Liebe Traderinnen und Trader,
Bitcoin notiert ein Jahr nach seinem Rekordhoch rund 32 Prozent tiefer. Am 10. Oktober 2025 markierte die Kryptowährung bei rund 122.500 Dollar ihr 52-Wochen-Hoch, am selben Tag folgte der Flash-Crash.
Zum Jahrestag kämpft der Kurs nun um die 80.000-Dollar-Zone, während die US-Spot-ETFs erstmals seit vier Wochen Geld abgeben. Das ist die Wochen-Story für Trader: nicht der Telekom-Schock, sondern die Frage, ob institutionelle Käufer unter ihrem Einstandskurs stillhalten.
Bitcoin: Liquidationen, ETF-Abflüsse und der Einstandskurs bei 84.300 Dollar
Bitcoin hat die Verkaufswelle vorerst gestoppt. Am Samstagnachmittag notiert der Kurs bei rund 82.900 Dollar (etwa 74.000 Euro), leicht über dem Freitagsschluss. Der Weg dorthin war ruppig.
Von knapp 87.000 Dollar am vergangenen Sonntag ging es am Donnerstag bis auf gut 80.400 Dollar hinunter. Binnen 24 Stunden wurden marktweit rund eine Milliarde Dollar an gehebelten Positionen zwangsliquidiert. Auf Wochensicht steht ein Minus von rund 4,5 Prozent, die dreiwöchige Gewinnserie ist beendet.
Den Druck lieferten die ETFs. Die US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten von Montag bis Freitag Nettoabflüsse von rund 700 Millionen Dollar, der erste Wochenabfluss seit vier Wochen. Allein am Dienstag flossen 485 Millionen Dollar ab, der höchste Tageswert seit Ende Juni, davon 208 Millionen bei BlackRocks IBIT.
Am Freitag drehte der Saldo mit 21 Millionen Dollar wieder leicht ins Plus. Die entscheidende Zahl dahinter: Der durchschnittliche Kaufpreis der US-Spot-ETFs liegt nach Blockchain-Daten bei rund 84.300 Dollar, die institutionellen Käufer sitzen also auf Buchverlusten, und ob sie nachkaufen oder kapitulieren, entscheidet über die Richtung der kommenden Wochen.
Rückenwind von der Zinsseite gibt es nicht. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen schloss am Freitag bei 5,24 Prozent, nahe dem höchsten Stand seit über zwei Jahrzehnten. Das Fed-Protokoll zeigt, dass alle Teilnehmer die Zinserhöhung um 25 Basispunkte im September stützten.
Für die Sitzung am 27. und 28. Oktober erwartet der Markt eine Pause, für Dezember eine weitere Anhebung um 25 Basispunkte. Der Angst-und-Gier-Index fiel binnen einer Woche von 72 auf 55.
Charttechnisch liegt die erste Unterstützung bei 80.000 Dollar. Darunter bündeln sich der 50-Tage-Durchschnitt bei rund 79.700 Dollar und die Zone 78.000 bis 79.000 Dollar, in der institutionelle Bestände nach Analystenschätzung in den Verlust kippen. Bricht das, nennen Charttechniker 76.000 und 72.000 Dollar als nächste Ziele. Nach oben wird es erst über 85.000 Dollar spannend.
Die Altcoins tragen die Last schwerer. Die Bitcoin-Dominanz stieg auf 59 Prozent, weil Altcoins stärker verloren. Ether hält sich bei rund 2.500 Dollar knapp über dem 50-Tage-Durchschnitt, die Ether-ETFs verzeichneten acht Abflusstage in Folge.
XRP verteidigt die 1,40 Dollar, der Widerstand liegt bei 1,64 Dollar. Am Rande: Ledger prüft Diebstahlmeldungen über den Reseller CryptoBilis mit geschätzten Schäden von 86 bis 93 Millionen Dollar, ein Hinweis darauf, Hardware-Wallets nur direkt beim Hersteller zu kaufen.
Längerfristig bleibt das Bild intakt: 51 Prozent von 300 befragten Vermögensverwaltern erwarten laut State Street die Etablierung digitaler Vermögenswerte binnen fünf Jahren, 2024 waren es 11 Prozent.
Delta Air Lines: Wer die Rechnung für Öl über 100 Dollar zahlt
Delta Air Lines zeigt, wo der Ölpreis ankommt. Am Freitag verfehlte die Fluglinie erstmals seit zwei Jahren die Gewinnerwartung, weil die Treibstoffkosten im dritten Quartal 500 Millionen Dollar über Plan lagen.
