Nach dem Rekordhack bei Binance hängt viel an einem Dokument. Ein aktualisierter Proof-of-Reserves-Bericht soll heute erscheinen und zeigen, ob die Kundenguthaben wirklich gedeckt sind. Für Bitcoin geht es um die Frage, ob die Abflüsse eine Panikreaktion oder eine einmalige Anpassung sind.

Milliarden verlassen die Börse

Binance hat die Auszahlungen am Sonntag schrittweise wieder aufgenommen. Die Kunden zogen sofort Geld ab: Auszahlungen von 4,65 Milliarden Dollar standen Einzahlungen von 1,01 Milliarden Dollar gegenüber. Das ergibt einen Nettoabfluss von rund 3,64 Milliarden Dollar in den ersten knapp zehn Stunden. Die Börse setzt das ins Verhältnis zu Kundenvermögen von 171 Milliarden Dollar vor dem Hack, also gut 2 Prozent.

Datenanbieter sehen höhere Werte. DefiLlama weist je nach Auswertung zwischen 4,05 und 5,8 Milliarden Dollar aus. Die Abweichung dürfte an Zeitfenstern und Messmethoden liegen, denn DefiLlama erfasst nur bekannte Wallets.

Bei den Bitcoin-Beständen sank der Binance-Anteil binnen 24 Stunden um etwa 19.300 BTC. Coinbase und Kraken verzeichneten Zuflüsse. Binance erklärt, die Auszahlungen hätten sich nach einem anfänglichen Anstieg stabilisiert, die Einzahlungen seien substanziell geblieben.

Rekordhack, begrenzter Kursschaden

Nach Angaben des FBI steckt die nordkoreanische Gruppe TraderTraitor hinter dem Diebstahl von rund 6,3 Milliarden Dollar. Es wäre der größte Krypto-Diebstahl der Geschichte. Binance will bereits rund 95 Prozent der betroffenen Vermögenswerte aus eigenen Mitteln ersetzt haben. Betroffen war laut Co-CEO Richard Teng nur ein Hot Wallet.

Bitcoin selbst rutschte zeitweise auf den tiefsten Stand seit sechs Wochen und notiert nun bei rund 78.100 Dollar. Nach früheren Börsenangriffen lag der durchschnittliche Rückgang in den ersten 24 Stunden bei 8,3 Prozent. Diesmal fiel das Minus deutlich moderater aus. Marktbeobachter sehen das Problem bei einem Betreiber, nicht beim Protokoll. Das Vertrauen in zentrale Börsen steht dennoch auf dem Prüfstand.

Charttechnik: Kanal mit Unterstützung bei 76.300 Dollar

Im Chart bewegt sich Bitcoin in einem fallenden Kanal. Der Preis liegt unter den gleitenden Durchschnitten, der SuperTrend bei rund 80.000 Dollar bildet den Widerstand. Als Unterstützung gilt das jüngste Tief bei etwa 76.300 Dollar.

Hält diese Marke, könnte sich ein höheres Tief ausbilden. Fällt sie, rückt nach Lesart der Charttechnik die 50-Prozent-Retracement-Zone bei knapp 75.000 Dollar in den Blick. Ein Tagesschlusskurs über 80.000 Dollar würde das bärische Bild dagegen deutlich entschärfen.

Makroseitig kommt Gegenwind hinzu. Händler sehen eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung der US-Notenbank im Dezember, zudem belastet der Ausverkauf bei Technologieaktien. Am Dienstag stehen die US-Zwischenwahlen an. Bis dahin entscheidet der Proof-of-Reserves-Bericht auf Basis des Snapshots vom 31. Oktober über die Stimmung. Die vollständige kryptografische Prüfung könnte nach ersten Berichten bis Dienstag dauern.