Liebe Traderinnen und Trader,
drei Charts, eine gemeinsame Frage: Wie viel Substanz steckt hinter der Bewegung? Bitcoin bricht mit elf Prozent Tagesplus so kraftvoll aus, dass selbst erfahrene Trader aufhorchen. Rheinmetall bekommt einen Bundeswehr-Auftrag über eine halbe Milliarde Euro – und bewegt sich trotzdem keinen Millimeter. Und SAP hat seit Ende Juli einen der schärfsten Turnarounds im DAX hingelegt. Wer jetzt handelt, sollte die Levels kennen, nicht nur die Schlagzeilen.
Bitcoin: Der Short-Squeeze, der „QE Lite“ heißt
Bitcoin notiert aktuell bei rund 77.200 Dollar, ein Tagesplus von etwa elf Prozent, nachdem die Kryptowährung im Tagesverlauf bis auf rund 79.000 Dollar vorgestoßen ist – die 80.000er-Marke ist zum Greifen nah. Auslöser ist eine Ankündigung des US-Finanzministeriums, die Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen ab dem 9. September auf mindestens vier Milliarden Dollar pro Operation zu verdoppeln. Trader haben dem Manöver bereits den Spitznamen „QE Lite“ verpasst, weil es wie eine Lockerung der Anleihemärkte wirkt, ohne dass die Notenbank selbst tätig wird. Die Folge: Shortpositionen wurden reihenweise ausgeknockt, allein am Mittwoch summierten sich die Zwangsglattstellungen auf über 2,7 Milliarden Dollar, US-Bitcoin-ETFs verzeichneten im August Nettozuflüsse von rund 2,07 Milliarden Dollar. Strategy Inc. (MSTR), größter Unternehmenshalter mit 840.447 BTC zu einem Durchschnittspreis von 75.385 Dollar, gewann dadurch binnen zwei Tagen 7,8 Milliarden Dollar an Marktwert. Wer hier einsteigen will, sollte den RSI im Blick behalten: Mit einem Wert von über 83 gilt der Markt als deutlich überkauft, der nächste nennenswerte Widerstand liegt bei 82.000 bis 84.000 Dollar. Zusätzlichen regulatorischen Rückenwind könnte der CLARITY Act liefern, über den der US-Senat am 15. September abstimmen soll – bis dahin bleibt die Bewegung in erster Linie liquiditätsgetrieben, nicht fundamental.
Rheinmetall hängt fest – während ein kleinerer Rivale explodiert
Rheinmetall notiert aktuell bei rund 1.158 Euro und kommt damit trotz eines frisch bestätigten Bundeswehr-Auftrags über mehr als 500 Millionen Euro für 149 mobile Rettungsstationen nicht von der Stelle. Die Aktie scheitert bereits zum wiederholten Mal an der Widerstandszone zwischen 1.177 und 1.233,40 Euro – ein Warnsignal, denn positive Nachrichten allein reichen offenbar nicht mehr, um neue Käufer anzulocken. Fällt der Kurs unter 1.122 Euro, öffnet sich charttechnisch der Weg bis 946,60 Euro. Zur Einordnung, wie weit der Titel von seinen Höchstständen entfernt ist: Das 52-Wochen-Hoch liegt bei 2.007 Euro, erreicht im Oktober 2025. Auf Sicht von 30 Tagen hat die Aktie zwar 14 Prozent zugelegt, das Momentum wirkt aber erschöpft. Spannender ist derzeit ein Name aus der zweiten Reihe: Das schwedische Unternehmen MilDef Group sicherte sich Ende Juli einen Rahmenvertrag mit der Bundeswehr über potenziell 527 Millionen Euro, der erste Abruf belief sich auf 95,4 Millionen Euro. Während der große Rüstungswert also technisch ins Stocken gerät, rotiert Kapital offenbar in kleinere, wachstumsstärkere Nischenanbieter der Branche.
SAPs 44-Prozent-Sprint – Momentum oder Übertreibung?
Kaum ein DAX-Wert hat in den vergangenen Wochen so überzeugt wie SAP: Seit dem 52-Wochen-Tief von 127,52 Euro Ende Juli hat die Aktie um rund 44 Prozent zugelegt und steht aktuell bei knapp 188 Euro – ein Comeback, das das Index-Schwergewicht mit einer Marktkapitalisierung von 210,5 Milliarden Euro spürbar stützt. Auf Zwölfmonatssicht bleibt der Titel zwar noch mit rund 19 Prozent im Minus, doch die Dynamik der jüngsten Wochen ist bemerkenswert. Für DAX-Anleger ist das relevant, weil Analysten wie Helaba den Index bis Jahresende bei 27.000 Punkten sehen – ohne eine anhaltende SAP-Erholung dürfte dieses Ziel schwerer erreichbar sein. Die Frage für die kommende Woche: Hält die Aktie das Tempo, oder folgt nach dem starken Lauf eine technische Verschnaufpause?
