Liebe Traderinnen und Trader,
35 Prozent des gesamten Bitcoin-Angebots wurden zwischen 76.000 und 82.000 Dollar gekauft. Diese Zahl erklärt, warum die Kryptowährung dort seit Tagen wie gegen eine Wand läuft: Genau in dieser Zone sitzen so viele Anleger auf ihrem Einstandspreis, dass jeder Anstieg sofort auf Gewinnmitnahmen und Break-even-Verkäufe trifft. Bitcoin notiert aktuell bei rund 78.600 Dollar, leicht im Minus zum Vortag, nachdem die Notierung im Tagesverlauf bis auf knapp 79.700 Dollar vorstieß und dort erneut abprallte. Der Ausbruch ist vertagt, nicht gestorben – und genau das macht die Marke für die kommenden Sitzungen so entscheidend.
Bitcoin: Zwischen ETF-Zuflüssen und heißem Geld
Die Nachfrageseite bleibt intakt. Allein in der vergangenen Woche flossen rund 986 Millionen Dollar in US-Spot-ETFs, kumuliert über drei Wochen sind es 3,8 Milliarden Dollar. Das ist strukturelles Kapital, das nicht auf schnelle Kursausschläge wettet. Gleichzeitig warnt Glassnode vor einem gestiegenen Anteil „heißen“, spekulativen Kapitals: 30,1 Prozent gegenüber einer üblichen Bandbreite um 22,8 Prozent. Passend dazu markiert das offene Interesse an Bitcoin-Futures bei Binance mit rund 10 Milliarden Dollar ein Sechsmonatshoch. Für Trader heißt das: Ein Ausbruch über die 80.000/82.000-Dollar-Zone auf ordentlichem Volumen könnte den Weg nach oben öffnen. Ein Rutsch unter die 76.000er-Unterkante der Angebotszone würde dagegen schnelle Folgeverkäufe provozieren, weil dann auch die Käufer der letzten Wochen unter Wasser stehen. Dogecoin liefert das kleinere Echo derselben Dynamik: Die Konsolidierung unter der 200-Tage-Linie hält an, ein Ausbruch über die 10-Cent-Marke bleibt das Ziel, ist aber noch nicht erreicht.
Während Bitcoin an der 80.000-Dollar-Marke um die Richtungsentscheidung kämpft, blicken manche Anleger bereits über den Tellerrand auf die nächste Welle im Kryptomarkt. Ein aktueller Report stellt drei Kryptowährungen vor, deren Wachstumschancen laut Einschätzung sogar über denen von Gold liegen sollen. Report zu den 3 Krypto-Kandidaten anfordern
Rüstungsaktien: Die Erholung ist komplett aufgezehrt
Was sich in den letzten Tagen wie eine Stabilisierung anfühlte, ist bereits wieder verpufft. Rheinmetall notiert im Tagesverlauf bei rund 1.013 Euro, spürbar unter dem Vortagesschluss von 1.050 Euro – die runde 1.000-Euro-Marke rückt damit als nächste Haltelinie in den Fokus. Zur Einordnung: Das 52-Wochen-Tief liegt bei 902,50 Euro (Ende Juni), das Hoch bei 2.007 Euro (Anfang Oktober 2025). Die Aktie hat sich von ihrem Höchststand also bereits mehr als halbiert. RENK gibt ebenfalls nach auf 43,04 Euro, HENSOLDT auf rund 78,64 Euro. Als Belastung gilt die politische Unsicherheit: Ein Analyst verweist auf rund 28 Prozent Zustimmung für die AfD in Umfragen zu Sachsen-Anhalt als Risiko für künftige Verteidigungsbudgets, dazu kommt die geopolitische Nervosität rund um die Straße von Hormus.
Bemerkenswert ist der Kontrast zu den USA. Die UBS hat Lockheed Martin auf „Kaufen“ hochgestuft, mit Kursziel 674 Dollar und einem Best-Case von 870 Dollar – gestützt auf ein erwartetes Umsatzwachstum von 9 Prozent per annum bis 2028 und einen frischen HIMARS-Auftrag aus Schweden. Die Sektorstory zerfällt damit gerade in zwei Lager: europäische Rüstungswerte mit politischem Bewertungsrisiko auf der einen Seite, US-Primes, die von Analysten weiter hochgestuft werden, auf der anderen.
