BMW-Chef Milan Nedeljković musste sich am Freitag unbequemen Fragen stellen. Investoren wollten beim Pre-Close Call wissen, wie tief die Risse im operativen Geschäft wirklich gehen. Die Aktie schloss bei 58,28 Euro und liegt damit nur 2,14 Prozent über dem am 30. Juni markierten 52-Wochen-Tief.

Pre-Close Call legt Schwachstellen offen

Im Zentrum des Gesprächs standen zwei Themen: das laufende Sparprogramm und die Preisstrategie in China. Das Kostensenkungsprogramm sieht den Abbau von rund 7.700 Arbeitsplätzen vor. Nach der Gewinnwarnung von Mitte Juni lastete zusätzlicher Druck auf dem Termin.

Der Vorstand hatte die Prognose für 2026 bereits im Juni gesenkt. BMW erwartet nun einen leichten Rückgang der Auslieferungen gegenüber den 2,464 Millionen Einheiten des Vorjahres.

Auch die Margenerwartung sank. Die EBIT-Marge im Automobilsegment soll nur noch zwischen 1 und 3 Prozent liegen – zuvor waren 4 bis 6 Prozent das Ziel.

Als Reaktion baut der Konzern seine Kostenmaßnahmen weiter aus. Der Vorstand erweitert das Sparprogramm um zusätzliche Strukturmaßnahmen. Diese belasten das Ergebnis im zweiten Halbjahr einmalig.

An zentralen Finanzzielen hält BMW dennoch fest. Der freie Cashflow im Automobilsegment soll die Marke von 2,5 Milliarden Euro übertreffen. Die Ausschüttungsquote bleibt bei 30 bis 40 Prozent des Nettogewinns.

China bleibt größte Belastung

Der chinesische Markt entwickelt sich zum Dauerproblem für BMW. Einheimische Hersteller gewinnen dort kontinuierlich Marktanteile. Im ersten Quartal brachen die BMW-Auslieferungen in China um zehn Prozent ein, während der Gesamtmarkt um 17,5 Prozent schrumpfte.

Hinzu kommen geopolitische Belastungen. Der Konflikt im Nahen Osten treibt die Kosten nach oben. Bereits im zweiten Quartal 2026 führen der Iran-Krieg und die schwache China-Entwicklung zu einem deutlichen Rückgang bei Ergebnis und Free Cashflow.

Starke Kernmärkte, schwacher Kurs

Während die Aktie schwächelt, läuft das Geschäft in den USA und Deutschland rund. Im zweiten Quartal 2026 steigerte BMW die US-Auslieferungen um 13 Prozent auf über 102.000 Fahrzeuge. Die X-Baureihen machen inzwischen mehr als die Hälfte der US-Verkäufe aus.

Auch in Deutschland zieht die Nachfrage an. Im Juni meldete BMW 26.119 Neuzulassungen – ein Plus von 18,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Nedeljković verweist trotz der schwierigen Lage auf das Produktmomentum des Konzerns. „Mit der NEUEN KLASSE bringen wir in den nächsten beiden Jahren das stärkste BMW Portfolio der Geschichte auf die Straße“, sagte der Konzernchef. Er kündigte zugleich an, die laufenden Maßnahmen deutlich zu beschleunigen.

Halbjahreszahlen als nächster Prüfstein

Der Blick der Anleger richtet sich nun auf die vollständige Halbjahresbilanz. Der Vorstand will diese Ende Juli vorlegen. Dann zeigt sich, wie stark das erweiterte Sparprogramm bereits wirkt.

Charttechnisch bleibt die Aktie angeschlagen. Der RSI liegt bei 31,1 und signalisiert einen überverkauften Markt.

Der Kurs hat seit Jahresbeginn 39,24 Prozent verloren und liegt 28,95 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 82,03 Euro.