Liebe Traderinnen und Trader,

2,5 Milliarden Dollar. So groß ist der Bruttonominalwert eines einzelnen Optionsblocks, der am Freitag über Deribit gehandelt wurde – 20.000 Calls gekauft bei 70.000 Dollar, 20.000 Calls verkauft bei 72.000 Dollar, Verfall am 31. Juli. Wer diese Wette eingegangen ist, glaubt an eine Fed-getriebene Bitcoin-Rally – und zwar exakt zwei Tage nach der Zinsentscheidung am 29. Juli. Das ist kein diffuses Marktgefühl, das ist eine präzise terminierte Positionierung mit klarem Kurs auf einen Notenbank-Termin. Während der Ölpreis wegen der Iran-Spannungen die Schlagzeilen besetzt, liefert diese Optionswette das konkretere Handelssignal der Woche.

Bitcoin: Große Wallets akkumulieren, während der Optionsmarkt auf 72.000 Dollar spekuliert

Bitcoin notiert aktuell bei 65.501 Dollar, ein Tagesplus von 1,09 Prozent und damit deutlich über dem 52-Wochen-Tief von 57.945 Dollar, das erst am 1. Juli markiert wurde. Auf Monatssicht steht ein Plus von 3,13 Prozent, auf Jahressicht allerdings weiterhin ein Minus von 44,44 Prozent – die Erholung ist real, aber sie beginnt von sehr tiefem Niveau aus.

Der eingangs beschriebene Optionsblock ist ambitioniert: Prognosemärkte taxieren die Wahrscheinlichkeit für einen Bitcoin-Preis von 70.000 Dollar im Juli auf lediglich 14,5 Prozent, für 72.500 Dollar sogar nur auf 4,1 Prozent. Wer hier long geht, wettet gegen den Konsens. Interessant wird es im Zusammenspiel mit den On-Chain-Daten: CryptoQuant registriert, dass Großinvestoren zuletzt 66.700 BTC akkumuliert haben, während mittelgroße Wallets mit 100 bis 1.000 BTC so stark verkauften wie seit Monaten nicht. Coin Bureau liest dieses Auseinanderlaufen als Akkumulationssignal – kleinere Hände verkaufen an größere, ein Muster, das in früheren Bodenbildungsphasen wiederkehrte.

Dass Leverage in diesem Umfeld gefährlich bleibt, zeigte ein Trader auf Hyperliquid, der eine 122-Millionen-Dollar-Position mit 40-fachem Hebel auflöste – Verkauf von 1.897,74 BTC bei rund 64.281 Dollar –, um einer Liquidation bei 61.605 Dollar zuvorzukommen. Rückenwind liefern dagegen die US-Spot-Bitcoin-ETFs: Zum zweiten Mal in Folge flossen ihnen Nettomittel zu, zuletzt 75,7 Millionen Dollar nach 197,4 Millionen Dollar in der Vorwoche. Das beendet fast zwei Monate mit Abflüssen, unterbrochen nur durch einen einzelnen Abzug von 424,7 Millionen Dollar während der akuten US-Iran-Spannungen. Für die laufende Woche stehen gleich mehrere Katalysatoren an: die chinesische Zinsentscheidung, Tech-Earnings von Tesla, Alphabet und Intel sowie Optionsverfälle zwischen 1,2 und 2,3 Milliarden Dollar bei Bitcoin und Ethereum. Wer die 2,5-Milliarden-Dollar-Wette nachvollziehen will, sollte den 29. Juli rot im Kalender markieren.

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Während institutionelle Wallets Bitcoin akkumulieren und der Optionsmarkt auf eine Rally über 70.000 Dollar spekuliert, richten Marktbeobachter den Blick zunehmend auch auf kleinere Kryptowährungen mit überproportionalem Aufholpotenzial. Ein kostenloser Report nennt drei Coins, die Analysten für das laufende Rally-Umfeld besonders im Blick haben. Kostenlosen Krypto-Report jetzt herunterladen

Uber zahlt 13 Milliarden Euro für Delivery Hero – der Markt zuckt nicht

Uber bietet den Aktionären von Delivery Hero 41,50 Euro je Aktie, macht damit den Deal auf rund 13 Milliarden Euro schwer. Großaktionär Prosus, mit 16,8 Prozent an Bord, hat bereits zugestimmt. Parallel verkauft Delivery Hero seine Landesgesellschaften in 14 Märkten für 1,4 Milliarden Euro an den Finanzinvestor SSW Partners – ein Signal, dass der Konzern sich vor der Übernahme selbst verschlankt.

