Ein Kursziel-Sprung von 267 auf 346 Dollar, ein Kurssprung von 12,3 Prozent an einem einzigen Vormittag – und trotzdem notiert Bloom Energy nur eine Woche später wieder deutlich tiefer. Die Aktie des Brennstoffzellen-Herstellers zeigt gerade, wie nervös der Markt bei einem der prominentesten Wetten auf KI-Stromnachfrage geworden ist. Am 28. Juli entscheidet sich, ob die Bullen recht behalten.

JPMorgan traut Bloom Energy einen massiven Wachstumsschub zu

Am 21. Juli hob JPMorgan sein Kursziel für Bloom Energy kräftig an und bestätigte die Einstufung „Overweight“. Die Bank rechnet bis zum Geschäftsjahr 2030 mit Produktauslieferungen von 4,1 Gigawatt, gestützt auf bestehende Kundenverträge und eine erweiterte Partnerschaft mit Brookfield.

Besonders wichtig: JPMorgan entkräftete Sorgen um die Scandium-Versorgung des Unternehmens. Das verfügbare Material reiche demnach für eine jährliche Fertigungskapazität von bis zu 25 Gigawatt. Damit fällt einer der Belastungsfaktoren weg, der die Aktie seit den Attacken von Leerverkäufern belastet hatte.

Die Analysten verweisen zudem auf ein strukturelles Argument: Sollten Rechenzentren vor den US-Wahlen Probleme bekommen, sich ans Stromnetz anzuschließen, profitieren netzunabhängige Anbieter wie Bloom Energy direkt davon.

Extreme Ausschläge prägen den Kursverlauf

Die Rally kam nach einer turbulenten Phase. Bloom Energy war zuvor in einen Bärenmarkt gerutscht und hatte vom Rekordhoch aus rund ein Drittel an Wert verloren. Aktuell notiert die Aktie bei 193,20 Euro – 37 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 308,50 Euro, aber weiterhin 32 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 146,31 Euro.

Diese Spanne zeigt das Muster des Jahres: ein Titel, der binnen Monaten sowohl Euphorie als auch Panik auslöst. Selbst für Bloom-Verhältnisse sind die jüngsten Bewegungen ungewöhnlich. Die Aktie verzeichnete im vergangenen Jahr bereits 96 Tagesbewegungen von mehr als 5 Prozent – Sprünge in der aktuellen Größenordnung bleiben aber selten und signalisieren, dass der Markt seine Einschätzung des Unternehmens gerade neu justiert.

Der Zahlen-Termin wird zur Nagelprobe

Am 28. Juli nach US-Börsenschluss veröffentlicht Bloom Energy die Zahlen zum zweiten Quartal 2026. Um 14 Uhr Pazifischer Zeit folgt die Telefonkonferenz mit dem Management.

Die Erwartungen liegen hoch, weil das erste Quartal für positive Überraschungen sorgte. Das bereinigte Ergebnis je Aktie kam bei 0,44 Dollar herein, erwartet waren lediglich 0,12 Dollar. Das bereinigte EBITDA sprang auf 143 Millionen Dollar, das Management hob die EPS-Prognose für 2026 auf eine Spanne von 1,85 bis 2,25 Dollar an – deutlich über den zuvor von Analysten erwarteten 1,34 Dollar.

Einige Marktbeobachter warnen jedoch, dass die Bewertung den Fundamentaldaten vorausgeeilt sein könnte. Die Aktie handelt derzeit mit dem rund 140-Fachen des unteren Endes der EPS-Prognose für das kommende Jahr. Spielraum für Enttäuschungen bleibt da kaum.

Leerverkäufer erhöhen den Druck

Parallel zur Analysten-Euphorie sorgen zwei Short-Seller für Gegenwind. Hunterbrook wirft Bloom Energy eine zu starke Abhängigkeit von chinesischen Scandium-Lieferungen vor, Crossroads Capital hat inzwischen eine zweite Short-Position aufgebaut. Bloom Energy hat beide Vorwürfe zurückgewiesen.

Die Telefonkonferenz am 28. Juli gibt dem Management erstmals die Gelegenheit, mit geprüften Finanzdaten offiziell auf diese Anschuldigungen zu antworten. Mit einem Kursrückgang von rund 32 Prozent in den vergangenen 30 Handelstagen bei gleichzeitig 157 Prozent Plus seit Jahresbeginn bleibt Bloom Energy ein Papier, bei dem optimistische Analystensicht auf KI-Stromnachfrage und Skepsis der Leerverkäufer direkt aufeinanderprallen.