Optionshändler wetten auf einen historischen Kurssprung bei Bloom Energy. Am 28. Juli legt der Brennstoffzellen-Hersteller seine Quartalszahlen vor. Die implizite Volatilität erreicht mit 186 Prozent einen Rekordwert für die Aktie.

Nach einem Kurssprung von 15,05 Prozent zum Wochenstart notiert Bloom Energy bei 198,80 Euro. Der Titel bleibt damit rund 35 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 308,50 Euro, das erst Ende Juni erreicht wurde. Der jüngste 30-Tage-Rückgang von fast 34 Prozent zeigt: Die Nervosität sitzt tief.

Optionsmarkt erwartet Extremausschlag

Das TipRanks Options Tool beziffert die erwartete Kursbewegung nach den Zahlen auf 32,4 Prozent – in beide Richtungen möglich. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Ausschlag nach Quartalszahlen lag in den vergangenen vier Quartalen bei 12,04 Prozent. Bloom Energy hat die Erwartungen der Analysten in sechs aufeinanderfolgenden Quartalen übertroffen.

Die Positionierung im Optionsmarkt ist bereits massiv. Händler kauften bullische Optionen im Gesamtwert von über 44 Millionen Dollar. Der größte Einzeltrade: ein Call-Kauf mit 4.000 Kontrakten zum Basispreis von 310 Dollar, Laufzeit bis Januar 2027, Volumen 18,34 Millionen Dollar.

Wachstum trifft auf handfeste Risiken

Analysten rechnen mit einer Umsatzverdopplung auf 828 Millionen Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll sich vervierfachen auf 0,41 Dollar. Neue Deals mit Brookfield, Oaktree und Nebius untermauern die wachsende kommerzielle Nachfrage nach der Brennstoffzellentechnologie.

Dem stehen handfeste Belastungsfaktoren gegenüber. Die Aufsichtsbehörde von New Mexico hat zum zweiten Mal eine Gaspipeline abgelehnt, die für Oracles Rechenzentrumsprojekt „Jupiter“ zentral ist. Die 17 Meilen lange Leitung, betrieben von Energy Transfer, sollte Gas für Bloom-Brennstoffzellen mit bis zu 2,5 Gigawatt Kapazität liefern.

Ohne die Pipeline stehen Zeitplan und Umfang des Projekts infrage. Die daran geknüpften Umsatzannahmen könnten nach unten korrigiert werden müssen. Hinzu kommt ein Indexwechsel: Der Sprung vom Russell 2000 in den Russell 1000 zwingt indexnahe Fonds zur Anpassung ihrer Positionen – das erzeugt zusätzlichen Verkaufsdruck.

Analysten uneins über den fairen Wert

TD-Cowen-Analyst Jeff Osborne hält die Aktie beim aktuellen Kurs für fair bewertet. Er bestätigt sein Hold-Rating mit Kursziel 235 Dollar und verweist auf Ausführungsrisiken. Zwei Großprojekte hängen dem Zeitplan hinterher: Oracles 2,45-Gigawatt-Bauvorhaben wartet noch immer auf eine Luftgenehmigung. Der Zeitplan für AEPs Projekt nahe Cheyenne, Wyoming, hat sich innerhalb von weniger als 90 Tagen um zwei Jahre nach hinten verschoben.

Optimistischere Stimmen verweisen auf die Größe der bereits vertraglich gesicherten Nachfrage. Das durchschnittliche Kursziel unter den von TipRanks erfassten Analysten liegt bei 285,45 Dollar – ein Aufwärtspotenzial von 32,8 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau.

Worauf es beim Zahlentermin ankommt

CEO KR Sridhar dürfte auf dem Earnings Call zur New-Mexico-Entscheidung Stellung nehmen. Investoren erwarten zudem ein Update zu den Brookfield- und Oaktree-finanzierten Projekten. Die zentrale Frage: Wie will das Management den wachsenden Auftragsbestand in nachhaltige Profitabilität übersetzen?

Auch die Lieferkette dürfte Thema werden. Scandium ist ein kritischer Bestandteil der Festoxid-Brennstoffzellen von Bloom. Neue chinesische Exportlizenzpflichten nähren Zweifel, ob sich die Produktion wie geplant skalieren lässt.

Mit einer möglichen Kursbewegung, die Milliarden an Marktwert schaffen oder vernichten kann, zählt dieses Quartal zu den folgenreichsten in der Firmengeschichte. Wie das Management die Pipeline-Entscheidung aus New Mexico und die Scandium-Frage adressiert, dürfte die Richtung der Aktie in den kommenden Wochen maßgeblich bestimmen.