Von 76.400 auf über 81.000 Dollar in kaum 24 Stunden — Bitcoin hat sich am Freitag eine Rally geliefert, die vor allem Wetten gegen den Kurs teuer gemacht hat. Der Auslöser: eine Kettenreaktion aus Zwangsliquidationen, die eine an sich schwierige Woche für Kryptowerte in einen kräftigen Rebound verwandelte.

Short Squeeze trifft auf schwache Nachrichtenlage

Die Woche begann alles andere als vielversprechend. Die US-Notenbank erhöhte die Zinsen um 25 Basispunkte, die Bank of Japan zog nach und hob ihren Leitzins auf 1,25 Prozent an — das höchste Niveau seit 31 Jahren. Bitcoin reagierte zunächst erwartungsgemäß und rutschte auf 75.000 bis 76.000 Dollar ab.

Der befürchtete Ausverkauf nach der japanischen Zinsentscheidung blieb jedoch aus. Stattdessen kamen US-Spot-Bitcoin-ETFs mit Zuflüssen von rund 159 Millionen Dollar zurück ins Spiel und lieferten frische Nachfrage. Das reichte, um eine Kaskade in Gang zu setzen: Innerhalb einer Stunde wurden gehebelte Positionen im Wert von etwa 192 Millionen Dollar liquidiert, davon über 183 Millionen Dollar Shorts. Wer auf fallende Kurse gesetzt hatte, wurde regelrecht aus dem Markt gedrängt.

Parallel dazu bleibt die regulatorische Lage unübersichtlich. Der US-Senat scheiterte diese Woche daran, den Clarity Act voranzubringen — jenes Gesetz, das klären soll, welche Behörde künftig die Aufsicht über den Krypto-Handel übernimmt.

Die CFTC reichte im Gegenzug einen eigenen Vorschlag beim Office of Management and Budget ein, Details dazu sind noch nicht bekannt. Die SEC wiederum brachte eine Ausnahmeregelung auf den Weg, die geeigneten Plattformen für fünf Jahre erlaubt, tokenisierte Aktien zu handeln, ohne sich als Börse registrieren zu müssen.

Markt bleibt gespalten zwischen Optimismus und Vorsicht

Die Stimmung nach dem Rebound lässt sich am besten als vorsichtig optimistisch beschreiben. Auf der Plattform Myriad sehen Trader eine Wahrscheinlichkeit von 84 Prozent, dass Bitcoin die Marke von 84.000 Dollar erreicht, bevor er auf 55.000 Dollar fällt.

Höhere Ziele werden deutlich skeptischer bewertet: Bei Polymarket liegt die Wahrscheinlichkeit für 90.000 Dollar bis Jahresende bei 59 Prozent, für 100.000 Dollar nur noch bei 25 Prozent. Gleichzeitig hält sich auch das Abwärtsrisiko hartnäckig — 48 Prozent der Trader trauen dem Kurs einen Rückfall auf 70.000 Dollar vor Jahresende zu.

Der Rest des Kryptomarktes zog am Freitag kräftig mit: Ether legte über 6 Prozent zu, XRP knapp 9 Prozent, Solana sogar mehr als 10 Prozent.

Für die kommenden Wochen bleibt die Marke von 84.000 Dollar der nächste wichtige Prüfstein. Scheitert der Ausbruch dort, dürfte die Diskussion um einen erneuten Rücksetzer Richtung 70.000 Dollar schnell zurückkehren.