unmittelbar neue geldpolitisch relevante Termine an.
Die Erholung trifft somit auf zwei unterschiedliche Belastungen: eine weiterhin anfällige Positionierung und Unsicherheit über das makroökonomische Umfeld. Der Rückprall zeigt, dass nach dem Ausverkauf wieder Käufer auftreten.
Ob daraus mehr wird, hängt zunächst daran, ob Bitcoin die Erholung bis zum Wochenschluss behauptet und die von Cowen benannte Hürde zurückgewinnt. Die gestrigen Zwangsverkäufe sind abgeschlossen; das Risiko erneuten Drucks ist damit nicht ausgeräumt.
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