Der Umsatz stieg zwar um 21 Prozent auf 20,2 Milliarden Dollar. Doch die Jahresprognose für den bereinigten Gewinn sank auf 5,10 bis 5,60 Dollar je Aktie, im Juli hatte Delta noch 6,50 bis 7,50 Dollar versprochen.
Den freien Cashflow erwartet Delta für 2026 bei 2,5 Milliarden Dollar statt bis zu 4 Milliarden, die Treibstoffmehrkosten für das Jahr beziffert die Airline auf 6 Milliarden Dollar. Die Delta-Aktie schloss trotzdem unverändert, der Markt hatte die Kürzung offenbar erwartet.
Der Ölmarkt liefert dafür den Hintergrund. Brent hält sich über 100 Dollar, rund 40 Prozent über dem Niveau vor Kriegsbeginn am 28. Februar. Durch die Straße von Hormus passierten am Dienstag nur sieben Frachtschiffe, ein Zwei-Monats-Tief, und die Angriffe auf Tanker erreichten den höchsten Wochenschnitt seit Kriegsbeginn.
Trump schloss am Donnerstag Angriffe auf Iran vor den Zwischenwahlen am 3. November aus, Teheran prüft einen Sieben-Tage-Plan zur Öffnung der Meerenge. Dazu kommt Hurrikan Isaias: Über 70 Prozent der US-Förderung im Golf von Mexiko sind stillgelegt. Die IEA hat rund 325 Millionen Barrel aus den strategischen Reserven freigegeben, nur noch rund 100 Millionen stehen bereit.
Die Pointe für Trader: Physisch entspannt sich der Markt, denn Energy Aspects sieht das globale Defizit im Oktober auf 250.000 Barrel pro Tag schrumpfen nach fast 4 Millionen im Mai, doch der Preis bleibt wegen der Hormus-Risikoprämie oben. In diesem Umfeld sollen Energiewerte im S&P 500 laut LSEG im dritten Quartal 123 Prozent Gewinnwachstum zeigen, während Fluglinien ihre Prognosen kappen.
Die EIA erwartet für Brent im Schnitt 96 Dollar in diesem Jahr und 84 Dollar 2027. Wer Öl long ist, braucht deshalb einen Stopp: Der Sieben-Tage-Plan für Hormus wäre der Auslöser für einen scharfen Rücksetzer. Auch der europäische Gaspreis zog am Freitag um 3 Prozent auf 81 Euro je Megawattstunde für die November-Lieferung an.
Defensive Momentum-Setups: Humana, Moderna und die zweite Reihe
Abseits der Chips lief am Freitag eine Rotation in defensive Werte. Humana sprang um 12 Prozent auf ein 52-Wochen-Hoch, nachdem der Krankenversicherer meldete, dass 2027 rund 95 Prozent seiner Versicherten in Medicare-Plänen mit mindestens vier Sternen stecken. Seit Jahresbeginn hat die Humana-Aktie 76 Prozent gewonnen.
Moderna legte um 14 Prozent auf ein Dreijahreshoch zu und kehrt in den Nasdaq-100 zurück. Die Funkturm-Betreiber Crown Castle (plus 16 Prozent) und American Tower (plus 9 Prozent) waren die Gewinner des SpaceX-Frequenzdeals, die Kehrseite des Einbruchs bei Deutsche Telekom und T-Mobile US.
Dazu beendete der gleichgewichtete S&P 500 seine Serie von sieben Verlustwochen, die längste seit 2022. Die Marktbreite bessert sich also, während Halbleiter-ETFs am Freitag leicht nachgaben.
In Deutschland bewegten Analystenwechsel die zweite Reihe stärker als jede Konjunkturzahl. Rational stieg um 6,6 Prozent, nachdem RBC den Großküchenausrüster auf „Outperform“ setzte. Nemetschek gewann 4,9 Prozent, Zalando führte den DAX mit gut 4 Prozent an.
Schott Pharma verlor rund 4 Prozent nach der Abstufung durch die Deutsche Bank auf „Hold“. Der MDAX erholte sich am Freitag kräftig, liegt auf Monatssicht aber noch gut 6 Prozent im Minus. Wer Momentum handelt, findet die sauberen Setups derzeit in Gesundheit und Qualitätsmaschinenbau, nicht in den ausgereizten Chips.
Software: SAP vor dem Backlog-Test, Oracle hängt an einem Kunden
SAP steht vor der wichtigsten Zahl des Quartals. Die SAP-Aktie schloss am Freitag bei 191,72 Euro, auf Monatssicht ein Plus von gut 6 Prozent, auf Jahressicht aber noch 20 Prozent im Minus. SAP kauft den KI-Spezialisten TechWolf, Abschluss im vierten Quartal, Preis ungenannt.
