Der Handel mit Bitcoin-Derivaten verändert sein Gesicht. Ein neuer Bericht von Glassnode, erstellt gemeinsam mit der Handelsplattform Bybit, zeigt: Optionen haben sich vom Nischenprodukt zu einem tragenden Pfeiler des Marktes entwickelt. Ihr Anteil am Open Interest im Bitcoin-Derivatemarkt kletterte von rund 25 Prozent auf fast 50 Prozent.

Parallel dazu verlieren datierte Futures an Bedeutung. Ihr Volumen liegt heute rund 97 Prozent unter dem Niveau von 2021 — die Liquidität ist stattdessen in unbefristete Perpetual-Kontrakte und eben jene Optionen gewandert. Das Optionsvolumen selbst liegt heute mehr als dreimal so hoch wie damals.

Was der Trend bedeutet

Bemerkenswert: Das Wachstum der Optionen fiel nicht nur in Boomphasen an, sondern beschleunigte sich sogar während der längsten Baisse der untersuchten Marktzyklen seit 2019. Das deutet darauf hin, dass Trader das Instrument zunehmend nutzen, um sich gegen fallende Kurse abzusichern und Volatilität gezielt zu bepreisen — nicht nur, um auf steigende Kurse zu wetten.

Bybit hat von dieser Entwicklung überdurchschnittlich profitiert. Der Anteil der Börse am beobachteten Bitcoin-Optionsvolumen stieg von unter 10 Prozent auf 28 Prozent. Das eigene Optionsbuch der Plattform wuchs von 529 Millionen auf 2,33 Milliarden Dollar.

Auffällig ist dabei die Umschlaggeschwindigkeit: Bybits Optionsbuch dreht sich innerhalb weniger Tage, während das größte Buch im Vergleichsfeld Wochen dafür benötigt — ein Hinweis darauf, dass hier nicht nur Positionen gehalten, sondern aktiv gehandelt werden.

Sanktionen als Schatten über der Branche

Während sich die Derivate-Infrastruktur professionalisiert, bleibt Bitcoin auch Ziel geopolitischer Kontrolle. Das US-Finanzministerium hat die iranische Kryptobörse BitBank sanktioniert.

Der Vorwurf: Über die Plattform sollen zwischen Juni und Juli mehrere hundert Millionen Dollar in Bitcoin an die Revolutionsgarden (IRGC) geflossen sein. Die Maßnahme reiht sich in eine seit August laufende Kampagne namens „Operation Economic Outcast“ ein, die bereits mehrere iranische Handelsplätze getroffen hat.

Für den Bitcoin-Kurs selbst hat das keine unmittelbare Signalwirkung — für die regulatorische Wahrnehmung der Anlageklasse aber schon. Je stärker Kryptobörsen in Sanktionsfälle verwickelt werden, desto genauer dürften Aufsichtsbehörden weltweit den Zahlungsverkehr über solche Plattformen beobachten.

Die beiden Entwicklungen laufen parallel: Auf der einen Seite reift der Bitcoin-Derivatemarkt zu einem Instrument für professionelles Risikomanagement, auf der anderen Seite wächst der Druck durch Sanktionsbehörden auf Handelsplätze mit fragwürdigen Kundenbeziehungen. Beides zusammen zeichnet das Bild eines Marktes, der zunehmend zwischen institutioneller Reife und geopolitischer Kontrolle navigiert.