Zwei Großprojekte geraten ins Stocken, ein kritischer Rohstoff wird knapp, und die Bewertung gilt als ambitioniert. Bei Bloom Energy summieren sich derzeit gleich mehrere Risiken. Die Aktie des Brennstoffzellen-Herstellers rutschte am Montag um 6,20 Prozent auf 172,40 Euro ab und liegt damit binnen sieben Handelstagen fast 19 Prozent im Minus.

TD-Cowen-Analyst Jeff Osborne bestätigte sein „Hold“-Rating und verwies auf regulatorische Hürden sowie Unsicherheiten in der Lieferkette. Beide Faktoren könnten die langfristigen Finanzziele des Unternehmens gefährden.

Zwei Großaufträge verzögern sich

Im Zentrum der Sorgen steht Oracles „Project Jupiter“. Das Vorhaben sollte bis zu 2,5 Gigawatt an Bloom-Brennstoffzellen verbauen. Regulierungsbehörden in New Mexico lehnten nun Anträge für eine Erdgaspipeline ab, die für die Stromversorgung des Standorts nötig gewesen wäre.

Diese Entscheidung gefährdet Oracles Zeitplan, der die Energieinfrastruktur bis Mitte August fertigstellen sollte. Der Baubeginn könnte sich dadurch ins nächste Jahr verschieben.

Auch bei American Electric Power hakt es. Der Rechenzentrums-Campus in Wyoming verschob seinen Zeitplan innerhalb von weniger als 90 Tagen um rund zwei Jahre nach hinten. Der Projektentwickler des Standorts soll das Vorhaben im Juni verlassen haben – ein Umstand, der zusätzliche Unsicherheit über die Realisierung dieser großvolumigen Aufträge schafft.

Scandium als Nadelöhr

Neben den Projektverzögerungen rückt die Lieferkette in den Fokus. Bloom Energy setzt in seinen Festoxid-Brennstoffzellen Scandium als Stabilisator ein. China hat die Exportlizenzen für den seltenen Rohstoff verschärft.

Investoren fragen sich nun, ob diese Kontrollen die Fertigungskapazitäten des Unternehmens einschränken könnten. Eine Antwort darauf steht bislang aus.

Zur Einordnung der aktuellen Kursschwäche: Trotz eines Plus von fast 130 Prozent seit Jahresbeginn befindet sich die Aktie in einer deutlichen Korrektur. Vom 52-Wochen-Hoch bei 308,50 Euro, erreicht am 25. Juni, hat das Papier mittlerweile mehr als 44 Prozent verloren.

Quartalszahlen als nächster Prüfstein

Am 28. Juli nach Handelsschluss legt Bloom Energy seine Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor. Die Wall Street erwartet einen Umsatz von rund 828 Millionen Dollar – ein möglicher dreistelliger Zuwachs gegenüber dem Vorjahr. Beim bereinigten Gewinn je Aktie rechnen Analysten mit 0,41 Dollar, nach 0,10 Dollar im Vorjahreszeitraum.

Das Management dürfte sich im anschließenden Analystencall zu den Projektverzögerungen und zur Scandium-Lieferkette äußern müssen. Konkrete Zusagen zu neuen Zeitplänen für Oracle oder AEP stehen bislang aus.

Der RSI von 34,9 signalisiert eine Aktie nahe der überverkauften Zone. Die Zahlen am 28. Juli dürften damit zum entscheidenden Signal werden – für eine Stabilisierung oder eine Fortsetzung des Abwärtstrends.