BMW hat am heutigen Donnerstag die Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt – und sie fallen schwach aus. Der Konzernüberschuss brach um 35 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro ein, wie die Nachrichtenagentur dpa-AFX meldete. Der Umsatz sank um 8 Prozent auf 31,3 Milliarden Euro. Besonders schmerzhaft: Die EBIT-Marge im Kernsegment Automobile fiel von 5,4 Prozent im Vorjahr auf nur noch 2,3 Prozent.
Chinas Absatzeinbruch trifft den Kern des Geschäfts
Hauptursache der Schwäche ist der chinesische Markt. Dort brach der Absatz laut dpa-AFX um rund 30 Prozent ein – ein Rückgang, der die Margen im wichtigsten Auslandsmarkt des Konzerns empfindlich schmälert. BMW bestätigte zur Vorlage der Halbjahreszahlen die bereits im Juni gesenkte Jahresprognose und rechnet weiterhin mit einem schwierigen Marktumfeld und anhaltendem Wettbewerbsdruck in der Volksrepublik. Von einer schnellen Erholung ist damit vorerst nicht auszugehen.
Vorstandsvorsitzender Milan Nedeljković, der das Amt erst im Mai von der Hauptversammlung übertragen bekam, steht damit früh in seiner Amtszeit vor einer der größten Herausforderungen der jüngeren Unternehmensgeschichte. Die gleiche Hauptversammlung beschloss im Mai eine Dividende von 4,40 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2025 – ein Beschluss, der die heutigen Zahlen in einem noch schärferen Kontrast erscheinen lässt.
Stellenabbau und Sparprogramm als Reaktion
Nedeljković bestätigte im Rahmen der Quartalsvorlage den Abbau von weltweit rund 8.000 Stellen, was etwa 5 Prozent der Belegschaft entspricht. In Deutschland soll ein freiwilliges Abfindungsprogramm die Kosten senken. Der Konzern reagiert damit auf den strukturellen Druck aus schwächerer Nachfrage und sinkenden Margen im Kerngeschäft. Medienberichten zufolge soll das Programm helfen, die Kostenbasis mittelfristig zu stabilisieren.
Parallel zu den operativen Einschnitten hat BMW zum Ende Juni eine grundlegende Kapitalstrukturmaßnahme abgeschlossen: Alle stimmrechtslosen Vorzugsaktien wurden in stimmberechtigte Stammaktien umgewandelt, der Handel der Vorzugsaktien wurde eingestellt. Für die Aktionärsstruktur ist dies ein einschneidender Schritt, auch wenn er mit dem operativen Gewinneinbruch nichts zu tun hat.
Analysten sehen Licht im Schatten der Zahlen
Trotz der schwachen operativen Entwicklung gibt es differenzierte Stimmen von der Analystenseite. Jefferies-Analyst Philippe Houchois bewertete den freien Mittelzufluss im Automobilgeschäft am heutigen Tag als „höher als erwartet“ – ein Punkt, der angesichts der eingebrochenen Marge positiv auffällt. Bernstein-Analyst Stephen Reitman kommentierte ebenfalls am heutigen Donnerstag, nach der bereits im Juni erfolgten Prognosesenkung gebe es keine weiteren negativen Überraschungen; das operative Ergebnis liege sogar leicht über den bereits reduzierten Markterwartungen. Bernstein hatte sein Kursziel im Juni von 108 auf 85 Euro gesenkt, nachdem BMW die Jahresprognose revidiert hatte – dieser Schritt liegt inzwischen mehrere Wochen zurück und spiegelt nicht mehr die aktuelle Einschätzung wider.
Ein Lichtblick aus Ungarn
Abseits der Zahlenkrise meldete BMW einen operativen Erfolg: Im neuen Werk Debrecen in Ungarn lief das 50.000ste Fahrzeug vom Typ iX3 vom Band. Bei einem Auftragsbestand von knapp 100.000 Einheiten sieht sich der Konzern für dieses Modell auf Kurs, wie BMW mitteilte. Der iX3 zeigt damit, dass die Elektrostrategie zumindest in Teilen greift – ein Kontrapunkt zur China-Schwäche.
Kursreaktion bleibt verhalten
An der Börse reagierten Anleger auf die Zahlen mit vorsichtigem Optimismus. Die Aktie notiert aktuell bei 60,76 Euro und legt am heutigen Tag um 0,93 Prozent zu. Über die vergangenen sieben Handelstage hat das Papier bereits 6,41 Prozent gewonnen – ein Zeichen dafür, dass ein Teil der schwachen Entwicklung bereits eingepreist war. Seit Jahresbeginn steht die Aktie dennoch mit 34,96 Prozent im Minus, ein Beleg dafür, wie stark die Prognosesenkungen und die China-Schwäche das Kursbild über das Jahr belastet haben. Zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand weiterhin 23,68 Prozent nach unten – der langfristige Trend bleibt damit trotz der jüngsten Erholung angeschlagen.
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