Selten liegen die Einschätzungen zu Bitcoin so weit auseinander wie an diesem Wochenende. Während Ökonom Peter Schiff die Kryptowährung nach dem gescheiterten Clarity Act im US-Senat für wertlos erklärt, sieht Bitwise-CIO Matt Hougan die Marke von 1,3 Millionen Dollar bis 2035 als „relativ einfach“ erreichbar. Der Bitcoin-Kurs selbst zeigt sich davon vorerst unbeeindruckt.

ETF-Zuflüsse trotzen der Regulierungspause

Der Kurs hielt sich am Wochenende über 80.000 Dollar, nachdem er im Wochenverlauf zeitweise bis auf rund 76.400 Dollar gefallen war. Stütze dafür waren US-Spot-Bitcoin-ETFs, die am Freitag netto mehr als 433 Millionen Dollar einsammelten – angeführt von Fidelitys FBTC mit über 310 Millionen Dollar, gefolgt von BlackRocks IBIT. Das gehandelte ETF-Volumen erreichte an diesem Tag 4,67 Milliarden Dollar, das verwaltete Vermögen der Produkte kletterte auf über 102 Milliarden Dollar.

Die Nachfrage blieb nicht auf Bitcoin beschränkt. Auch Ether-, Solana- und Zcash-ETFs verzeichneten spürbare Zuflüsse, was auf ein breiteres institutionelles Interesse an Krypto-Anlagen hindeutet.

Der Senat hatte den Clarity Act, der eine umfassendere Regulierung des US-Kryptomarkts bringen sollte, am 15. September nicht vorangebracht. Strategy-Chairman Michael Saylor sieht darin kein Hindernis für die Branche – aus seiner Sicht kann die Adoption auch über bestehende Kanäle wie Bank-Custody, Bitcoin-besicherte Kredite und Stablecoins weiter wachsen, ohne auf ein umfassendes Gesetz zu warten.

Die Debatte um den fairen Wert

Genau hier setzt der Streit an, den Investor Anthony Pompliano öffentlich mit Peter Schiff austrägt: Braucht Bitcoin überhaupt regulatorische Klarheit durch den Kongress, oder ist die Einordnung längst ausreichend geklärt? Schiffs Fazit fällt radikal aus, Pompliano hält dagegen.

Hougan wiederum argumentiert auf einer ganz anderen Zeitachse. Sein Kursziel von 1,3 Millionen Dollar bis 2035 leitet er aus der Annahme ab, Bitcoin könne rund ein Viertel des globalen Marktes für Wertaufbewahrungsmittel erobern – ein Segment, das bislang von Gold und Staatsanleihen dominiert wird.

Kurzfristig traut er der Kryptowährung noch in diesem Jahr eine Rückkehr über 100.000 Dollar zu. Als Treiber der kommenden Dekade sieht er weniger Unternehmenskäufer wie Strategy, sondern Pensionskassen, Stiftungsvermögen und Staatsfonds, die zusammen zwischen 100 und 200 Billionen Dollar verwalten.

Ob sich der Kurs in den kommenden Monaten der 100.000-Dollar-Marke annähert, gilt für Hougan selbst als erster Test seiner langfristigen These. Bis dahin bleibt der Markt gespalten zwischen regulatorischer Unsicherheit und frischem institutionellem Kapital.