Speicherchips: Der Engpass wird zur SK-Hynix-Story
Während Rüstung Nervosität einpreist, preist der Speicherchip-Sektor Knappheit ein. Samsung und SK Hynix sollen laut Berichten nur noch für weniger als zehn Tage Lagerbestand an Speicherchips vorhalten. Prognosen gehen davon aus, dass die DRAM- und NAND-Nachfrage das Angebot 2027 um mehr als 10 Prozent übersteigen wird – getrieben von KI-Infrastrukturinvestitionen der Cloud-Anbieter, die 2027 auf 1,3 Billionen Dollar steigen sollen, ein Plus von 60 Prozent gegenüber 2026. Der Speicheranteil an diesen KI-Investitionen ist von 14 Prozent (2024) auf 57 Prozent (2026) gesprungen. Der Markt reagiert bereits: SK Hynix legt aktuell rund 3,6 Prozent zu und setzt damit einen weiteren Baustein zu einem Jahresplus von 186 Prozent – nach einem Kursverlauf von 30 Prozent allein in den vergangenen 30 Tagen. Wer die Engpass-These handeln will, kommt an SK Hynix kaum vorbei, muss sich aber bewusst sein, dass die Aktie einen Großteil der guten Nachrichten bereits eingepreist hat.
Alphabet unter Rechtsdruck, Tesla lockt mit Rabatt
Der regulatorische Gegenwind für Mega-Cap-Tech nimmt derweil an mehreren Fronten zu, unabhängig vom KI-Enthusiasmus, der die Kurse sonst trägt. Die Alphabet-Aktie fiel im Nachmittagshandel um 2,8 Prozent auf 328,95 Dollar, nachdem ein US-Berufungsgericht entschieden hat, dass zwischen 2.400 und über 3.000 Klagen wegen Jugend-Suchtgefahr und Plattform-Sicherheit gegen Google und andere große Plattformen weiterverhandelt werden dürfen. Zusätzlich lehnte das Gericht eine Verzögerung eines damit verbundenen Multi-State-Prozesses ab. Für ein Depot mit US-Tech-Übergewicht ist das ein Erinnerungsposten, den man nicht ignorieren sollte.
Auf der anderen Seite zeigt Tesla, wie schnell Preissignale in China wirken: Der Konzern hat die Preise gesenkt, Bedingung ist eine Fahrzeugübernahme bis zum 30. September 2026. Die Reaktion kam prompt – Berichten zufolge gingen an einem einzigen Tag über 4.000 Bestellungen ein. Die Tesla-Aktie bewegt sich aktuell bei rund 318 Euro, leicht im Plus zum Vortag, auf Monatssicht rund 11 Prozent im Plus, auf Jahressicht aber weiterhin rund 19 Prozent im Minus. Die Nachfragereaktion ist ein wichtiges Signal für die anstehenden Q3-Auslieferungszahlen – und ein Hinweis darauf, dass Tesla im chinesischen Markt weiter über den Preis steuern muss, nicht über die Marke.
Marschroute
Bei Bitcoin bleibt die Zone 80.000 bis 82.000 Dollar die entscheidende Hürde nach oben, 76.000 Dollar die Untergrenze, unter der die Verkaufsdynamik zunehmen dürfte. Rheinmetall testet die 1.000-Euro-Marke – hält sie, ist eine technische Gegenbewegung drin, reißt sie, öffnet sich Raum weiter nach unten. Bei SK Hynix bleibt der Trend intakt, solange die Engpass-Story nicht durch neue Kapazitätsmeldungen infrage gestellt wird. Tesla-Anleger sollten die chinesischen Auslieferungszahlen der kommenden Wochen im Blick behalten – dort zeigt sich, ob die Rabattaktion trägt.
Gute Trades, Ihr Andreas Sommer
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