Zwei Großprojekte hängen fest, ein Rohstoffstreit schwelt weiter, und dann kommt auch noch ein sektorweiter Ausverkauf dazu. Bloom Energy erlebt gerade, wie schnell eine gefeierte KI-Wette ins Wanken geraten kann. Der Kurs brach am Freitag um 14,33 Prozent ein, auf Wochensicht steht ein Minus von 12,69 Prozent.
Zwei Vorzeigeprojekte kommen nicht voran
Die Investmentbank TD Cowen hat in einer aktuellen Studie zwei zentrale Bloom-Projekte unter die Lupe genommen. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus.
Der geplante Ausbau für Oracle mit 2,45 Gigawatt Leistung wartet noch immer auf eine Luftgenehmigung. Die Gaspipeline, die das Kraftwerk versorgen soll, steckt zudem in einem Streit mit US-Regulierungsbehörden fest. Beim zweiten Projekt, einem Vorhaben mit AEP nahe Cheyenne in Wyoming, sieht es nicht besser aus: Der Zeitplan hat sich innerhalb von weniger als 90 Tagen um zwei Jahre nach hinten verschoben. Der ursprüngliche Entwickler des Wyoming-Standorts soll den Angaben zufolge bereits im Juni ausgestiegen sein.
TD-Cowen-Analyst Jeff Osborne bewertet die Aktie weiter mit „Hold“ und einem Kursziel von 235 US-Dollar. Er hält das Papier auf aktuellem Niveau für fair bewertet. Die Verzögerungen könnten seine Prognosen für 2027 und 2028 belasten, so Osborne — für das laufende Jahr sieht er sich noch im Einklang mit dem Marktkonsens. Einen Lichtblick nennt er trotzdem: Eine FERC-Entscheidung vom Juni verpflichtet Netzbetreiber, dezentrale Stromerzeugung wie Brennstoffzellen stärker einzubinden. Das könnte Bloom neue Gespräche mit Rechenzentrumsbetreibern eröffnen.
Der Scandium-Streit bleibt ein Unsicherheitsfaktor
Die Projektverzögerungen treffen einen Titel, der ohnehin schon unter Druck steht. Seit Anfang Juli belasten Vorwürfe von Leerverkäufern die Aktie, die Bloom Energys Angaben zur Lieferkette infrage stellen.
Im Zentrum des Streits steht Scandium, ein Material, das als Stabilisator in der keramischen Elektrolytschicht jeder Bloom-Brennstoffzelle steckt. China verlangt Exportlizenzen für den Rohstoff. Ob Peking damit effektiv Einfluss auf Blooms Fertigungskapazitäten nehmen kann, ist mittlerweile zum zentralen Streitpunkt zwischen Optimisten und Skeptikern geworden.
Nicht alle Analysten teilen die Vorsicht. UBS-Analyst Manav Gupta hält die Sorgen um die Rohstoffbeschaffung für übertrieben. Er verweist darauf, dass Bloom Energy ein eigenes Verfahren entwickelt hat, um sich den benötigten Scandium-Bedarf zu sichern. JPMorgan-Analyst Mark Strouse hob sein Kursziel in diesem Monat sogar deutlich an, von 267 auf 346 US-Dollar, bei weiterhin „Overweight“-Einstufung. Diese Anhebung befeuerte kurzzeitig eine Rally — bevor der Ausverkauf am Freitag die Gewinne wieder auslöschte.
Ausverkauf erfasst die ganze Brennstoffzellen-Branche
Bloom Energy war am Freitag nicht allein betroffen. FuelCell Energy verlor 8,8 Prozent, Plug Power gab um 4,1 Prozent nach. Der breite S&P 500 legte am selben Tag um 0,05 Prozent zu — der Ausverkauf blieb damit klar auf den Sektor begrenzt.
Marktbeobachter sahen keinen eindeutigen, unternehmensspezifischen Auslöser für die Bewegung. Sie werten sie eher als Gewinnmitnahmen bei einem überlaufenen KI-Strom-Trade, der nach starken Kursgewinnen der vergangenen Monate nun teilweise abgewickelt wird. Das Handelsvolumen lag rund 30 Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen 65 Handelstage — ein Zeichen dafür, wie nervös die Stimmung rund um die Aktie inzwischen geworden ist.
Die Prognose steht auf dem Prüfstand
Die Projektverzögerungen setzen Bloom Energys ohnehin ambitionierte Wachstumsziele zusätzlich unter Druck. Der vorläufige Konsens für das zweite Quartal liegt bei 766,9 Millionen US-Dollar Umsatz. Um die Jahresprognose zu erreichen, müsste das Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte pro Quartal rund 1,04 Milliarden US-Dollar umsetzen.
TD Cowen rechnet für das zweite Quartal mit 837 Millionen US-Dollar Umsatz, leicht über dem Street-Konsens von 833 Millionen. Beim bereinigten EBITDA erwartet die Bank jedoch nur 127 Millionen US-Dollar — rund 15 Prozent unter der Konsensschätzung von 149 Millionen. Für das Gesamtjahr sieht TD Cowen einen Umsatz von etwa 3,75 Milliarden US-Dollar und ein bereinigtes EBITDA von 670 Millionen, beides in etwa im Einklang mit dem Markt.
Bloom Energy meldet die Zahlen zum zweiten Quartal am Dienstag, den 28. Juli, nach Börsenschluss. Investoren dürften dabei genau auf jede Aussage zu den Oracle- und AEP-Projekten achten — ebenso wie auf die Umsatzprognose für die zweite Jahreshälfte, von der die gesamte Jahresguidance abhängt.
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