BMW steckt vier Tage vor der Vorlage des Halbjahresberichts in einer schwierigen Phase. Gleich mehrere Baustellen prägen das Bild: technische Rückrufe in Millionenhöhe, ein laufender Stellenabbau und eine gesenkte Gewinnprognose. Die Aktie notierte am Montag bei 57,68 Euro und damit nur noch 2,27 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief vom 24. Juli.
Zwei Rückrufe wegen möglicher Überhitzung
Am Freitag vergangener Woche wurden gleich zwei sicherheitsrelevante Rückrufe bekannt. Das Kraftfahrt-Bundesamt ordnete einen weltweiten Rückruf von rund 744.000 Fahrzeugen der Baujahre 2020 bis 2026 an – betroffen sind die Baureihen 2er bis 7er sowie mehrere X-Modelle. Grund ist ein Defekt am Starterrelais, der zu Überhitzung führen kann. Parallel bestätigte die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA einen Rückruf von 318.495 Fahrzeugen der Baureihen 3er, 4er sowie der SUV-Modelle X3 und X4 in den USA wegen Brandgefahr durch potenziell fehlerhafte Anlasser. Beide Aktionen betreffen damit offenbar verwandte technische Probleme rund um das Startersystem und summieren sich auf eine der größten Rückrufwellen der jüngeren BMW-Geschichte.
Zusätzliche Aufmerksamkeit erregen Medienberichte über die fortgesetzte Montage von SUV-Modellen wie X5, X6 und X7 im russischen Kaliningrad aus verbliebenen Teilesätzen – obwohl sich der Konzern 2022 offiziell aus Russland zurückgezogen hatte. BMW distanziert sich ausdrücklich von dieser Produktion.
Stellenabbau und gesenkte Prognose belasten die Stimmung
Vorstand und Betriebsrat verhandeln derzeit über die Umsetzung eines angekündigten Stellenabbaus von bis zu 7.500 Arbeitsplätzen. Hintergrund ist die verschlechterte Ertragslage des Konzerns. Bereits Mitte Juni hatte der Vorstand die Jahresprognose 2026 deutlich gesenkt: Die erwartete EBIT-Marge im Segment Automobile liegt nun zwischen 1 und 3 Prozent, zuvor waren 4 bis 6 Prozent in Aussicht gestellt worden. Als Ursachen nannte das Unternehmen die anhaltende Marktschwäche in China sowie gestiegene Kosten infolge des Nahost-Konflikts.
Für das erste Halbjahr 2026 meldete BMW ein leichtes Absatzplus von 1,5 Prozent in den USA sowie ein Plus in Europa. Der chinesische Markt zeigt jedoch eine beschleunigte Nachfrageschwäche, insbesondere bei Verbrennermodellen – ausgerechnet in dem Absatzmarkt, der lange als Wachstumstreiber galt.
Rückkaufprogramm läuft trotz Belastungen weiter
Ungeachtet der operativen Probleme setzt BMW sein Aktienrückkaufprogramm 2025/2027 fort. Im Rahmen der 55. Zwischenmeldung erwarb der Konzern zwischen dem 20. und 26. Juli insgesamt 634.883 Stammaktien. Ende Juni war zudem die gesellschaftsrechtliche Umwandlung aller stimmrechtslosen Vorzugsaktien in stimmberechtigte Stammaktien im Verhältnis 1:1 abgeschlossen worden – eine Vereinheitlichung der Aktienstruktur, die zuvor mehrere Jahre diskutiert wurde.
Personell kündigt sich zudem ein Wechsel im Vorstand an: Der Aufsichtsrat berief Dorothea von Boxberg mit Wirkung zum 1. September 2026 als neue Vorständin für das Ressort Personal und Sozialwesen und damit als Arbeitsdirektorin.
Der Kurs spiegelt die Summe dieser Belastungen deutlich wider. Seit Jahresanfang steht die Aktie mit 38,26 Prozent im Minus, ein Rückgang, der die schwache operative Entwicklung und die Serie negativer Nachrichten der vergangenen Monate abbildet. Am 30. Juli legt BMW den vollständigen Halbjahresbericht inklusive Analysten-Konferenz vor – ein Termin, der zeigen dürfte, wie stark die gesenkte Prognose und die China-Schwäche bereits in den Zahlen sichtbar werden.
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