Fidelity sieht bei Bitcoin Anzeichen für eine mögliche Bodenbildung. Der gestern veröffentlichte Signalbericht verweist auf eine Erholung der nicht realisierten Gewinne und ein verbessertes Kursmomentum. Auch ein viel beachtetes Mining-Signal spricht für eine Stabilisierung.
Allerdings erschwert der Wechsel von Minern in das Geschäft mit KI-Rechenzentren dessen Interpretation. Die Hinweise auf einen Boden verdichten sich damit, eine bestätigte Trendwende lässt sich daraus nicht ableiten.
Fidelity erkennt bessere Ausgangslage
Die Kennzahl NUPL stieg laut Fidelity von 0,09 zum Ende des zweiten Quartals 2026 auf 0,36 zum Ende des dritten Quartals. Damit hat sich die Ausgangslage gegenüber dem vorangegangenen Quartalsende deutlich verbessert.
Fidelity verweist außerdem auf ein seit dem 24. August positives Momentum. Die Einschätzung einer möglichen Bodenbildung beruht somit nicht allein auf einer einzelnen Kennzahl. Auch die Kursentwicklung und die Positionierung gegenüber wichtigen Trendlinien fließen in das Bild ein.
Im September überwand Bitcoin dem Bericht zufolge die gleitenden Durchschnitte über 50 und 200 Tage. Für börsengehandelte Spot-Bitcoin-Produkte nennt Fidelity zudem Zuflüsse von 6,4 Milliarden US-Dollar.
Die historischen Vergleiche des Hauses liefern zusätzliche Argumente für die optimistische Einschätzung. Sie bleiben jedoch Rückblicke und sind keine Garantie für künftige Ergebnisse.
Mining-Signal stützt die Erholungsthese
Parallel dazu hält die Erholung des sogenannten Hash-Ribbon-Signals an. Bitcoin Magazine datiert ihren Beginn auf den 26. August. Der Indikator betrachtet die Entwicklung der Rechenleistung im Bitcoin-Netzwerk und wird zur Beurteilung von Belastungs- und Erholungsphasen der Miner herangezogen.
Nach Angaben von Bitcoin Magazine lag Bitcoin nach sechs von sieben früheren Erholungen ein Jahr später höher. Diese historische Bilanz unterstützt die Bodenbildungsthese, ersetzt aber keine Prüfung der aktuellen Bedingungen.
Gerade hier liegt die Einschränkung: Eine höhere Netzwerk-Rechenleistung belegt für sich genommen keine bessere Wirtschaftlichkeit des Minings. Zudem verlassen Betreiber das Geschäft teilweise zugunsten von KI-Rechenzentren. Solche strategischen Entscheidungen können die Aussagekraft eines Signals verändern, das Anleger mit einer klassischen Bereinigung im Mining verbinden.
KI-Wechsel verlangt vorsichtige Interpretation
CoinShares bezifferte in einem Bericht vom 15. September die für einen geplanten Ausstieg vorgesehene Rechenleistung börsennotierter Miner auf mehr als 35 EH/s. IREN plant den Ausstieg bis zum 31. Dezember. Angekündigte Abschaltungen bedeuten allerdings nicht, dass die Kapazitäten bereits vom Netz gegangen sind.
Für Anleger ergibt sich deshalb ein abgestuftes Bild: Fidelitys Kennzahlen und das Hash-Ribbon-Signal liefern Argumente für eine Stabilisierung. Die veränderten Geschäftsentscheidungen der Miner begrenzen jedoch die Verlässlichkeit historischer Vergleiche. Eine mögliche Bodenbildung ist damit eine begründete Einschätzung – kein gesicherter Ausgangspunkt für den nächsten Kursanstieg.
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