Öl und Anleiherenditen bremsen den DAX
Während Bitcoin und SAP für Schlagzeilen sorgen, arbeitet im Hintergrund ein stiller Belastungsfaktor gegen den Gesamtmarkt: Brent-Rohöl bewegt sich deutlich über der 90-Dollar-Marke, WTI liegt in ähnlicher Region – beide Sorten steuern auf ein Wochenplus von rund fünf bis sechs Prozent zu. Grund sind US-Sanktionsdruck auf Iran und die Sorge vor Lieferstörungen im Nahen Osten übers Wochenende. Südkorea hat seine Kraftstoffpreisdeckel um vier weitere Wochen verlängert, während China durch den Griff auf strategische Reserven von über 1,2 Milliarden Barrel und reduzierte Importe versucht, den Preisdruck abzufedern. Für deutsche Anleger zählt vor allem der Nebeneffekt: Hohe Ölpreise in Kombination mit steigenden Anleiherenditen – die zehnjährige Bundesanleihe rentiert bei 3,25 Prozent, die dreißigjährige bei 3,76 Prozent – gelten als einer der Gründe, warum der DAX trotz Rückeroberung der 26.000-Punkte-Marke in dieser Woche insgesamt im Minus liegt.
CTS Eventim dreht, CrowdStrike wackelt vor dem großen Termin
Zwei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich der Markt auf Quartalszahlen reagiert. CTS Eventim legte um rund 5,7 Prozent zu auf zuletzt 59,35 Euro – gestützt von einem Umsatzplus von 13 Prozent auf 899 Millionen Euro, einem bereinigten EBITDA von 106 Millionen Euro und einem um 30 Prozent gestiegenen Überschuss von 56,7 Millionen Euro. Die Jahresprognose wurde bestätigt. CrowdStrike dagegen ist bereits im Vorfeld der eigenen Zahlen unter Druck: Die Aktie hat in den vergangenen fünf Handelstagen rund 16 Prozent verloren. Das US-Unternehmen legt seine Quartalszahlen am 26. August nach US-Börsenschluss vor – für deutsche Anleger also in der Nacht auf den 27. August –, erwartet werden 0,29 Dollar Gewinn je Aktie bei 1,44 Milliarden Dollar Umsatz. Trotz des Kursrutsches sehen Analysten im Konsens weiterhin „Strong Buy“ mit einem Kursziel von 211,92 Dollar – ein klassisches Setup für Anleger, die auf eine Erholung nach den Zahlen setzen wollen, aber auch das Risiko einer Enttäuschung einpreisen sollten.
Noch bedeutsamer für die Gesamtmarktstimmung dürfte allerdings ein anderer Termin werden: NVIDIA legt ebenfalls am 26. August seine Quartalszahlen vor – und kaum ein Einzelwert bewegt derzeit ganze Sektoren so stark wie der Chip-Konzern. Im Live-Webinar „NVIDIA vor den Zahlen: DIE ARCHITEKTEN HINTER DEM KI-BOOM!“ analysiert Chefanalyst Carsten Müller am 23.08.2026 um 18:00 Uhr, welche Zulieferer aus Netzwerktechnik, Fertigung und Chip-Design am stärksten vom KI-Infrastruktur-Boom rund um NVIDIA profitieren könnten. Konkret nennt er drei Aktien samt WKN, die er als größte Nutznießer dieser Entwicklung einordnet, und ordnet ein, wie sich die Kräfteverhältnisse in der globalen Chip-Industrie derzeit neu sortieren. Wer wie bei CrowdStrike auf ein Zahlen-Setup mit hohem Bewegungspotenzial spekulieren will, findet hier zusätzlichen Kontext für die Handelswoche. Jetzt zum kostenlosen Webinar anmelden
Marschroute
Bei Bitcoin entscheidet die Zone um 80.000 Dollar, ob der Ausbruch Bestand hat, oder ob der überkaufte RSI für einen Rücksetzer sorgt. Bei Rheinmetall bleibt 1.122 Euro die kritische Unterstützung – ein Bruch würde den Weg Richtung 946,60 Euro öffnen, während neue Käufer erst oberhalb von 1.233,40 Euro überzeugt werden dürften. SAP-Anleger sollten beobachten, ob der Schwung der vergangenen 30 Tage anhält oder in eine Konsolidierung mündet. Und mit Blick auf die Nacht zum 27. August lohnt sich ein Blick auf CrowdStrike, dessen Zahlen zeigen werden, ob der jüngste Kursrutsch übertrieben war. Wer über Nacht offene Positionen hält, sollte angesichts des Ölpreis-Risikos übers Wochenende ohnehin enger stoppen als sonst.
Gute Trades, Ihr Andreas Sommer
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