Der Zeitplan ist lang: Der Abschluss ist erst für die zweite Hälfte 2027 vorgesehen, die Kartellfreigabe steht aus. Entsprechend gelassen reagierte die US-Notierung von Delivery Hero (DELHY): 4,39 Dollar am 17. Juli, ein Plus von 1,62 Prozent. Uber dagegen geriet unter Druck – 72,46 Dollar am 17. Juli, minus 2,13 Prozent –, und auch am Montag gab die Aktie im Nachmittagshandel weiter nach. Das Analysehaus The Market bringt die Lage auf den Punkt: Die Genehmigung wird sich hinziehen, und Anleger sollten das Verschwinden von Delivery Hero vom Kurszettel eher begrüßen als fürchten. Für Trader heißt das: kurzfristige Kursfantasie bei Delivery Hero bleibt begrenzt, während Uber erst noch zeigen muss, wie es die Finanzierungslast verdaut.

Alphabet: Vor den Zahlen gefragt, aber ein Cashflow-Loch droht ab 2027

Die Alphabet-Aktie schloss bei 313,05 Euro (rund 357,37 Dollar auf US-Notiz) – ein Tagesplus von 3,11 Prozent und nur noch etwa 10 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 350,75 Euro vom 18. Mai. Auf Jahressicht steht ein Plus von 92,43 Prozent, seit Jahresbeginn 17,53 Prozent, die Marktkapitalisierung liegt bei 3,70 Billionen Euro. Der Grund für die Rally vor der Rally: Am Mittwoch, 22. Juli, legt Alphabet nach US-Börsenschluss die Zahlen zum zweiten Quartal vor. BMO Capital hob das Kursziel bereits am 17. Juli von 435 auf 455 Dollar an und bestätigte „Outperform“ – trotz eines gemeldeten Verzögerungsrisikos bei Gemini 3.5.

Frischen Stoff liefert ein Bericht über einen neuen Server-Chip mit dem Codenamen „Frozen v2″, der Gemini-Modellelemente direkt in die Hardware integrieren soll. Der Hintergrund: Google Cloud musste zuletzt Kundenaufträge ablehnen, weil die KI-Rechenkapazität nicht mitkam – der Chip ist der Versuch, diesen Engpass zu lösen. Gegenläufig warnt Citi vor einem Milliarden-Cashflow-Loch bei Alphabet, Meta und Amazon ab 2027. Für Trader, die vor den Zahlen positioniert sind, ist das der Punkt, den man im Hinterkopf behalten sollte: Hohe Erwartungen bergen hohe Enttäuschungsrisiken, und die Aktie hat vor dem Bericht bereits viel Vorschusslorbeeren eingepreist.

XRP: Volumen springt, doch die Netzwerkaktivität fällt auf Mehrmonatstief

XRP notiert bei 1,09 bis 1,10 Dollar, ein Minus von 0,63 Prozent – doch das 24-Stunden-Handelsvolumen sprang um rund 26 bis 27 Prozent auf über 800 Millionen Dollar. Begleitet wurde dieser Volumenschub allerdings von Nettoabflüssen aus XRP-ETFs in Höhe von 7,5 Millionen Dollar, ein Widerspruch, der zeigt: Mehr Handel bedeutet hier nicht automatisch mehr Vertrauen. Der RSI steht bei neutralen 47, aber die Zahl aktiver Adressen fiel auf ein Mehrmonatstief von 20.000, und der Chaikin Money Flow liegt mit -0,13 im negativen Bereich.