Vor den Quartalszahlen am Mittwoch, 21. Oktober, gehen die Analysten auseinander. BMO hebt das Ziel für die US-Aktie auf 235 Dollar bei „Outperform“. UBS bleibt bei „Neutral“ mit Ziel 201 Euro und warnt vor einer Verlangsamung beim Cloud-Auftragsbestand.
Im zweiten Quartal war der Cloud-Auftragsbestand um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro gewachsen. Das Konsens-Kursziel liegt bei 210,39 Euro. Die Lücke zum Konsens ist bequem, doch am 21. Oktober zählt nur eine Zahl: Hält die Wachstumsrate des Cloud-Backlogs, oder bestätigt sich die UBS-Warnung?
Bei Oracle folgte auf die Umsatz-Debatte um OpenAI binnen eines Tages die Gegenbewegung. Am Donnerstag hatte die Financial Times berichtet, OpenAIs annualisierter Umsatz liege netto bei rund 50 statt 70 Milliarden Dollar, eine Frage der Rechnungsmethode, nicht der Nachfrage.
Am Freitag meldete Bloomberg dann: OpenAI erwartet bis Jahresende mindestens 70 Milliarden Dollar. Oracle stieg daraufhin um 4,7 Prozent auf rund 141 Dollar, bleibt auf Jahressicht aber 51 Prozent im Minus. Mizuho machte die Oracle-Aktie zum ersten Top Pick mit Ziel 320 Dollar, 25 Prozent über dem Konsens, und verweist auf einen Auftragsbestand von 638 Milliarden Dollar.
Davon entfallen rund 45 Prozent auf den 300-Milliarden-Vertrag mit OpenAI über fünf Jahre. Oracle ist damit eine gehebelte Wette auf einen Kunden, und der nächste Stresstest für den gesamten KI-Software-Komplex ist der Börsengang von Anthropic am 9. November bei angepeilter Bewertung von 2 Billionen Dollar.
Genau solche Kursausschläge rund um Quartalszahlen stehen im Fokus des Live-Webinars „Tech-Aktien Trader: Scharfschützen-Trading“. Morgen um 18:00 Uhr zeigt Bernd Wünsche, wie sein „Scharfschützen“-Algorithmus Tech-Werte vor erwarteten Gewinnüberraschungen identifiziert, jene Phase, in der Aktien wie Oracle binnen eines Handelstages mehrere Prozentpunkte zulegen können. Er legt offen, nach welchen Kriterien der Algorithmus kalibriert wird und nennt dabei vergangene Treffer wie Lam Research und Lumentum. Mit Blick auf die jetzt anlaufende Berichtssaison mit erwartetem Gewinnwachstum von 30,6 Prozent im S&P 500 erklärt er, worauf Trader bei den kommenden Tech-Zahlen achten sollten. Jetzt kostenlos zum Webinar anmelden
Marschroute
Die Berichtssaison startet mit erwartetem Gewinnwachstum von 30,6 Prozent im S&P 500. Gleichzeitig erreicht das Verbrauchervertrauen laut Uni Michigan mit 46,3 Punkten den zweitniedrigsten Wert aller Zeiten, die Einjahres-Inflationserwartung steigt auf 4,7 Prozent. Dieser Spagat zwischen starken Firmenzahlen und schwachem Konsum bleibt das Thema der kommenden Woche.
Konkret für Ihre Charts:
- Bitcoin: 80.000 Dollar als Unterstützung, 85.000 Dollar als Widerstand. Der ETF-Einstandskurs bei 84.300 Dollar ist die Magnetzone.
- Ether und XRP: Ether muss die 2.500 Dollar halten, XRP die 1,40 Dollar.
- DAX: Der Index hat die 25.000 zurückerobert, die 200-Tage-Linie bei rund 24.850 Punkten ist der Stopp für Long-Positionen.
- Brent: Über 100 Dollar bleibt die Risikoprämie im Preis, jede Nachricht zum Hormus-Plan ist handelsrelevant.
Termine: Applied Materials Investor Day am Dienstag, 13. Oktober, SAP-Zahlen am Mittwoch, 21. Oktober, Fed-Sitzung am 27. und 28. Oktober, Anthropic-Börsengang am 9. November.
Nutzen Sie den Rest des Wochenendes, um Ihre Stopps zu setzen, bevor der Montag sie testet.
Gute Trades,
Ihr Andreas Sommer
Stand heute, 10. Oktober: Bitcoin – Kaufen, halten oder verkaufen?
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