Der bestätigte Jupiter-Vertrag stützt die Erzählung von Strom für Rechenzentren direkt am Standort. Die Gasleitung für das Projekt verzögert sich bis 2027. Mit Andreas Sommer sprechen wir darüber, was das für Blooms geplanten Fertigungsausbau bedeutet.

Bloom Energy (US0937121079) — Schlusskurse 07.04.2026 bis 01.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 01.10.2026.
Trading-Treff Redaktion: Ihr faires Niveau liegt nahe am Analysten-Konsens. Welche Substanz trägt diese Bewertung bei Bloom Energy?
Andreas Sommer: Der Bedarf ist handfest. Rechenzentren suchen Strom, der verfügbar ist, bevor ein Netzanschluss bereitsteht, und Bloom kann dafür Anlagen liefern. Im zweiten Quartal 2026 erreichte die GAAP-Bruttomarge 33,4 Prozent; das spricht für Fortschritte im Geschäft. Meine Zurückhaltung betrifft den Schritt danach: Der Markt rechnet damit, dass aus großen Verträgen zügig Anlagen werden, die sich vor Ort auch versorgen lassen.
Trading-Treff Redaktion: Sie sagen, die Anlagen müssten sich „vor Ort auch versorgen lassen“. Oracle hat Jupiter bestätigt, die Gasleitung verzögert sich bis 2027. Ist diese Lücke nicht gerade Blooms Chance?
Andreas Sommer: Dass die Verzögerung Bloom automatisch hilft, müssten Sie mir erst belegen. Blooms Anlagen brauchen selbst Brennstoff. Ob Jupiter ihn rechtzeitig auf anderem Weg erhält, geht aus den vorliegenden Angaben nicht hervor. Der nächste Auslöser für einen anderen Blick auf Bloom wäre deshalb ein belastbarer Plan für Versorgung und Inbetriebnahme bei Jupiter – nicht noch eine Vertragsbestätigung.
Trading-Treff Redaktion: Sie legen viel Gewicht auf Jupiter. Wenn sich nur dieses Projekt verschiebt, warum sollte das Ihr Urteil über Bloom insgesamt prägen?
Andreas Sommer: Ein Vertrag erzeugt keinen Strom. Ein Aufschub widerlegt Bloom noch nicht. Häufen sich solche Verzögerungen, glaube ich der großen Erzählung weniger.
Trading-Treff Redaktion: Was müsste der Ausbau der Fabrikfläche in Fremont leisten, damit Sie Ihren Zweifel am Tempo zurücknehmen?
Andreas Sommer: Die zusätzliche Fläche muss Bloom tatsächlich lieferfähiger machen. Mein Prüfpunkt ist die für Ende 2026 geplante Produktionsrate von 2 Gigawatt pro Jahr. Bleibt der Nachweis dieser Rate aus, muss ich meine Annahme streichen, dass Bloom große Aufträge zügig bedienen kann. Mehr Hallenfläche ist fürs Erste nur mehr Hallenfläche.
Trading-Treff Redaktion: Ihr faires Niveau liegt praktisch beim Analysten-Konsens, und Blooms Umsatzprognose umfasst dessen Erwartung. Wo liegt dann Ihr eigenständiges Urteil?
Andreas Sommer: Bei der Größenordnung der Bewertung widerspreche ich dem Konsens kaum; mein faires Niveau liegt bei rund 291 Euro. Ich gewichte die möglichen Verzögerungen stärker. Der Analysten-Konsens liegt beim Strombedarf richtig, unterschätzt aus meiner Sicht aber die Arbeit zwischen Auftrag und laufender Anlage. Der Steuerkredit verbessert die Rechnung für Kunden. Gas beschafft er ihnen nicht.
Trading-Treff Redaktion: Sie knüpfen Ihr Urteil an die Produktionsrate von 2 Gigawatt pro Jahr Ende 2026. Wie lautet damit Ihr Gesamturteil über Bloom Energy?
Andreas Sommer: Bloom hat ein gutes Geschäft und einen echten Bedarf auf seiner Seite. Für die nächsten zwei bis vier Quartale bleibe ich dennoch skeptisch: Die Bewertung setzt eine glatte Umsetzung voraus, während bei Jupiter schon die Versorgung Fragen aufwirft. Die Fertigungsrate wird zeigen, ob Bloom beim Liefern mit seinen Verträgen Schritt hält.
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