BMW zieht die Reißleine: Der Münchner Autobauer baut bis Ende 2027 rund 8.000 Stellen ab, vor allem in Deutschland. Ab Oktober erhalten etwa 40.000 der 85.000 deutschen Beschäftigten ein Abfindungsangebot, betroffen sind Entwicklung, Produktplanung und Verwaltung. Der Schritt kommt nicht überraschend – die Zahlen für das erste Halbjahr 2026 liefern die Erklärung. An der Börse reagierten Anleger dennoch gelassen: Die BMW-Aktie legte am heutigen Montag um 1,11 Prozent zu und notiert bei 60,12 Euro.
Ergebniseinbruch in China als Auslöser
Der Umbau folgt auf einen deutlichen Rückgang der Konzernzahlen. Im ersten Halbjahr 2026 sank der Nettogewinn um 28,5 Prozent auf 2.872 Millionen Euro, das operative Ergebnis brach um 37,4 Prozent auf 3.635 Millionen Euro ein, der Umsatz fiel um 8 Prozent auf 62.266 Millionen Euro. Besonders hart trifft es das Autogeschäft im zweiten Quartal: Dort brach das EBIT um 60 Prozent auf nur noch 629 Millionen Euro ein. Ursache ist vor allem der China-Einbruch – die Auslieferungen dort fielen im zweiten Quartal um 30,2 Prozent. Europa und die USA konnten das nicht ausgleichen, auch wenn die Auslieferungen dort um 7,6 Prozent beziehungsweise 11,9 Prozent zulegten.
Als Ziel der Restrukturierung nennt BMW jährliche Einsparungen von einer Milliarde Euro ab 2028. Die freiwilligen Abfindungen sollen den Personalabbau sozial abfedern, doch die Dimension zeigt den Ernst der Lage: Die Sparte um Entwicklung und Verwaltung steht im Zentrum des Umbaus, weil BMW dort strukturelle Kosten senken will, während das operative Geschäft unter Druck bleibt.
Elektrostrategie belastet die Bilanz zusätzlich
Neben dem China-Geschäft drückt auch die Elektromobilität auf die Profitabilität. Der Anteil vollelektrischer Fahrzeuge lag 2025 bei 18 Prozent beziehungsweise 442.000 Fahrzeugen. Die frühe Carbon-Strategie der i-Modelle erwies sich als teuer: Der i3 kam in neun Jahren nur auf 250.000 verkaufte Einheiten, der iX auf 130.000 Stück in vier Jahren. Die Entwicklung von i3 und i8 soll BMW zwischen zwei und drei Milliarden Euro gekostet haben, hinzu kommt eine hundert Millionen Euro schwere Investition in ein Kohlefaser-Gemeinschaftsunternehmen mit SGL aus dem Jahr 2011. Die Produktion des i5 wurde inzwischen pausiert. Diese Vorgeschichte erklärt, warum die China-Schwäche die Ergebnisse so unmittelbar trifft: BMW fehlt bislang ein kosteneffizientes Elektroauto-Angebot, das mit günstigeren Wettbewerbern mithalten kann.
Auf der Zuliefererseite sorgt zudem ein Rechtsstreit für Bewegung: Aumovio muss 350 Millionen Euro an BMW im Zusammenhang mit einem Bremsen-Rechtsstreit zahlen, was den Zulieferer zu einer Prognosekorrektur zwang. Für BMW selbst ist die Zahlung Teil laufender Neuordnungen im Zuliefernetzwerk – parallel wurden neue Aufträge an Aumovio über mehr als eine Milliarde Euro vergeben. Zusätzlich vereinbarte BMW mit Qualcomm eine langfristige Chip-Partnerschaft über zehn Jahre für digitale Cockpits und Fahrerassistenzsysteme, ein strategischer Baustein für künftige Modellgenerationen.
Analysten sehen Kaufgelegenheit trotz Gewinnwarnung
Goldman Sachs senkte sein Kursziel für BMW von 84 auf 82 Euro, beließ die Einstufung aber bei „Buy“. Als Grund nennen die Analysten höhere Rückstellungen für die Abfindungen im Zuge des Stellenabbaus. Der Fokus der Bank liegt nun auf der Profitabilität in China und dem Fortschritt der Restrukturierung – zwei Faktoren, die über die nächsten Quartale entscheiden dürften, ob sich der eingeschlagene Sparkurs auszahlt.
Der Aktienkurs spiegelt die angespannte Lage weiterhin deutlich wider: Nach einem Rückgang von 35,65 Prozent seit Jahresbeginn liegt das Papier gut sechs Prozent über seinem 52-Wochen-Tief vom 24. Juli, aber weiterhin rund viereinhalb Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 63,01 Euro. Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Ein solider Auftragsfluss in den USA und Europa steht einer strukturellen China-Schwäche gegenüber, während der harte Sparkurs frühestens ab 2028 die Kostenbasis spürbar entlasten soll.
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