Charttechnisch bleibt die Marke von einem Dollar der kritische Support in einem langfristigen Abwärtstrendkanal. Kurzfristig markieren 1,08 Dollar und der Fibonacci-Support bei 1,05 Dollar die nächsten Haltezonen, während Widerstände bei 1,10 bis 1,12 Dollar, dann bei 1,16 Dollar und darüber bei 1,64 sowie 2,03 Dollar liegen. Ein möglicher Stimmungsumschwung zeichnet sich über die Governance ab: Am 29. Juli kommt das kleinere XRPL-Upgrade „FixCleanup320″, in rund zwei Wochen wird über ein größeres Paket abgestimmt – Batch-Transaktionen, vertrauliche Transfers, gesponserte Gebühren, Berechtigungsdelegation. Fällt diese Abstimmung positiv aus, könnte sie das derzeit schwache Sentiment drehen.

Savannah Resources: Lithium-Spekulation mit EU-Förderzusage im Rücken

Ein Blick nach Portugal zeigt, wie strukturelle Rohstoffpolitik und Einzelwert-Spekulation zusammenfinden. Savannah Resources, an der AIM notiert und mit 162,3 Millionen Pfund bewertet, treibt sein Barroso-Lithiumprojekt voran – nach eigenen Angaben Europas größtes Spodumen-Vorkommen. Das Projekt trägt den „Strategic Project“-Status nach dem EU Critical Raw Materials Act sowie eine im Januar genehmigte portugiesische Förderzusage von bis zu 110 Millionen Euro. Geplant sind 183.000 Tonnen Spodumenkonzentrat jährlich, genug für etwa 500.000 Fahrzeugbatterien – ein Beitrag zum EU-Ziel von mindestens 10 Prozent heimischer Lithiumproduktion bis 2030.

Die Einschätzungen gehen auseinander: Ein Analyst vergibt „Buy“ mit Kursziel 13,00 Pfund, während das KI-gestützte Rating „Spark AI“ wegen schwacher Finanzkennzahlen – trotz niedriger Verschuldung – nur „Neutral“ attestiert. Diese Diskrepanz unterstreicht den spekulativen Charakter des Titels. Der Rahmen dafür liefert die Rohstofflage: Laut IEA-Daten haben sich Lithiumpreise binnen eines Jahres verdoppelt, während Explorations- und Batteriemetall-Investitionen 2025 kräftig zurückgingen. Diese Knappheit könnte strategische Projekte wie Barroso mittelfristig werthaltiger machen – die kurzfristige Finanzierungsfrage des Unternehmens löst sie damit aber noch nicht.

Marschroute

  • Bitcoin: 29. Juli (Fed-Entscheidung) und 31. Juli (Optionsverfall) sind die Schlüsseltermine für die 2,5-Milliarden-Dollar-Wette auf 70.000/72.000 Dollar. On-Chain-Akkumulation durch Großinvestoren stützt, hoher Leverage bleibt Risikofaktor.
  • Uber/Delivery Hero: Deal-Abschluss erst zweite Hälfte 2027, Kartellfreigabe offen. Delivery Hero bewegt sich kaum, Uber trägt die Finanzierungslast – kurzfristig kein Trading-Setup, aber ein Langfrist-Beobachtungsposten.
  • Alphabet: Zahlen am Mittwoch, 22. Juli, nach US-Börsenschluss. BMO-Kursziel 455 Dollar steht gegen Citis Cashflow-Warnung für 2027 – hohe Erwartungen, entsprechend scharfe Reaktion möglich.
  • XRP: Ein-Dollar-Marke ist der kritische Support, 1,05 Dollar der nächste Fibonacci-Halt. Governance-Abstimmung in zwei Wochen als möglicher Sentiment-Trigger.
  • Savannah Resources: Spekulativ, aber mit EU-Rückenwind (Förderzusage 110 Mio. Euro) und verdoppeltem Lithiumpreis im Rücken – nur für risikobereite Depots.

Vier Termine strukturieren die Woche: die Fed-Entscheidung am 29. Juli, Alphabets Zahlen am Mittwochabend, die XRPL-Abstimmung in den kommenden zwei Wochen und der weitere Verlauf des Uber/Delivery-Hero-Kartellverfahrens. Wer handelt, orientiert sich an diesem Fahrplan – nicht an der nächsten Nahost-Schlagzeile.

Gute Trades, Ihr Andreas Sommer