Börsennotierte Unternehmen kaufen Bitcoin schon länger — Nakamoto Inc geht jetzt einen Schritt weiter. Das NASDAQ-gelistete Unternehmen hat am 24. April 2026 ein aktiv verwaltetes Derivate-Programm für seine Bitcoin-Bestände gestartet. Die Idee: Die hohe Volatilität von Bitcoin nicht als Risiko dulden, sondern aktiv zu Geld machen.

Covered Calls und Protective Puts

Das Programm läuft in zwei Spuren. Ein sogenannter Income-Sleeve schreibt gedeckte Kaufoptionen (Covered Calls) und kassiert dafür Prämien. Ein Hedging-Sleeve kauft schützende Verkaufsoptionen (Protective Puts), um das Portfolio bei starken Kursrückgängen abzufedern.

Partner sind Bitwise Asset Management und Kraken Institutional. Bitwise verwaltet einen separaten Managed Account, der durch einen definierten Teil der Bitcoin-Bestände besichert ist. Kraken übernimmt die qualifizierte Verwahrung der digitalen Assets.

Tyler Evans, Chief Investment Officer von Nakamoto und UTXO Management, bezeichnet die implizite Volatilität von Bitcoin als eine der am stärksten unterbewerteten Gelegenheiten an den Kapitalmärkten. Das klingt ambitioniert — aber der Ansatz ist nicht neu. Klassische Vermögensverwalter nutzen ähnliche Strategien seit Jahrzehnten bei Aktien.

Von passiver Akkumulation zur aktiven Bewirtschaftung

Nakamoto Inc hat im ersten Quartal 2026 die Übernahmen von BTC Inc und UTXO Management für rund 81,6 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Das Derivate-Programm ergänzt nun diese Zukäufe als nächste Stufe der Treasury-Strategie.

Der breitere Kontext spricht für den Zeitpunkt. VanEck stellte im März 2026 fest, dass erfahrene Bitcoin-Langzeithalter ihren Verkaufsdruck deutlich reduziert haben. Weniger Angebot bei stabiler Nachfrage gilt als konstruktives Signal. Die Spot-Handelsvolumina sanken zuletzt um etwa 20 Prozent — der Markt wartet ab.

Bitcoin selbst notiert derzeit bei rund 78.260 US-Dollar. Gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von knapp 125.000 US-Dollar aus dem Oktober 2025 fehlen noch mehr als 37 Prozent. Der RSI liegt bei 48,5 — technisch neutral, weder überkauft noch überverkauft.

Institutionelle Reife oder Komplexitätsfalle?

Das Modell von Nakamoto Inc markiert eine Verschiebung im institutionellen Umgang mit Bitcoin. Frühere Zyklen drehten sich um Akkumulation. Jetzt geht es um Bewirtschaftung.

Das birgt eigene Risiken. Covered-Call-Strategien begrenzen die Aufwärtsbeteiligung, wenn Bitcoin plötzlich stark steigt. Protective Puts kosten Prämien, die die Erträge schmälern. Ob das Programm unter realen Marktbedingungen liefert, was es verspricht, wird sich spätestens in den Quartalszahlen für Q2 2026 zeigen — dann liegt erstmals ein vollständiges Quartal mit aktiver Derivate-Bewirtschaftung vor.