Gleich mehrere US-Kanzleien haben in den vergangenen Tagen Sammelklagen gegen Bloom Energy eingereicht oder an laufende Verfahren erinnert. Im Zentrum steht der Vorwurf, der Brennstoffzellen-Hersteller habe seine Abhängigkeit von chinesischem Scandium gegenüber Anlegern verschwiegen. Kanzleien wie Bragar Eagel & Squire, Kaplan Fox & Kilsheimer und Robbins Geller Rudman & Dowd haben Investoren aufgefordert, sich bis zum 28. September als Lead Plaintiff zu melden.

Vorwurf: Verschwiegene China-Abhängigkeit

Auslöser der juristischen Aufarbeitung ist ein Bericht des Investmentrecherche-Dienstes Hunterbrook vom 8. Juli mit dem Titel „Bloom’s Big Lie“. Darin wird Bloom Energy vorgeworfen, seine Lieferkette für das seltene Metall Scandium, das in den keramischen Brennstoffzellen des Unternehmens verwendet wird, nicht transparent offengelegt zu haben. Die betroffene Sammelklage, bekannt als Nevins v. Bloom Energy, wurde beim Bundesgericht im Nördlichen Bezirk von Kalifornien eingereicht. Der Klagezeitraum umfasst Käufe der Aktie zwischen dem 27. Februar 2025 und dem 8. Juli 2026. Nach Veröffentlichung des Hunterbrook-Reports war die Aktie um rund sechs Prozent eingebrochen, wie mehrere der beteiligten Kanzleien in ihren Investorenmitteilungen festhalten.

Für Anleger, die im genannten Zeitraum Bloom-Energy-Aktien erworben haben und einen Verlust erlitten haben, laufen nun die Fristen: Wer die Führung der Klage als Lead Plaintiff übernehmen möchte, muss dies bis zum 28. September beantragen. Die schiere Zahl der beteiligten Kanzleien – neben den bereits genannten treten auch weitere Anwaltsbüros mit eigenen Investorenaufrufen auf – deutet auf ein Verfahren mit potenziell breiter Beteiligung institutioneller wie privater Anleger hin.

Kapitalzufluss trotz Rechtsstreit

Während sich die juristische Front gegen Bloom Energy verdichtet, expandiert das Unternehmen auf der Finanzierungsseite weiter. Alternatives Watch berichtet, dass Brookfield Asset Management im zweiten Quartal ein Rekordvolumen von 77 Milliarden US-Dollar an neuem Kapital einsammelte und dabei auch die Finanzierungslinie für Bloom Energy von ursprünglich 5 Milliarden auf 25 Milliarden US-Dollar ausweitete. Nvidia tritt dabei als Ankerinvestor auf. Diese Kapitalspritze fällt in eine Phase, in der Bloom Energy als Zulieferer für die Stromversorgung von Rechenzentren im Zuge des KI-Booms stark gefragt ist – ein Geschäftsfeld, das die Bewertung der Aktie zuletzt maßgeblich getrieben hat.

Kursbild bleibt volatil

An der Börse zeigt sich die Gemengelage aus Wachstumsfantasie und Rechtsrisiko in erratischen Kursbewegungen. Am Mittwoch schloss die Aktie bei 203,00 Euro und legte damit um 2,53 Prozent zu. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Minus von 13,98 Prozent zu Buche – ein Zeitraum, der genau in die Phase nach dem Hunterbrook-Report und den ersten Klageeinreichungen fällt. Die enorme Schwankungsbreite der vergangenen Monate unterstreicht, wie sensibel der Markt auf neue Nachrichten zu dem Unternehmen reagiert, das seit Jahresbeginn trotz allem noch deutlich im Plus liegt.

Für Anleger bleibt die Gemengelage unübersichtlich: Auf der einen Seite steht ein milliardenschwerer Rückenwind aus der KI-Infrastruktur-Finanzierung, auf der anderen eine wachsende Zahl paralleler Sammelklagen mit greifbarem Fristendruck. Wer im maßgeblichen Zeitraum investiert war, sollte die Frist Ende September im Blick behalten – unabhängig davon, wie sich der Rechtsstreit inhaltlich entwickelt.